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Verlorener Regenwald: Satellitenfotos zeigen immer schnellere Abholzung

Gefällte Bäume im Amazonas-Wald (Archivbild): Zunehmende Abholzung Zur Großansicht
REUTERS

Gefällte Bäume im Amazonas-Wald (Archivbild): Zunehmende Abholzung

Tausende Satellitenaufnahmen belegen, dass die Abholzung des Regenwalds seit 2000 weltweit rasant zugenommen hat: Alle fünf Jahre verschwindet ein Areal, das beinahe so groß ist wie Deutschland.

In den vergangenen Jahren hatten Wissenschaftler mehrfach hoffnungsvolle Nachrichten verkündet: Es gebe eine Trendwende, die Abholzung des Regenwalds gehe zurück. Die Food and Agriculture Organization (FAO) der Uno war im Jahr 2010 zum Schluss gekommen, dass von 2000 bis 2010 deutlich weniger Wald verschwunden war als in dem Jahrzehnt davor.

Nun haben Forscher der University of Maryland die Entwicklung des tropischen Regenwalds anhand von Satellitenbildern analysiert - und sie kommen zu einem ganz anderen Ergebnis. Der Flächenverlust habe im Zeitraum von 1990 bis 2010 nicht ab-, sondern zugenommen, schreiben Do-Hyung Kim und seine Kollegen im Fachblatt "Geophysical Research Letters".

"Es gibt verschiedene regionale Studien mit Satellitenbildern", sagt Kim, "aber unsere ist die erste, welche die gesamten Tropen umfasst." In die Analyse flossen Daten von 34 Ländern ein, die 80 Prozent der Flächen mit tropischem Regenwald weltweit repräsentieren.

Die Forscher nutzten 5500 Aufnahmen von "Landsat"-Satelliten aus den Jahren 1990, 2000, 2005 und 2010 mit einer Auflösung von 100x100 Metern. Die Auswertung übernahm eine Software, die automatisch die verlorengegangenen Waldflächen ermittelte.

Virunga Nationalpark (Demokratische Republik Kongo)

September 2008 (l.) und Februar 1990 (r.)

Laut der neuen Analyse verschwanden von 1990 bis 2000 4,0 Millionen Hektar pro Jahr. Ein Hektar ist so groß wie zwei Fußballfelder. Im Zeitraum 2000 bis 2010 lag der Rückgang bei 6,5 Millionen Hektar - eine Zunahme von 62 Prozent. Der Rückgang entspricht der Fläche von Sri Lanka. Über fünf Jahre gerechnet, verschwindet demnach ein Areal tropischen Regenwalds fast so groß wie Deutschland.

Die größten Flächen des fürs Weltklima so wichtigen Regenwalds verschwinden laut der Studie in Brasilien - und zwar zuletzt 2,5 Millionen Hektar pro Jahr. Auf Rang zwei der größten Waldvernichter landet die Demokratische Republik Kongo (430.000 Hektar pro Jahr).

"Die Abholzung tropischen Regenwalds spielt eine wichtige Rolle bei den Zyklen des Weltklimas", sagt Douglas Morton vom Goddard Space Flight Center der Nasa, der an der Studie nicht beteiligt war. Das Abholzen von Wäldern und Verbrennen des Holzes habe in den Neunzigerjahren mit 20 Prozent zu den CO2-Emissionen der Menschheit beigetragen.

Die nun dokumentierte Zunahme der Abholzung ist für Morton keine Überraschung: "Die Abholzung wurde immer mehr mechanisiert", sagt er. In den Sechzigerjahren seien es Äxte gewesen, in den Siebzigern Kettensägen, und seit Anfang 2000 kämen Traktoren zum Einsatz.

