Schimpansen Handwerkliches Geschick liegt in den Genen

Sie angeln Termiten mit Stöcken und knacken Nüsse mit Steinen - Schimpansen sind erfinderisch und geschickt im Gebrauch von Werkzeugen. Dabei spielen auch die Gene eine bedeutende Rolle.

Komm raus! Ein Schimpanse bearbeitet einen Holzblock
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Komm raus! Ein Schimpanse bearbeitet einen Holzblock


Atlanta - Die Gene entscheiden mit darüber, wie schnell sich Schimpansen mithilfe eines Werkzeugs einen Leckerbissen angeln können. Das Geschick beim Werkzeuggebrauch ist bei den Tieren nämlich erblich, berichten Wissenschaftler in den "Proceedings B" der britischen Royal Society nach einer Untersuchung von Schimpansen in Gefangenschaft. Frühe soziale Erfahrungen, also etwa ob die Affen von der Mutter oder von Menschen aufgezogen worden waren, beeinflussten die Geschicklichkeit dagegen nicht maßgeblich.

Viele Tiere benutzen Werkzeuge, aber Schimpansen sind darin besonders gut und flexibel. Sie fischen zum Beispiel mit dünnen Zweigen Termiten aus deren Bauten, knacken Nüsse mithilfe von Steinen oder benutzen Speere zur Jagd. Sie wählen ihre Hilfsmittel zum Beispiel nach Gewicht und können sie nötigenfalls auch verfeinern.

Zum Teil verfügen verschiedene Populationen, manchmal sogar benachbarte Gruppen, über individuelle Werkzeugkulturen mit eigenen Gebrauchsmethoden. Inwieweit die Fähigkeiten beim Erwerben und Benutzen von Werkzeugen erblich sind, sei bisher kaum untersucht, schreiben die Wissenschaftler um William Hopkins von der Georgia State University in Atlanta (US-Staat Georgia).

Voraussetzungen für den Werkzeuggebrauch

Sie beobachteten nun 243 Schimpansen, die in zwei Forschungszentren leben, bei einem Experiment. Die Tiere mussten mit einem Lutscherstiel in einem engen Loch herumstochern, um an eine Leckerei zu kommen - Barbecue-Soße zum Beispiel oder Sirup. Die Forscher maßen, wie viel Zeit die Tiere dazu brauchten und welche Hand sie bei jedem ihrer 50 erfolgreichen Versuche benutzten. Einige der Schimpansen waren noch vor Mitte der Siebzigerjahre aus der Wildnis in die Forschungszentren gekommen. Die meisten waren dort geboren und entweder von der eigenen Mutter oder von einem Menschen aufgezogen worden. Die Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere waren den Forschern bekannt. Die beiden Gruppen sind genetisch nicht verwandt.

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Die Wissenschaftler stellten nun in beiden Populationen fest, dass sowohl die Geschicklichkeit als auch die Händigkeit (Bevorzugung einer Hand) der Tiere erblich ist. Sie vermuten, dass die gleichen Gene für beide Eigenschaften verantwortlich sind. Die Art der Aufzucht der Tiere beeinflusste die Geschicklichkeit hingegen nicht. Je älter die Schimpansen waren, desto länger brauchten sie für die Aufgabe, berichten die Forscher weiter. Und unter den Männchen waren mehr Linkshänder als unter den Weibchen.

Schwamm aus zerkauten Blättern

Ob motorisches Geschick auch bei anderen Arten erblich ist, müssten weitere Untersuchungen zeigen, schreiben die Forscher. Die genetischen Voraussetzungen für den Werkzeuggebrauch waren vermutlich bereits bei dem letzten gemeinsamen Vorfahren von Schimpansen und Menschen vorhanden.

Kürzlich konnten Forscher erstmals in freier Wildbahn beobachten, wie Schimpansen voneinander lernen, neue Werkzeuge zu verwenden. Die Wissenschaftler um Thibaud Gruber von der Universität Neuchâtel in der Schweiz hatten Schimpansen im Budongo-Schutzgebiet im Nordwesten Ugandas beobachtet. Die Tiere nutzen Schwämme aus zerkauten Blättern, um Wasser aus Baumhöhlen zu holen. Ausgehend von dem dominanten Männchen der Gruppe breitete sich innerhalb weniger Tage eine neue Methode in der Gruppe aus, bei der das Wasser mit Moosschwämmen aufgenommen wird.

