Schaltsekunde Die Silvesternacht wird ein bisschen länger

Gleich die erste Stunde des neuen Jahres hat etwas Besonderes: Sie ist eine Sekunde länger als normal. Das liegt an einer sogenannten Schaltsekunde. Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen dazu.

Hoffentlich stellen die sich alle selbst um. Uhren auf einer Messe in Hong Kong.
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Hoffentlich stellen die sich alle selbst um. Uhren auf einer Messe in Hong Kong.


Was passiert in der Silvesternacht?

Dann wird - weltweit zum gleichen Zeitpunkt - eine Extra-Sekunde eingeschoben. Um 00.59.59 Mitteleuropäischer Zeit folgt nicht wie sonst 1.00.00, sondern 00.59.60 und dann erst 1.00.00. Offiziell gehört die Schaltsekunde aber noch zum Jahr 2016, denn sie wird um 23.59.59 Uhr der koordinierten Weltzeit (UTC) eingefügt. UTC steht für Universal Time Coordinated, früher sagte man dazu Greenwich Mean Time (GMT). Eine Schaltsekunde gibt es seit 1972 in unregelmäßigen Abständen alle paar Jahre. Sie wird entweder am 30. Juni oder am 31. Dezember eingefügt. Aktuell ist es das 27. Mal.

Warum ist die Schaltsekunde nötig?

Grob gesagt, dreht sich die Erde in 24 Stunden einmal um sich selbst. Ganz genau betrachtet, braucht sie für diese Umdrehung jedoch ein ganz kleines bisschen länger. Damit die Atomuhren, die weltweit die Zeit vorgeben, auch weiterhin parallel zum Tag-Nacht-Rhythmus der Erdrotation laufen und beides nicht irgendwann auseinanderklafft, muss diese kleine Ungenauigkeit hin und wieder ausgeglichen werden. Langfristig betrachtet würde die Sonne in ein paar Millionen Jahren sonst erst am Mittag aufgehen.

Muss ich meine Uhr umstellen?

Funkuhren werden automatisch umgestellt. Denn die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig (PTB) fügt die Schaltsekunde in das Langwellensignal ein, das die Uhren zur Synchronisierung nutzen. Mobiltelefone beziehen ihre Zeitinformationen meist automatisch über das Netz - auch hier ist kein manuelles Umstellen nötig. Für alle anderen Uhren gilt: Die eine Sekunde mehr oder weniger dürfte kaum eine Rolle spielen.

Wer legt die Umstellung fest?

Wann weltweit eine Extra-Sekunde eingeschoben wird, entscheidet der International Earth Rotation and Reference Systems Service (IERS). Seine Mitarbeiter messen und überwachen die Drehung der Erde. Alle anderthalb bis zwei Jahre entscheiden sie, eine Schaltsekunde einzufügen. "Die Erde dreht sich ungleichmäßig schnell", erklärt Andreas Bauch von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. "Deshalb findet auch die Schaltsekunde nicht regelmäßig statt."

Welche Folgen hat die Umstellung?

Dass der Mensch von der Schaltsekunde etwas bemerkt, ist unwahrscheinlich. Auch die meisten Uhren werden den Sprung wohl gut bewältigen. Probleme könnte es dagegen bei einigen Konzernen geben. Betroffen davon sind zum Beispiel die Systeme von Telekommunikationsunternehmen, die ihre Angebote sekundengenau abrechnen oder Betreiber von Hochspannungsnetzen, die im Mikrosekundenbereich arbeiten.

Bei der Schaltsekunde 2012 wurden mehrere Websites lahmgelegt, zum Beispiel Reddit, Foursquare und LinkedIn. Bei der australischen Fluggesellschaft Quantas fiel das Buchungssystem aus. Bei einer Schaltsekunde im Jahr 2015 lief dagegen alles glatt.

Gibt es Alternativen zur Schaltsekunde?

Es gibt einige Kritiker, die die Abschaffung der Schaltsekunde fordern. Russland und Großbritannien wollen sie unter allen Umständen beibehalten, USA und Japan lieber darauf verzichten. Statt alle paar Jahre eine Sekunde einzustreuen, fordern manche Zeitexperten auch einer Schaltminute, die man deutlich seltener bräuchte.

Zeit-Experte Bauch hält den Vorschlag allerdings für "bizarr". "Wenn eine Schaltsekunde manchem schon Probleme bereitet, wäre eine Schaltminute doch noch viel schlimmer", meint er.

chs/hda/dpa



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