hda

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1. Was soll man noch dazu sagen,
milomp 26.02.2015
was nicht schon 100 mal gesagt wurde. Der Mensch ist der Feind der Erde. Abholzung, Meeresverschmutzung, Luftverseuchung, töten aller Tiere, die ihm vor die Flinte oder ins Netz gehen. Aus Armut oder Profit oder einfach nur Spaß. Es ist nicht nur der Einzelne, sondern es sind auch Länder (siehe Walfang Japan). Das Beste für die Erde wäre der Untergang der Menscheit und zwar rechtzeitig, bevor nichts mehr durch die Selbstheilungskräfte der Natur regenerativ wäre...
2. Wen wundert das?
alles_logisch 26.02.2015
Wen wundert das? In den tropischen Entwicklungsländern gibt es eben noch viel Urwald. Wir in Mitteleuropa haben unsere Urwälder schon vor vielen Jahrhunderten gänzlich vernichtet! Jetzt findet die selbe Entwicklung halt in den Tropen statt. Und wir tragen erhebliche Mitschuld daran, denn wir importieren massenhaft Palmöl und Soja - Pflanzen, für deren Anbau der Tropenwald gerodet wird. Zudem ist Deutschland Netto-Holzimporteur. Das heißt, wir heizen die weltweite Nachfrage nach billigem Holz selbst an. Dass westliche NGOs Waldschutzgebiete in den Tropen initiieren, halte ich das schlichtweg für Öko-Imperialismus! Wieso wollen wir Urwald in den Tropen schützen? Wir könnten doch auch Urwald vor unserer Haustür wieder wachsen lassen (Ganz Europa wäre ohne menschliche Eingriffe von üppigem Wald bewachsen).
3. Ist doch gut,
puby 26.02.2015
Ebola und andere schlimme Krankheiten kommen aus dem Urwald, ist doch gut wenn der verschwindet, braucht kein Mensch. Auf den Flächen kann man sinnvolleres machen, z.b Soja anbauen und Rinder züchten.
4. Die Menschheit schneidet sich gerade die Lunge raus
Machmal Hin 26.02.2015
Genau so und nicht anders. Die Menschheit schneidet sich die Lunge raus. Und die Elite wird durch das Leid, das auf uns zukommen wird auch noch profitieren, indem sie uns dann auch noch den Sauerstoff teuer verkauft, denn wir dann zum Athmen brauchen. Wenn die Idioten denn wenigstens wieder aufforsten würden.....
5.
lupenreinerdemokrat 26.02.2015
Zitat von alles_logischWen wundert das? In den tropischen Entwicklungsländern gibt es eben noch viel Urwald. Wir in Mitteleuropa haben unsere Urwälder schon vor vielen Jahrhunderten gänzlich vernichtet! Jetzt findet die selbe Entwicklung halt in den Tropen statt. Und wir tragen erhebliche Mitschuld daran, denn wir importieren massenhaft Palmöl und Soja - Pflanzen, für deren Anbau der Tropenwald gerodet wird. Zudem ist Deutschland Netto-Holzimporteur. Das heißt, wir heizen die weltweite Nachfrage nach billigem Holz selbst an. Dass westliche NGOs Waldschutzgebiete in den Tropen initiieren, halte ich das schlichtweg für Öko-Imperialismus! Wieso wollen wir Urwald in den Tropen schützen? Wir könnten doch auch Urwald vor unserer Haustür wieder wachsen lassen (Ganz Europa wäre ohne menschliche Eingriffe von üppigem Wald bewachsen).
Klar, früher verbrannte man auch Hexen, weil man meinte, damit wäre die Ursache schlechter Ernten und Säuglingssterblichkeit beseitigt. Heutzutage leben wir allerdings in einer mehr oder weniger aufgeklärten Zeit mit so einigen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die einen relativ klaren Blick auf die Zusammenhänge in der Natur gestatten. Da ist es dann schon eher verwunderlich, wenn man trotz besseren Wissens sich selbst die Lebensgrundlagen zerstört wegen kurzfristiger Profite. Da nutzt es auch wenig, die europäischen Wälder wieder in einen Urwald zu verwandeln, zumal die Waldflächen eh in Europa wieder am wachsen sind. Also Gutmensch hin oder her, hier muss die Ursache nicht nur an der Wurzel gepackt werden (Holzverbrauch verringern, idiotische Palmölproduktion reduzieren), hier muss auch den rücksichtslosen Profiteuren vor Ort, also in den Regenwaldgebieten auf die Finger geklopft werden.
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