Genom-Analyse Wie das Schaf zur Wolle kam

Das Schafgenom ist entziffert. Der genetische Bauplan gibt Einblicke in die Funktion des aufwendigen Verdauungssystems der Wiederkäuer - und er verrät, dank welcher Gene die Tiere einen Wollmantel tragen.

Von

Wollschaf aus China: Genom mit 2,61 Milliarden Basenpaaren
Tianxiang Wang

Wollschaf aus China: Genom mit 2,61 Milliarden Basenpaaren


Schafe sind aus dem Alltag vieler Menschen kaum wegzudenken. Sie liefern zartes Fleisch, Milch für schmackhaften Käse und Wolle für flauschige Winterpuschen. Dass ihr Körper all diese Stoffe herstellen kann, liegt in den Genen - dem Bauplan für Zellen und Botenstoffe. Erstmals haben Forscher diesen nun entziffert. Das Wissen könnte in der Schafzucht genutzt werden, etwa um Krankheiten zu erforschen, aber auch, um die Wollproduktion anzukurbeln.

Acht Jahre lang haben die Wissenschaftler die Gene in 40 verschiedenen Geweben von zwei Texelschafen untersucht. Die Art stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Laut Analyse besteht das Schafgenom aus 2,61 Milliarden Basenpaaren, berichten die Forscher im Fachmagazin "Science". Basenpaare sind die Bausteine der DNA. Zum Vergleich: Das menschliche Genom ist aus 3,27 Milliarden Basenpaaren zusammengesetzt. Das größte bisher entzifferte gehört der Weihrauchkiefer mit 22 Milliarden Basenpaaren.

Um herauszufinden, was Schafe von anderen Säugetieren und Wiederkäuern unterscheidet und wie sich die verschiedenen Spezies im Zuge der Evolution entwickelt haben, verglichen die Wissenschaftler Schafgene unter anderem mit denen von Ziegen. Gezielt suchten sie dabei nach Stellen, die von einem gemeinsamen Vorläufer abstammen, und kreierten einen Stammbaum. Demnach entwickelten sich die Vorfahren der Ziegen und Schafe vor etwa vier Millionen Jahren auseinander.

Wirtschaftliche Bedeutung: Weltweit leben etwa eine Milliarde Schafe
Tianxiang Wang

Wirtschaftliche Bedeutung: Weltweit leben etwa eine Milliarde Schafe

Gene aus der Leber für die Wollproduktion

Der Fokus der Forscher lag aber woanders: "Weil die Produktion von Wolle eine große Bedeutung für den Menschen hat, wollten wir herausfinden, welche Gene daran beteiligt sind", erklärt Brian Dalrymple. Er arbeitet bei der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) bei Brisbane im australischen Bundesstaat Queensland. "Wir haben einen neuen Stoffwechselweg entdeckt, über den Fett in der Haut der Schafe verarbeitet wird. Er könnte wichtig für die Produktion der Wolle und von Wollwachs sein."

Unter anderem entdeckten die Wissenschaftler Gene, die beim Menschen im Darm daran beteiligt sind, Fette aus der Nahrung aufzunehmen. Außerdem haben sie Einfluss auf die Funktion der Leber, in der Fette gespeichert werden. Bei den Schafen allerdings werden die Gene vor allem in Hautzellen abgelesen. Sie könnten also für die Wollproduktion wichtig sein, vermuten die Forscher. Zumal die Herstellung von Wolle im Schaf wahrscheinlich eng mit dem Fettstoffwechsel verknüpft ist.

Neben Haut und Leber fanden die Wissenschaftler im Schafgenom auch Verbindungen zwischen Haut und Pansen. Der Pansen ist die Gärkammer des Schafmagens, wo Mikroorganismen die Zellwände der Pflanzennahrung auflösen und in Rohstoffe für tierische Proteine umwandeln, die der Körper für all seine Funktionen braucht. Das Gewebe von Pansen und Haut ist sich sehr ähnlich. Die meisten Gene werden ähnlich abgelesen. Doch die Forscher fanden auch einige Gene, die nur im Pansen eine Rolle spielen, also entscheidend für seine einzigartige Funktion sind.

Die Studienergebnisse sollen nun als Grundlage dienen, um Krankheiten, die Wollproduktion und die Grundlagen des Verdauungssystems von Wiederkäuern genauer zu erforschen.

Der Autorin auf Twitter folgen



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MiniDragon 06.06.2014
1. Technischer Fortschritt!
Zitat von sysopTianxiang WangDas Schafgenom ist entziffert. Der genetische Bauplan gibt Einblicke in die Funktion des aufwendigen Verdauungssystems der Wiederkäuer - und er verrät, dank welcher Gene die Tiere einen Wollmantel tragen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/schafgenom-entziffert-hinweise-auf-produktion-von-wolle-und-verdauung-a-973344.html
Abwarten! Vielleicht wird den Gentechnikern die eierlegende Wollmilch – Sau tatsächlich noch gelingen.
butzibart13 06.06.2014
2.
Vielleicht kann man uns Menschen eines Tages diese Gene einpflanzen, so dass wir ein dickes Wollkleid uns zulegen. Dann heißt es Pelzmantel, Winterkleidung, Heizung ade, ein Schritt gegen die Klimaerwärmung.
al2510 06.06.2014
3. Ja, ja, warum züchten sie denn noch ein Schaf
Eine Schafhaut dürfte doch reichen. Wenn die Schnucken nur friedlich am Deich grasen und ab und an mal geschoren werden, oder gar wie bei der Kaschmir Ziege, wo die Wolle nur ausgekeimt wird, könnte ich mich für die Wollproduktion erwärmen, aber wenn da ein Tier nur für den Nutzen gezüchtet wird, dann lehne ich Wolle ab. Die einzige Wolle die schön zu tragen ist, ist Kaschmir. Schafwolle ist eine Strafe für den Träger. Kaschmir kommt von Nomaden aus der Mongolei. Aber Baumwolle, Hanf, Leinen, Viskose und Seide liefern viel bessere Stoffe.
analyse 07.06.2014
4. Immer diese Gene !Die Wahrheit ist: Es wurde kälter,also
redeten die Mutterschafe (die Mutterschafe !)den Lämmern gut zu,sich doch warm anzuziehen,mehr und mehr Wolle zu produzieren! GENDER !
stelzenlaeufer 07.06.2014
5.
Schaaf! Von dem RSR-Müll bekommt man ja Augenkrebs!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.