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Schifffahrt in der Arktis: Dem hohen Norden droht starke Ruß-Belastung

Weil das Eis der Arktis schmilzt, wird die Gegend immer attraktiver für den Schiffsverkehr. Eine aktuelle Studie warnt nun davor, dass die Schiffe deutlich mehr schädlichen Ruß in den hohen Norden tragen werden als bisher angenommen.

Washington - Der vergangene Sommer war nur ein Vorgeschmack. "Nordwest-Passage komplett eisfrei" verkündeten damals die Medien. Das sind Schlagzeilen, an die sich die Menschheit wohl gewöhnen muss. Durch den Rückgang des arktischen Meereises werden die Schifffahrtsrouten im hohen Norden, die Nordwest- und auch die Nordostpassage für immer längere Phasen befahrbar sein.

Eisbrechendes Containerschiff: Weltweit ist die Schifffahrt für einen Rußausstoß von 130.000 Tonnen pro Jahr verantwortlich.
DDP

Eisbrechendes Containerschiff: Weltweit ist die Schifffahrt für einen Rußausstoß von 130.000 Tonnen pro Jahr verantwortlich.

Die eisfreien Passagen versprechen der Schifffahrtsindustrie kürzere Wege - und damit auch Vorteile für die Umwelt, weil weniger Treibstoff verbraucht wird. Doch ein Schifffahrtsboom würde trotzdem ökologische Probleme in der Arktis bringen; eine Belastung der Umwelt durch Schwefelverbindungen aus minderwertigem Schiffsdiesel zum Beispiel - und Unmengen an Ruß.

Und gerade die Belastungen mit dem pechschwarzen Ruß dürften weit höher ausfallen als bisher angenommen, wie eine aktuelle Studie eines Teams um Daniel Lack von der US-Wetterbehörde NOOA belegt. In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Geophysical Research Letters" berichten die Forscher, dass große Frachtschiffe mehr als doppelt so viel Ruß ausstoßen wie bislang angenommen. Basis der Untersuchung waren die Emissionsdaten von knapp hundert Schiffen; bisherige Forschungsarbeiten hatten sich auf gerade einmal eine Hand voll beschränkt.

Besonders hohe Ruß-Werte fanden die Wissenschaftler bei Schleppern, doch auch Tanker und Container blasen knapp ein halbes Gramm Ruß für jeden verbrannten Kilogramm Treibstoff in die Luft. Im Hafen liegen diese Werte etwas höher als auf dem offenen Meer. Ein Schiff der Post-Panama-Klasse, auf dem 8000 Container Platz finden, verbraucht bei einer Reisegeschwindigkeit von 24 Knoten rund 250 Tonnen Treibstoff pro Tag. Das bedeutet, dass das Schiff jeden Tag rund 125 Kilogramm Ruß ausstößt.

In der Summe, so schreiben Lack und seine Kollegen, sei die weltweite Schifffahrt für 130.000 Tonnen Ruß pro Jahr verantwortlich. Das ist eine beeindruckende Zahl, bedenkt man, dass die Verbrennungsrückstände auch bei der Erderwärmung eine wichtige Rolle spielen. "Der Einfluss der Rußwolken auf den Treibhauseffekt wurde bisher unterschätzt", hatte der US-Klimaforscher Greg Carmichael in diesem Frühjahr auf SPIEGEL ONLINE erklärt. Die finsteren Wolken seien nach den Kohlendioxidemissionen der zweitwichtigste menschliche Beitrag zum Treibhauseffekt. Lack und seine Kollegen warnen nun, dass der Ruß gerade in der Arktis überproportionale Folgen haben werde.

Für das arktische Meereis sieht es ohnehin nicht besonders gut aus. Nicht wenige Forscher gehen davon aus, dass der Nordpol in diesem Sommer eisfrei sein könnte. Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung ist nicht ganz so pessimistisch. In seiner in der vergangenen Woche vorgelegten Prognose rechnet er aber auch mit einem der schlechtesten Jahre für die Arktis. Demnach dürften die Eis-Minimalwerte des vergangenen Sommers zwar wohl nicht erreicht werden, die Marke des bisher zweitschlechtesten Jahres, 2005, werde aber wohl unterschritten.

So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Frachtschifffahrt in der Arktis an Fahrt gewinnt.

chs

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