Löwen in Afrika: Des Königs Reich schwindet

Von Thomas Wagner-Nagy

Der König der Tiere droht sein Reich zu verlieren. Die ausgedehnte Savanne Afrikas musste Farmen und der wachsenden Bevölkerung weichen. Das hat dramatische Folgen für die Löwen auf dem Kontinent.

Von Farmen und Siedlungen verdrängt: Löwen in der afrikanischen Savanne Zur Großansicht
REUTERS

Von Farmen und Siedlungen verdrängt: Löwen in der afrikanischen Savanne

Drei Viertel der afrikanischen Savannenlandschaft sind in den vergangenen 50 Jahren zerstört worden. Zusammen mit ihrem Lebensraum verschwanden im selben Zeitraum auch mehr als zwei Drittel der Löwen.

Wie ein internationales Forscherteam im Fachjournal "Biodiversity and Conservation" berichtet, leben in Afrika nur noch etwa 32.000 Löwen, verteilt über isolierte Areale. 1960 waren es noch knapp 100.000 Tiere.

Die Wissenschaftler um Jason Riggio von der Duke University in Durham (US-Bundesstaat North Carolina) nutzten Google Earth, um die verbleibenden Gebiete zu erfassen, die sich als Lebensraum für die Großkatzen eignen. Sie suchten also nach dünn besiedelten Landstrichen, wo der Einfluss des Menschen gering ist. Dabei zeigte sich, dass einige Gebiete, die auf früheren Karten als Savanne ausgewiesen waren, nunmehr in kleine Farmen zerfallen sind.

"Beim Wort Savanne denken viele an riesige Ebenen, die vor wilden Tieren strotzen. In Wahrheit haben die veränderte Landnutzung und Abholzung, bedingt durch das schnelle Bevölkerungswachstum, große Teile der ursprünglichen Savanne zersplittert oder zerstört", beklagt Co-Autor Stuart Pimm in einer Pressemitteilung der Duke University. Nur 25 Prozent der Savannenfläche, die einst größer als die Vereinigten Staaten war, seien heute noch erhalten. Das drängt den König der Tiere immer weiter zurück.

Kaum noch Löwen in Westafrika

Laut den Experten seien lediglich 10 von 67 für Löwen geeignete Lebensräume stabil und ausreichend geschützt, um den Tieren gute Überlebenschancen zu bieten.

Besonders düster sieht es für die Löwen in Westafrika aus. Die menschliche Bevölkerung hat sich dort innerhalb der vergangenen 20 bis 30 Jahre verdoppelt und raubt den Großkatzen immer mehr Lebensraum.

In der Folge leben heute weniger als 500 Löwen in der Region. Wilderei, Krankheiten sowie Inzucht bei kleinen Populationen verschärfen die akute Bedrohung. Jüngst seien selbst in offiziell geschützten Gebieten lokale Bestände ausgestorben, schreiben die Forscher und warnen, dass "nur mit sofortigen energetischen Schutzmaßnahmen Hoffnung auf ein Überleben" der kleinen Populationen bestehe.

Sie schätzen, dass mehr als 6000 Löwen in kleinen Populationen leben, die akut vor der Ausrottung stehen.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. .
kuddel37 06.12.2012
Zitat von sysopREUTERSDer König der Tiere droht sein Reich zu verlieren. Die ausgedehnte Savanne Afrikas musste Farmen und der wachsenden Bevölkerung weichen. Das hat dramatische Folgen für die Löwen auf dem Kontinent. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/savanne-und-loewen-verschwinden-in-afrika-a-871184.html
So ist das wenn die Bevölkerung wächst und die Natur weichen muss. In Europa ware es halt die Wölfe die ausstarben und in Afrika verschwinden nun halt die Löwen. Kann mich noch gut erinnern was ein Theater es gab als auf einmal ein Problembär in seinen angestammten lebensraum zurück kehren wollte.
2. Lösung?
bronck 06.12.2012
In unseren Wäldern gibt es viel zu viele Wildschweine. Könnte man nicht einfach den Löwen hier ein neues Zuhause geben und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen?
3. Praktische Umsetzung
weltoffener_realist 06.12.2012
---Zitat--- ...schreiben die Forscher und warnen, dass "nur mit sofortigen energetischen Schutzmaßnahmen Hoffnung auf ein Überleben" der kleinen Populationen bestehe. ---Zitatende--- Wo der Artikel endet, fängt das Problem eigentlich erst an: Wie soll man den Konflikt zwischen expandierender Bevölkerung und frei lebenden Wildtieren denn lösen? Die staatlichen Strukturen gerade der betroffenen Länder sind schwach und korrupt. Soll der Westen in einer Art ökologischen Kolonisierung Schutzgebiete kaufen und gegen die örtliche Bevölkerung verteidigen? Soll es finanzielle Anreize geben und wie stellt man sicher, dass das Geld bei den richtigen Empfängern ankommt (und wie begrenzt man diesen Empfängerkreis)?
4.
review 06.12.2012
Zitat von bronckIn unseren Wäldern gibt es viel zu viele Wildschweine. Könnte man nicht einfach den Löwen hier ein neues Zuhause geben und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen?
Nein leider nicht, Löwen bevorzugen offenes Gelände, Wildschweine mehr bedecktes. ;-)
5. Der Artikel wirft Licht
Tevje 06.12.2012
auf das wahre Problem, das Mensch und Wildnis miteinander haben: das ungehemmte Wachstum der Menschheit, das gerade in den Drittweltstaaten nach wie vor weit daon entfernt ist, beherrscht zu werden. In den Sahelstaaten Mali, Niger und Burkina Faso verdoppelt sich die Bevölkerungszahl alle 19 (nicht 30!) Jahre, was einen kaum zu beherrschenden Andrang auf noch freie Flächen zur Folge hat, da hier zwischen 70% und 85% der Bevölkerung von Landwirtschaft leben. Desolate bis nicht existierende Banksysteme zwingen darüber hinaus die Bevölkerung, das Geld traditionell für schlechte Zeiten zu sparen: sie kaufen Vieh und lassen dies von den Nomaden der Region hüten, jährlich gibt es bescheidenen Zuwachs. Und Viehzucht und Großprädatoren vertragen sich nicht miteinander und Gift ist selbst auf den Bauernmärkten erhältlich - die Hyänen, in der Umgebung der Siedlungen weitaus störender, als die eher zurückhaltenden Löwen, sind bereits seit 20 Jahren weitgehend verschwunden und mit dem Untergang der Großantilopen folgen nun auch die Löwen. Schade.
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