nik/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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Tiananmen 17.12.2014
1.
Das mit den Speeren ist mir neu. Heißt das, dass die Schimpansen Äste bzw. Stämmchen _zurichten_, bevor sie geworfen werden? Oder verwenden sie nur (entblätterte) Äste zum Werfen?
WolfHai 17.12.2014
2. Sorry, Gleichheitsfanatiker: das ist beim Menschen dann auch so
Wieder ein Schlag ins Gesicht der Gleichheitsfanatiker. Jetzt ist auch noch das handwerkliche Geschick bei Schimpansen angeboren. Und wenn das für die Schimpansen gilt, dann gilt das auch für die Menschen. Es hat sich im Laufe der letzten 20 bis 30 Jahre gezeigt (bei Menschen z.B. durch Zwillings- und Adoptionsstudien), das viel von dem, was unser Verhalten und unseren Charakter ausmacht, nicht in der Familie gelernt, sondern angeboren ist. Menschen sind damit nicht nur voneinander verschieden, sondern auch - in Kombination mit den Dingen, die die jeweilige Gesellschaft schätzt und belohnt - besser oder schlechter als andere. Die Herstellung von Gleichheit oder die Herstellung von sozialen Regeln, die annehmen, die Menschen seien gleich, ist deshalb verlorene Liebesmüh; in den traurigeren Fällen ist ein solcher Versuch geradezu grausam. Das gilt sowohl für die Versuche in der Schulpolitik, die statt Chancengleichheit so oft Ergebnisgleichheit verlangt, als auch für das Gendermainstreaming, das die angeborenen Geschlechtsunterschiede leugnet. Aber es wird noch lange dauern, bis die Verantwortlichen das einsehen; ein normaler Mensch tut gut daran, ihnen so weiträumig auszuweichen, wie es nur geht.
Coemgen2 17.12.2014
3. Und dies von den Spezialisten der Milieutheorie?
Die noch vor 20 Jahren bei allen Ergebnissen der Genforschung sofort "Nazi" hyperventilierten? Die ewigen Wahrheiten der Redakteure des Spiegels haben immer kürzere Halbwertzeiten. Eigentlich Wertloshalbwertzeiten. Weil sie immer wertlos sind und sich nach nach gewissen Zeiten als gewaltiger Mode-Schmarrn herausstellen. Deshalb stimmt auch diese neue Theorie nicht. Aber ich finde es müßig, hier noch Aufklärung zu betreiben.
georgia.k 17.12.2014
4. So manche Schulpolitiker kaschieren damit nur ihre Vorurteile
anstatt diejenigen mit handwerklicher Begabung genauso wertzuschätzen und zu fördern, verlangen sie ihnen Lehrstoff ab, den sie nicht unbedingt bewältigen - mal von Mithilfe und Augenzudrücken abgesehen. Die handwerkliche Begabung ist auch eine intellektuelle Begabung - auch wenn es einige unserer Schulpolitiker noch nicht gerafft haben. So schlagen viele Bildungswege ein, die ihnen letztlich gar nicht liegen, anstatt auf ihre Begabung zu setzen - weil die Schulen insoweit auch keine Angebote machen.
dritter_versuch 17.12.2014
5. Gene
Zitat von WolfHaiWieder ein Schlag ins Gesicht der Gleichheitsfanatiker. Jetzt ist auch noch das handwerkliche Geschick bei Schimpansen angeboren. Und wenn das für die Schimpansen gilt, dann gilt das auch für die Menschen. Es hat sich im Laufe der letzten 20 bis 30 Jahre gezeigt (bei Menschen z.B. durch Zwillings- und Adoptionsstudien), das viel von dem, was unser Verhalten und unseren Charakter ausmacht, nicht in der Familie gelernt, sondern angeboren ist. Menschen sind damit nicht nur voneinander verschieden, sondern auch - in Kombination mit den Dingen, die die jeweilige Gesellschaft schätzt und belohnt - besser oder schlechter als andere. Die Herstellung von Gleichheit oder die Herstellung von sozialen Regeln, die annehmen, die Menschen seien gleich, ist deshalb verlorene Liebesmüh; in den traurigeren Fällen ist ein solcher Versuch geradezu grausam. Das gilt sowohl für die Versuche in der Schulpolitik, die statt Chancengleichheit so oft Ergebnisgleichheit verlangt, als auch für das Gendermainstreaming, das die angeborenen Geschlechtsunterschiede leugnet. Aber es wird noch lange dauern, bis die Verantwortlichen das einsehen; ein normaler Mensch tut gut daran, ihnen so weiträumig auszuweichen, wie es nur geht.
Also ob ein Mensch eine Frau oder ein Mann wird, liegt in den Genen. Das bestreitet niemand und ist wohl auch schon seit Mendel bekannt. zum Artikel: Da muss bei mir ein Gendefekt vorliegen.
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