Löwen in Afrika: Des Königs Reich schwindet
Der König der Tiere droht sein Reich zu verlieren. Die ausgedehnte Savanne Afrikas musste Farmen und der wachsenden Bevölkerung weichen. Das hat dramatische Folgen für die Löwen auf dem Kontinent.
Drei Viertel der afrikanischen Savannenlandschaft sind in den vergangenen 50 Jahren zerstört worden. Zusammen mit ihrem Lebensraum verschwanden im selben Zeitraum auch mehr als zwei Drittel der Löwen.
Wie ein internationales Forscherteam im Fachjournal "Biodiversity and Conservation" berichtet, leben in Afrika nur noch etwa 32.000 Löwen, verteilt über isolierte Areale. 1960 waren es noch knapp 100.000 Tiere.
Die Wissenschaftler um Jason Riggio von der Duke University in Durham (US-Bundesstaat North Carolina) nutzten Google Earth, um die verbleibenden Gebiete zu erfassen, die sich als Lebensraum für die Großkatzen eignen. Sie suchten also nach dünn besiedelten Landstrichen, wo der Einfluss des Menschen gering ist. Dabei zeigte sich, dass einige Gebiete, die auf früheren Karten als Savanne ausgewiesen waren, nunmehr in kleine Farmen zerfallen sind.
"Beim Wort Savanne denken viele an riesige Ebenen, die vor wilden Tieren strotzen. In Wahrheit haben die veränderte Landnutzung und Abholzung, bedingt durch das schnelle Bevölkerungswachstum, große Teile der ursprünglichen Savanne zersplittert oder zerstört", beklagt Co-Autor Stuart Pimm in einer Pressemitteilung der Duke University. Nur 25 Prozent der Savannenfläche, die einst größer als die Vereinigten Staaten war, seien heute noch erhalten. Das drängt den König der Tiere immer weiter zurück.
Kaum noch Löwen in Westafrika
Laut den Experten seien lediglich 10 von 67 für Löwen geeignete Lebensräume stabil und ausreichend geschützt, um den Tieren gute Überlebenschancen zu bieten.
Besonders düster sieht es für die Löwen in Westafrika aus. Die menschliche Bevölkerung hat sich dort innerhalb der vergangenen 20 bis 30 Jahre verdoppelt und raubt den Großkatzen immer mehr Lebensraum.
In der Folge leben heute weniger als 500 Löwen in der Region. Wilderei, Krankheiten sowie Inzucht bei kleinen Populationen verschärfen die akute Bedrohung. Jüngst seien selbst in offiziell geschützten Gebieten lokale Bestände ausgestorben, schreiben die Forscher und warnen, dass "nur mit sofortigen energetischen Schutzmaßnahmen Hoffnung auf ein Überleben" der kleinen Populationen bestehe.
Sie schätzen, dass mehr als 6000 Löwen in kleinen Populationen leben, die akut vor der Ausrottung stehen.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Wissenschaft
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Natur
- RSS
- alles zum Thema Naturschutz
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Donnerstag, 06.12.2012 – 08:26 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 6 Kommentare
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT WISSENSCHAFT
-
Klimawandel
Erderwärmung: CO2, Treibhauseffekt und die Folgen - alle Nachrichten und Hintergründe -
Satellitenbilder
Blick von oben: Entdecken Sie die Schönheit der Welt - im Satellitenbild der Woche -
Artensterben
Kampf um die Vielfalt Wie der Mensch die Natur ausbeutet - und einen Massentod unter Tieren und Pflanzen verursacht -
Numerator
Rechenkunst: Zahlen und Logik - die Kolumne über die Wunderwelt der Mathematik -
Graf Seismo
Geheimnisvoller Planet: Erde, Wasser, Luft - die Kolumne über die größten Rätsel der Geoforschung
