Saurierfossil Forscher finden kleinen Urahn des T. rex

120 Zentimeter vom Maul bis zur Schwanzspitze: Ein Gigant war "Eodromaeus murphi" nicht - doch der Jäger, der Millionen Jahre vor der Blütezeit der Dinosaurier lebte, verrät Forschern einiges darüber, wie sich die Urzeitechsen so massiv ausbreiten konnten.

Photo by Mike Hettwer

Es existieren zahlreiche Theorien darüber, wie die Dinosaurier ausstarben. Doch Wissenschaftler stellen sich auch noch eine ganze andere Frage: Wie betraten die Urechsen, die über Millionen von Jahren die Tierwelt der Erde dominierten, die Bühne? In Nordwesten Argentiniens haben Forscher eine neue Dinosaurierart entdeckt, die ihrer Ansicht nach hilft, dieses Rätsel zu lösen.

Aus zwei erstaunlich gut erhaltenen Teilskeletten konnten sie die Anatomie des zierlichen Raubtieres rekonstruieren, der vor rund 230 Millionen Jahren lebte - also rund 30 Millionen Jahre vor der Blütezeit der Dinosaurier. Eodromaeus murphi war vom Maul bis zur Schwanzspitze rund 120 Zentimeter lang und wog bis zu sieben Kilogramm. Und er bewegte sich auf zwei Beinen fort, berichten die Paläontologen im Fachmagazin "Science". In ihren Untersuchungen kommen sie zu dem Schluss, dass der kleine Fleischfresser ein früher Vorfahr der Theropoden-Saurier ist, zu denen die meisten Raubsaurier, darunter auch Tyrannosaurus rex gehörten. Zu den typischen Merkmalen zählen unter anderem gezackte Zähne und lange Fingerknochen, um Beute zu greifen.

Ricardo Martinez von der Universität San Juan in Argentinien und seine Mitarbeiter verglichen den Körperbau des in der Ischigualasto-Formation entdeckten Sauriers mit dem des Eoraptors, der zur selben Zeit in der Region gelebt hatte. Auch dies war ein zweibeiniger und eher kleiner Vertreter der Dinosaurier.

Klare Unterschiede zwischen beiden Arten

In der detaillierten Untersuchung zeigte sich, dass sich beide Arten deutlich unterschieden. Einer der charakteristischen Unterschiede: Eodromaeus verfügt über eine pneumatische Öffnung auf der Schnauze, bei Eoraptor fehlt sie hingegen. Sie ist auch typisch für Theropoden. Die Forscher ordnen den Eoraptor daher jetzt - anders als bisher angenommen - als Vorfahren der Sauropoden ein. Dies waren große, teilweise sogar riesige pflanzenfressende Saurier mit tonnenförmigem Rumpf und einem langen Hals.

Eine Gesamtanalyse der Fundstücke aus der Ischigualasto-Formation ergab, dass die Dinosaurier in dieser Region vor rund 230 Millionen Jahren etwa elf Prozent aller vorhandenen Wirbeltiere ausmachten - doppelt so viel wie bisher angenommen. Die Funde lassen auch darauf schließen, dass bereits eine große Artenvielfalt unter den Dinosauriern existierte. Dies spreche für die Theorie, dass die Saurier andere Arten nicht plötzlich verdrängten, sondern vielmehr nach und nach ökologische Nischen besetzten, weil verschiedene Tiere aus anderen Gründen ausstarben.

wbr/dpa



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Miguelito 14.01.2011
1. Massensterben
Daß es am Ende des Perm ein Massensterben gab, das noch heftiger war als das am Ende der Kreidezeit, ist ja bekannt. Die überlebenden Tierarten mußten sich dann in der Trias erst mal "einsortieren", d.h. ihre ökologischen Nischen finden und sich von dem Massensterben erholen, das daurt wohl ein paar Millionen Jahre, nach dem kreidezeitlichen Massensterben soll es 15 Mio. Jahre gedauert haben, bis die Artenvielfalt wieder ein Ausmaß wie vor dem Massensterben hatte. Das wird in der Trias nicht anders gewesen sein.
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