Schimpansen Söhne treiben Mütter in Männergruppen

Weibliche Schimpansen im Gombe Nationalpark verbringen viel Zeit allein - es sei denn, sie haben männlichen Nachwuchs. Dieser lässt die Damen vermehrt Männergruppen besuchen.

Zweijähriges Schimpansen-Männchen: In Männergruppen sollen die Kleinen lernen, sich zu benehmen
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Zweijähriges Schimpansen-Männchen: In Männergruppen sollen die Kleinen lernen, sich zu benehmen


Wie gesellig Schimpansen-Mütter sind, hängt weitgehend vom Geschlecht ihres Nachwuchses ab. Bringen sie einen Jungen zur Welt, verbringen sie mit diesem viel Zeit in Gesellschaft. Das haben Wissenschaftler über Jahrzehnte beobachtet. Sie vermuten, dass die Mütter ihren Söhnen dadurch Gelegenheit verschaffen, angemessenes Benehmen zu erlernen.

Das Forscherteam um Carson Murray von der George Washington University in Washington hatte Daten aus einer Schimpansen-Population im Gombe National Park in Tansania ausgewertet. Diese Population wird unter anderem von der Verhaltensforscherin Jane Goodall seit 1960 beobachtet. Die Achtzigjährige ist auch an der Studie beteiligt, der Beobachtungsdaten aus 37 Jahren zugrunde liegen.

Demnach ist der Geselligkeits-Unterschied zwischen Müttern mit Söhnen und Müttern mit Töchtern in den ersten sechs Monaten besonders ausgeprägt - also in einer Zeit, in der die noch sehr jungen Schimpansen kaum Einfluss auf das Verhalten ihrer Mütter haben dürften. Dies deute darauf hin, dass es eine bewusste Entscheidung der Mutter ist, größere Gruppen aufzusuchen, berichten die Forscher. Insgesamt verbrächten die männlichen Schimpansen in der frühen Kindheit täglich zwei Stunden mehr in Gesellschaft - die mütterliche Familie ausgenommen - als die weiblichen.

Mütter von Söhnen zieht es in Männergruppen

Im ersten halben Lebensjahr suchen die Mütter scheinbar besonders die Nähe männlicher Artgenossen, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Mit dem Älterwerden hatten die Jungen dann über gemeinsames Spielen oder Fellpflege ebenfalls mehr Sozialkontakte zu anderen Gruppenmitgliedern als die Schimpansen-Mädchen.

Die beobachteten Unterschiede zwischen den Geschlechtern deuteten bereits das Sozialverhalten erwachsener Schimpansen an, so Goodall und Kollegen. Bei den Schimpansen in Ostafrika (Pan troglodytes schweinfurthii) seien die erwachsenen Männchen geselliger und aggressiver als die Weibchen. Sie schmiedeten Allianzen zum gemeinschaftlichen Jagen oder zur Verteidigung der Gruppe. Die Jungen müssten sich in die männliche Hierarchie integrieren und seien auf soziale Fähigkeiten angewiesen, wenn sie als Erwachsene Erfolg haben wollten.

Die Weibchen hingegen verbrächten viel Zeit allein. In der beobachteten Population im Gombe Nationalpark seien sie 40 bis 70 Prozent des Tages entweder allein oder nur mit ihren Töchtern und anderen Angehörigen zusammen

jme/dpa

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