Sauerstoffmangel Klimawandel vergrößert Todeszonen in der Ostsee

Über Flüsse in die Ostsee gespülte Düngemittel fördern Algenblüten - und entziehen somit dem Wasser Sauerstoff. Forscher fürchten, dass diese sogenannten Todeszonen künftig immer größer werden. Schuld sind steigende Temperaturen.

Algenblüte in der Ostsee (Juli 2011): "Bisherige Maßnahmen nicht ausreichend"
Reuters/ ESA

Algenblüte in der Ostsee (Juli 2011): "Bisherige Maßnahmen nicht ausreichend"


London - Die sogenannten Todeszonen in der Ostsee könnten sich in den kommenden Jahrzehnten weiter ausbreiten. Ursache dafür seien steigende Wassertemperaturen, letztlich also der Klimawandel, berichten Forscher des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW) gemeinsam mit dänischen und niederländischen Kollegen im Fachmagazin "Nature Climate Change".

Die Wissenschaftler hatten anhand von Sedimentbohrkernen und Simulationen untersucht, welchen Einfluss Klimaschwankungen in den letzten tausend Jahren auf die sauerstoffarmen Bereiche am Meeresboden der Ostsee hatten. Todeszonen habe es in der Vergangenheit nur in warmen Klimaperioden gegeben, in kühleren Perioden seien sie dagegen verschwunden. Dieser Zusammenhang von Wassertemperatur und Todeszonen zeige sich auch dann, wenn das Wasser deutlich weniger stark überdüngt sei als heute. Das Risiko sei daher sehr hoch, dass das Tiefenwasser der Ostsee durch den Klimawandel in Zukunft noch sauerstoffärmer werde.

"Die bisherigen Maßnahmen, mit denen die Wasserqualität der Ostsee verbessert werden soll, sind vermutlich nicht ausreichend, um die weitere Ausbreitung sauerstoffarmer Zonen zu verhindern", schreiben Karoline Kabel vom IOW und ihre Kollegen. Wenn man dem Effekt steigender Wassertemperaturen entgegenwirken wolle, müsse man in Zukunft die Nährstoffbelastung des Wassers noch weiter reduzieren als bisher. Das könnte die Gefahr von wärmeliebenden Algenblüten minimieren, deren absinkende Reste dazu führen, dass im Tiefenwasser Sauerstoff aufgezehrt wird.

Überdüngung allein ist nicht die Ursache

Die Ostsee ist nur an einer Stelle mit der Nordsee verbunden. Deshalb wird ihr Wasser selten durchmischt. Stattdessen bilden sich meist deutlich voneinander getrennte Schichten: Leichtes Süßwasser aus zahlreichen Flüssen bleibt an der Oberfläche, in größeren Tiefen sammelt sich dagegen das schwerere Salzwasser. Sauerstoff kann nur sehr schwer vom gut durchmischten Oberflächenwasser in diese tiefen Wasserschichten gelangen. In der Ostsee können dadurch besonders leicht sauerstoffarme oder sogar sauerstofffreie Bereiche - die sogenannten Todeszonen - am Meeresboden entstehen. In diesen Bereichen können nur wenige Organismen überleben, da der Sauerstoff zum Atmen fehlt.

Bisher galt vor allem ein Überangebot von Nährstoffen im Wasser als Ursache der lebensfeindlichen Zonen. Denn die Überdüngung fördert Algenblüten, deren abgestorbene Reste in den tiefen Wasserschichten zersetzt werden. Dieser Abbauprozess verbraucht Sauerstoff und führt zu sauerstoffarmen Bereichen am Meeresboden. Doch die Überdüngung allein kann das Ausmaß der Todeszonen nicht erklären, wie eine Simulation der Forscher zeigte. Die sauerstoffarmen Bereiche wuchsen bei nährstoffreichem, aber kühlem Wasser nur wenig.

"Unsere Ergebnisse zeigen nun, dass auch steigende Temperaturen des Oberflächenwassers die Ausbreitung solcher Todeszonen fördern", schreiben Kabel und ihre Kollegen. Offenbar begünstige ein warmes Klima Massenvermehrungen von Blaualgen, auch als Cyanobakteriern bezeichnet. "Wir wissen, dass sich Cyanobakterien in der Ostsee erst bei einer Temperatur über 16 Grad Celsius und ruhigen Windbedingungen massenhaft vermehren", sagt Kabel. Diese Bedingungen könnten in Zukunft durch die Klimaerwärmung deutlich häufiger erreicht werden als bisher.

