Meeresforschung Schiffslärm stört Buckelwale bei der Jagd

Wale reagieren empfindlich auf Lärm, das bestätigt eine Untersuchung an Buckelwalen: Die Meeresgiganten veränderten ihr Jagdverhalten, wenn es in ihrer Umgebung laut wurde.

Buckelwal (Archivfoto)
DPA

Buckelwal (Archivfoto)


Schiffslärm scheint Buckelwale bei der Nahrungssuche zu beeinflussen. In der Gegenwart von Meeresfahrzeugen sind die bis zu 19 Meter langen Tiere beim Tauchen nach Beute weniger erfolgreich, berichten Forscher im Fachblatt "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Die Forscher um Hannah Blair von der Syracuse University (US-Staat New York) statteten zehn Buckelwale mit Sensoren aus, die sowohl Umgebungsgeräusche als auch die Bewegung der Tiere aufzeichneten. Die Daten wurden im Golf von Maine, also an der nördlichen Ostküste der USA, in der Umgebung der Stellwagen Bank erhoben. Diese flache Meeresregion ist für Buckelwale ideal, die dort auf dem Meeresboden auf Nahrungssuche gehen.

Ein auffälliges Fressverhalten ist die Seitenrolle, bei der sich die Meeressäuger bei der Jagd nach Sand-Aalen auf die Seite drehen. Die Forscher registrierten 29 Prozent weniger Seitenrollen, wenn Schiffsgeräusche zu hören waren. Auch das Ab- und das Auftauchen geschahen deutlich verlangsamt. Besonders empfindlich reagierten weibliche Wale auf die Geräusche, zwei davon in Begleitung ihrer Kälber, ein Tier war trächtig.

Blair und Kollegen haben mehrere mögliche Erklärungen für das veränderte Verhalten der Wale:

  • Die Tiere könnten sich in ihren Möglichkeiten, aufzutauchen und Luft zu holen, beeinträchtigt fühlen.
  • Aufgrund der Geräusche könnten sich Sand-Aale vermehrt einbuddeln, was die Jagd erschwert.
  • Die Schiffsgeräusche könnten die Verständigung der Wale untereinander stören, wenn sie ihre Nahrungssuche koordinieren.

Bemerkenswert finden die Forscher, dass sich die Tiere auch nachts so verhalten, wenn deutlich weniger Schiffe unterwegs sind als tagsüber. Zwar seien Buckelwale sehr anpassungsfähig, doch vollständig könnten sie die Störung durch die Schiffe offenbar nicht kompensieren.

Dass Lärm Wale beeinträchtigt, ist inzwischen für viele Arten nachgewiesen. Bartenwale, zu denen auch die Buckelwale gehören, gelten dabei als besonders gefährdet: Sie kommunizieren in jenen niedrigen Frequenzbereichen, die auch Schiffe hauptsächlich produzieren.

Vor einigen Monaten berichteten Forscher, dass auch Schwertwale, die eigentlich höhere Frequenzen für die Jagd und die Verständigung nutzen, durch Schiffslärm gestört werden. 2014 kamen Wissenschaftler zum Schluss, dass seismische Messungen Schweinswale wie den Kleinen Tümmler vertreiben. Solche Messungen verwenden Unternehmen, um beispielsweise Rohstoffvorkommen oder die geologischen Bedingungen vor dem Bau von Windparks erkunden.

wbr/dpa



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