Knochensplitter

Fossilfund Der Salamander des Grauens

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Modell von Metoposaurus algarvensis: "Toilettendeckel-Kopf" mit mörderischem Gebiss
Marc Boulay/ Cossima Productions

Modell von Metoposaurus algarvensis: "Toilettendeckel-Kopf" mit mörderischem Gebiss


Es müssen nicht immer Reptilien sein: Vor 200 Millionen Jahren schaffte es ein Amphibium an die Spitze der Nahrungskette. Metoposaurus algarvensis war ein XXL-Salamander mit krokodilhaften Qualitäten - und einem Schädel, der an Toilettendeckel erinnert.

Die ausgehende Trias (252,2 bis 201,3 Millionen Jahre) war eine Zeit großer Veränderungen, die sich zunächst noch klein andeuteten. Neue Typen Räuber verbreiteten sich, doch noch hielten Tiergruppen die Spitzenpositionen in der Nahrungskette, die die Erde teils seit Hunderten Millionen Jahren regiert hatten.

So wie die Amphibien, die rund 200 Millionen Jahre zuvor im Devon den Landgang gewagt hatten. Metoposaurus algarvensis, ein entfernter Verwandter heutiger Salamander, den Forscher in der kommenden Ausgabe des "Journal of Vertebrate Paleontology" beschreiben, dominierte mit gut zwei Metern Körperlänge sein sumpfiges Biotop.

Kein Krokodil, aber groß und bissig: Seine Entdecker halten Metoposaurus für einen "Killer-Salamander"
AP/ UC of Edinburgh/ Joana Bruno

Kein Krokodil, aber groß und bissig: Seine Entdecker halten Metoposaurus für einen "Killer-Salamander"

Beschrieben wurde die Art nun anhand von Funden, die im heutigen Portugal gemacht wurden. Aber offenbar waren Metoposaurus und seine Anverwandten vor 200 Millionen Jahren noch weitverbreitet: Fossilien eng verwandter Spezies hatte man auch schon in Nordamerika, Afrika, Europa und Indien gefunden.

"Toilettendeckel-Schädel" mit scharfen Zähnen

Ernährt haben dürfte sich Metoposaurus vor allem von Fischen, aber auch junge, frühe Dinosaurier könnten ihr Ende zwischen den mächtigen Kiefern dieses Salamander-Verwandten gefunden haben. Denn anders als heutige Amphibien, die allenfalls kleine, unverwurzelte Zähne tragen, verfügte Metoposaurus über ein beeindruckendes Gebiss.

Steve Brusatte von der School of GeoSciences an der Universität Edinburgh und Hauptautor der Studie schreibt dazu: "Dieses neue Amphibium sieht aus, als käme es aus einem schlechten Monsterfilm. Es war so lang wie ein kleines Auto und hatte Hunderte scharfe Zähne in seinem großen, flachen Schädel, der ein bisschen so wie ein Toilettendeckel aussah, wenn er zuschnappte. Das war die Art gefährlicher Räuber, mit der sich die allerersten Dinosaurier konfrontiert sahen, wenn sie sich zu nah ans Wasser wagten - lange vor den ruhmreichen Tagen von T. rex und Brachiosaurus."

Schädelfragmente von Metoposaurus: Eines der letzten Zwei-Meter-Amphibien
Octavio Mateus/ Richard Butler/ Steve Brusatte

Schädelfragmente von Metoposaurus: Eines der letzten Zwei-Meter-Amphibien

Dinosaurier begannen ihre "Karriere" dabei keineswegs als Zwerge. Die ersten traten in der mittleren bis ausgehenden Trias auf und erreichten schon Körpergrößen von einem (Eosaurus) bis zu sechs Meter (Herrerasaurus). Bekanntester Zeitgenosse von Metoposaurus und vergleichbaren räuberischen Amphibien war Coelophysis, der es bei zweieinhalb Metern Länge immerhin auf rund 30 Kilogramm Gewicht gebracht haben mag.

In der Trias explodierte die Artenvielfalt

Mit solchen flinken, hochbeinigen Theropoden kündigte sich der spätere Siegeszug der Raubsaurier an. Wahrscheinlich jagten sie im Rudel und gehörten darum auch schon zur Gruppe der Räuber am Oberende der Nahrungskette. Deren Spitzen aber blieben in allen Biotopen noch für lange Zeit anderweitig besetzt.

Nicht nur Amphibien wie Metoposaurus lauerten in Sümpfen und Seen auf Beute, sie konkurrierten dort auch mit ersten Krokodilen sowie mächtigen Phytosauriern, die in Gestalt und Lebensweise heutigen Krokodilen stark ähnelten. An Land jagten derweil bis zu neun Meter lange Rauisuchia: räuberische und agile Archosaurier, die sich ähnlich hochbeinig bewegten wie später die Dinosaurier und deren größte Vertreter eine halbe Tonne Gewicht auf die Waage gebracht haben mögen.

Mit Dinosauriern, Schildkröten, Krokodilen und anderen erstmals auftretenden Tiergruppen hatte sich das Leben in der Trias erheblich diversifiziert. Säuger-Vorfahren wieselten durchs Gestrüpp, während am Himmel erste Pterosaurier ihre Kreise zogen und Meeresechsen in den Ozeanen Superlative setzten.

Dann zerbrach am Übergang zur Jura der Superkontinent Pangäa, und ein gigantisches Massensterben begann. Es ist weniger bekannt als die Ereignisse, die am Ende von Perm oder Kreide zahlreichen Arten den Garaus machten, war aber wohl schlimm genug: 50 bis 80 Prozent aller Arten starben aus, und die Karten im Spiel des Lebens wurden wieder einmal neu gemischt. Mit dem Beginn des Jura endete so die Zeit der großen Amphibien - die Nachfahren von Metoposaurus sollten nie mehr dessen Größe erreichen.

Es war das Ende der alten Dynastien - und der Beginn der fast 150 Millionen Jahre andauernden Herrschaft der Dinosaurier.

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