Für ihre Studie hatten die Forscher Sedimentkerne unter anderem aus dem Gotlandbecken, einem besonders tiefen Bereich der Ostsee, geborgen und untersucht. Sie rekonstruierten daraus die sommerlichen Temperaturen des Ostseewassers in den letzten tausend Jahren. An der Zusammensetzung der Sedimente konnten sie zudem ablesen, wann es sauerstoffarme Bereiche in der Tiefe gab.

Das Ergebnis: Während der Kleinen Eiszeit zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert lag die Wassertemperatur bei rund 15 Grad Celsius. Die Sedimente aus dieser Zeit zeigen keine Anzeichen für einen Sauerstoffmangel, wie die Forscher berichten. In der mittelalterlichen Warmzeit von 950 bis 1250 sei das Wasser aber ein bis zwei Grad wärmer gewesen, und man habe deutliche Hinweise auf sauerstoffarme Bedingungen am Meeresboden gefunden.

hda/dpa



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insgesamt 120 Beiträge
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Seite 1
andy69 02.07.2012
1. was soll man davon halten?
Zitat von sysopReuters/ ESAÜber Flüsse in die Ostsee gespülte Düngemittel fördern Algenblüten - und entziehen somit dem Wasser Sauerstoff. Forscher fürchten, dass sich diese sogenannten Todeszonen künftig immer größer werden. Schuld sind steigende Temperaturen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,842035,00.html
Stimmt vielleicht, vielleicht nicht. In schöner regelmässigkeit Warnungen.... Vor wenigen Jahren drohte laut "Spiegel" der Warmwasserstrom in den Nordatlantik (El Nino) zu versiegen, vor etwa einem Jahr las ich dann, er droht sich immer weiter auszubreiten. Ganz zu schweigen von Ozonloch oder Waldsterben... Sicherlich ist das Umweltthema DAS Thema der Zukunft, aber ob wechselnde Panikberichte dauerhaft zu einem Umdenken beitragen, darf bezweifelt werden.
cassandros 02.07.2012
2. Ihr Kinderlein, kommet
Zitat von andy69Stimmt vielleicht, vielleicht nicht. In schöner regelmässigkeit Warnungen.... Vor wenigen Jahren drohte laut "Spiegel" der Warmwasserstrom in den Nordatlantik (El Nino) zu versiegen, vor etwa einem Jahr las ich dann, er droht sich immer weiter auszubreiten. Ganz zu schweigen von Ozonloch oder Waldsterben... Sicherlich ist das Umweltthema DAS Thema der Zukunft, aber ob wechselnde Panikberichte dauerhaft zu einem Umdenken beitragen, darf bezweifelt werden.
[I] "Alle paar Jahre zieht El Niño im *Pazifik* auf und sorgt für ....[/QUOTE] Tip: Nochmals lesen!
skell100 02.07.2012
3. ganz schlimm
Oh mein Gott! Todeszonen in der Ostsee! Man muss sich vorstellen, dass da kleine Kinder hinein geraten! Das gibt doch jährliche hunderte tote Touristen am schönen Ostsseestrand. Da muss man ganz schnell und ganz viel dagegen tun. Am besten forschen, forschen, forschen. Mit gaaaanz viel Geld. Ziel erreicht.
picard95 02.07.2012
4. Es gibt zwei Todeszonen
Die erste aus Sauerstoffarmut, die zweite weil die Fischer alles was nach Fisch aussieht aus der Ostsee rausholt. Mal sehen was sie machen wenn es nur noch Quallen in der Ostsee gibt.
Laubhaufenwiese 02.07.2012
5. Missverständliche Überschrift
Ich finde die Überschrift völlig falsch gewählt. Hört endlich auf den Begriff "Klimawandel" zu nötigen und so falsch zu belegen, dass keiner mehr den Begriff Klima und Nachhaltigkeit hören kann! Die Menschen brauchen Aufklärung und keine polemischen Artikel. Ja es gibt Zusammnhänge zwischen der Temperatur und den "Todes"zonen bzw. dem Algenwachstum. War aber jedem schon klar, dass ein wärmeres "Aquarium" mehr Algen produziert. Das hat nichts mit DEM Klimawandel ansich zu tun, sondern ist nur ein weiteres Symptom der Krankheit ... Als Wissenschaftler kann man bei solcher Presse nur traurig den Kopf schütteln.
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