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Videobeweis: Schimpansen-Gangs plündern nachts Maisfelder

Schimpansen schlafen nachts? Weit gefehlt: Infrarotaufnahmen aus Uganda enthüllen 14 nächtliche Überfälle in 20 Tagen auf Maisfelder. Auch Weibchen beteiligen sich an den Plünderungen.

PLOS Media

Schimpansen unternehmen ausgedehnte nächtliche Raubzüge in die Felder von Landwirten. Ihr Verhalten konnte durch automatische Videoaufzeichnungen erstmals studiert werden. Dabei habe sich gezeigt, dass sich die Tiere ganz anders verhalten als vermutet, berichten französische Biologen in der Onlinefachzeitschrift "Plos One".

Sabrina Krief und ihre Mitarbeiter vom naturhistorischen Museum in Paris untersuchten Schimpansengruppen am nördlichen Rand des Kibale-Nationalparks in Uganda. Während 20 Tagen konnten sie mittels Videoaufzeichnungen 14 Überfälle von Schimpansengruppen filmen, die reife Maisplantagen am Rande des Waldes heimsuchten.

Die Forscher erwarteten, dass die Tiere, die normalerweise tags aktiv sind, unregelmäßig, in kleinen Gruppen und unter der Leitung eines dominanten Männchens vorgehen würden - und das leise und vorsichtig, um schnell wieder zu verschwinden.

Die Aufnahmen zeigten fast das genaue Gegenteil: 41 Prozent der gefilmten Zeit, die die Tiere an und in den Feldern verbrachten, lag zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht. Zum Teil war es sogar stockdunkel, weil die nächtlichen Feldzüge nie bei Vollmond, sondern alle während der Neumondphase oder bei abnehmendem oder zunehmendem Mond erfolgten.

Lebensraum zurückerobern

Den Forschern zufolge ist die Studie der erste Beleg dafür, dass die Schimpansen selbst in Nächten mit keinem oder wenig Mondlicht Raubzüge starten. In den Nächten waren sie auch weniger vorsichtig als tagsüber und verharrten beispielsweise nicht auf Bäumen am Feldrand, bevor sie sich auf den Mais stürzten. Die Forscher nutzten nachts Infrarotkameras, die Wärme aufzeichnen.

Bei ihren Feldbesuchen tagsüber oder nachts waren die Gruppen mit durchschnittlich acht Tieren doppelt so groß wie normale Affengruppen, die sich zum Fressen zusammenfinden. Sie waren zwar vorsichtig, aber sie waren weder besonders leise noch um große Eile bemüht - ein mittlerer Raubzug dauerte 40 Minuten, er konnte sich aber auch bis zu zwei Stunden lang hinziehen. Und schließlich nahmen Affen allen Alters und sozialen Ranges an den Raubzügen teil, sogar Weibchen mit angeklammerten Babys.

Dies zeige, wie stark das Verhalten der Tiere von der Veränderung ihres Lebensraums durch die Nachbarschaft beeinflusst werde, schließt Krief. Die Forscher sehen die Feldbesuche als Anpassungsstrategie der Affen, die Lebensraum vom Menschen zurückerobern.

boj/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
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1. Plünderungen, Raubzüge
ihawk 22.10.2014
Die Wortwahl in diesem Artikel ist höchst unpassend und schon fast hetzerisch. Zum Straftatbestand der Plünderungen bzw. eines Raubzuges gehört zumindest ein Minimum von Unrechtsbewusstsein bzw. das Wissen etwas Unrechtes zu tun - Dieses Unrechtsbewusstsein kann man aber sehr wohl den Menschen unterstellen, die den Lebensraum von Tieren zerstören.
2. Man weiss es ja nicht.
n01 22.10.2014
Zitat von ihawkDie Wortwahl in diesem Artikel ist höchst unpassend und schon fast hetzerisch. Zum Straftatbestand der Plünderungen bzw. eines Raubzuges gehört zumindest ein Minimum von Unrechtsbewusstsein bzw. das Wissen etwas Unrechtes zu tun - Dieses Unrechtsbewusstsein kann man aber sehr wohl den Menschen unterstellen, die den Lebensraum von Tieren zerstören.
Vielleicht kennen Schimpansen ja ein bißchen Unrechtsbewußtsein. Immerhin sind sie ja Menschenaffen. Wer weiss, was so alles in Ihrem Kopf vor sich geht. Und wer weiss, ob wir in unserer Frühzeit nicht genauso nachts herumgeschlichen sind, um anderen Stämmen ihren Mais zu plündern. Wenn wir mal aussterben sollten, sind sie eventuell unsere Nachkommen. Und bauen eine neue Zivilisation auf? Wo auf Maisdiebstall 1 Monat Haft steht!
3. Omg
patrick6 22.10.2014
"sogar Weibchen" beteiligten sich an Nahrungsaufnahme. Na denn, da wird die Kultur der Schimpansen sicher Ärger von der UNO bekommen. Also mal im Ernst: Tiere besorgen sich was zu Essen. Was ist daran nun so toll? Wäre es nicht evtl. eine ++EILMELDUNG++ wert gewesen?
4. Mensch und Affe recht getan, ist eine Kunst, der sich beide Spezies intensiv widmen sollten
neanderspezi 22.10.2014
Ist es denn ernsthaft verwunderlich, dass Menschenaffen dank ihrer Lernfähigkeit ihre Ernährung den Möglichkeiten und Schmackhaftigkeiten, die ihre Umgebung ihnen bietet, nach einer Testphase zu ihrer vollen Zufriedenheit wahrnehmen und dabei nach und nach die ganze Sippe zum Mitmachen auffordern? Ähnliche Fressorgien werden in Europa auch von solchen Intelligenzbestien wie den Wildschweinen ausgeübt, worüber sich zweifellos schon mancher Landwirt die Haare gerauft hat. Da die Menschenaffen, wie schon die Artbezeichnung andeutet, an Intelligenz den Menschen nachzueifern sich bemüht zeigen, sind derartige Erntearbeiten durchaus zu erwarten. Immerhin ist es von den Affen sehr rücksichtsvoll, dass sie sich des Nachts bei unzureichendem Licht der Ernte widmen, was den Menschen zupass kommen dürfte, um tagsüber ihrer Arbeit ungestört nachkommen zu können. Vielleicht bringen es die dort ansässigen Menschen und ihre Fell tragenden genetisch nahen Verwandten aus dem angrenzenden Homeland zu einer Absprache, wer wann was zur beiderseitigen Zufriedenheit auf den Frucht tragenden Feldern zu erledigen hat. Vielleicht haben die Menschen bisher ja nur versäumt mit den Affen entsprechende Verträge abzuschließen oder es wurden solche Verträge früher schon mal abgeschlossen, wobei jedoch die Affen dabei regelmäßig übers Ohr gehauen wurden, dass sie sich schließlich nicht mehr darauf einlassen wollten.
5. Schimpansen werden zu Raubzügen gezwungen
Bernd Grossmann 22.10.2014
Wo Menschen aus reiner Profitgier den Lebensraum von Wildtieren zerstören und zu Kulturland umformen müssen sich die Menschen nicht wundern dass die Wildtiere gezwungen sind, ihre Nahrung vom Menschen zu rauben. Wenn sich selbst weibliche Schimpansen an den `Hungerraubzügen` beteiligen zeigt dies schon die Verzweiflung unter den Primaten.
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