Schiffsunglück vor Neuseeland Havarierter Frachter beginnt zu zerbrechen

Das Zerbrechen des vor Neuseeland aufgelaufenen Frachters steht offenbar kurz bevor. Im Rumpf des Schiffes klaffen große Risse, Dutzende Container fielen ins Meer. Das weiterhin schlechte Wetter dämpft die Hoffnungen, eine Umweltkatastrophe noch verhindern zu können.

DPA

Wellington - Der vor der Küste Neuseelands auf ein Riff gelaufene und leckgeschlagene Frachter "Rena" droht auseinanderzubrechen. Das neuseeländische Fernsehen zeigte am Mittwoch Bilder eines großen Risses in der Seite des Schiffs, das mit Schlagseite auf dem Riff festliegt. "Wir haben Belastungsrisse am Rumpf festgestellt, so dass wir ein Auseinanderbrechen des Schiffes nicht ausschließen können", sagte Regierungschef John Key.

Der Riss zog sich an der Steuerbord-Seite vom Deck bis zur Wasserlinie hinab. Die Schifffahrtsbehörde Maritime New Zealand (MNZ) erklärte, drei Schlepper an der Unglücksstelle versuchten, den 236 Meter langen Frachter auf dem Riff zu halten. Das Wetter am Astrolabe-Riff machte weitere Arbeiten unmöglich: Die Wellen erreichten am Mittwoch eine Höhe von fünf Metern, wie MNZ-Sprecher Steve Jones erklärte. Unter diesen Umständen könnten die Rettungskräfte nicht an Bord gehen. Meteorologen rechneten jedoch für Donnerstag mit einer Beruhigung der See.

Aus dem havarierten Frachter sind bereits rund 300 Tonnen Schweröl ausgelaufen und ins Meer geflossen. Da schlechtes Wetter ein Abpumpen der noch an Bord verbliebenen knapp 1400 Tonnen Öl verhindert, wird an der Küste bereits eine Umweltkatastrophe großen Ausmaßes befürchtet.

An den weißen Sandstränden der Nordküste Neuseelands sind am Donnerstag weitere Ölplacken angeschwemmt worden. Mehrere tote Vögel seien geborgen worden, berichtete die Schifffahrtsbehörde. Andere ölverschmierte Tiere würden behandelt. Man werde noch Monate gegen die Folgen des Unglücks kämpfen.

Umweltminister Nick Smith warnte vor der schlimmsten Umweltkatastrophe in der Geschichte Neuseelands. Die Umweltorganisation WWF befürchtet, dass im Falle eines Auseinanderbrechens des Schiffs Öl in die Nahrungskette geraten könnte. Das Unglücksgebiet vor der Plenty-Bucht ist ein Paradies für Seevögel, Delfine und Wale. Die Badestrände sind auch bei Touristen beliebt.

Rund 70 Container über Bord gespült

Durch den starken Wellengang wurden inzwischen auch rund 70 Container über Bord gespült. Die Schifffahrtsbehörde warnte alle in der Nähe fahrenden Schiffe, dass Container kaum sichtbar unter der Wasseroberfläche treiben könnten. Einige der Behälter landeten bereits am Strand der etwa sieben Kilometer entfernten Insel Motiti.

Am Donnerstagmorgen erschien der Kapitän des Unglücksschiffs, das 1990 in Kiel gebaut wurde, nach seiner Festnahme erstmals vor Gericht. Dem 44-jährigen philippinischen Kapitän wurde vorgeworfen, mit seiner Schiffsführung "unnötige Gefahren und Risiken" heraufbeschworen zu haben. Er wurde nach kurzer Anhörung vor dem Bezirksgericht in Tauranga gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt, muss sich täglich auf der Polizeiwache melden, berichtete der neuseeländische Rundfunk.

Sollte der Kapitän von einem Gericht schuldig gesprochen werden, droht im bis zu ein Jahr Haft. Das könnte auch für den Zweiten Offizier der "Rena" gelten, der inzwischen ebenfalls beschuldigt worden ist. MNZ wirft ihm vor, für das Unglück mitverantwortlich zu sein. Der Zweite Offizier ist in der Regel für die Navigation und die Pflege der Seekarten zuständig.

Die örtlichen Behörden hatten sich wiederholt gewundert, wie es zu der Havarie kommen konnte. Das nur 80 Meter breite Riff sei seit mehr als 180 Jahren in den Seekarten verzeichnet, und es gebe für Schiffe klare Anweisungen, wie es zu umrunden sei. Am Unglückstag, dem 5. Oktober, hatte der Kapitän Geburtstag, wie nach Medienberichten aus den Ermittlungsunterlagen hervorgeht.

mbe/dpa/dapd

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