Nussknacker: Schimpansen wählen Werkzeug nach Gewicht

Eine Nuss mit einem Stein knacken - für Schimpansen ist das ein kniffliger Trick. Doch in Experimenten hat sich jetzt gezeigt, dass die Tiere schon nach wenigen Versuchen ihre Technik perfektionieren: Je nach Art der Nuss wählen sie den perfekten Hammer.

Treffsicher: Ein Schimpanse beim Nussknacken Zur Großansicht
dapd

Treffsicher: Ein Schimpanse beim Nussknacken

San Francisco - Schimpansen suchen sich aus gleich geformten Werkzeugen das schwerste und damit das am besten geeignete aus, um damit Nüsse zu knacken. Das zeigt ein Experiment eines internationalen Forscherteams, bei dem Schimpansen Macadamianüsse als Futter bekamen.

Zum Knacken der Hülsenfrüchte boten die Forscher den Affen unterschiedlich schwere Blöcke und Kugeln aus Aluminium an. Unabhängig von der Form griffen Versuchstiere, die bereits erfahren im Knacken waren, direkt zum schwersten Hammer. Aber auch ihre Artgenossen lernten schnell, dass sie mit schweren Werkzeugen weniger Schläge brauchen, um an die Nuss heranzukommen, wie das internationale Forscherteam im Fachmagazin "PloS ONE" berichtet. Die Schimpansen hätten verstanden, dass das Gewicht der Faktor sei, der in diesem Fall ein gutes Werkzeug ausmache.

In der freien Wildbahn behelfen sich Schimpansen nicht selten mit Werkzeugen. Das Nüsseknacken sei eine ihrer komplexesten Fertigkeiten, schreiben Cornelia Schrauf von der Universität Wien und ihre Kollegen. Denn dabei müssen die Primaten die Nuss auf der flachen Oberfläche eines Steins platzieren und sie dann mit einem hammerähnlichen Werkzeug treffen.

Dass Schimpansen ihre Werkzeuge beim Nüsseknacken gezielt auswählen, zeigten bereits frühere Studien. Forscher beobachteten beispielsweise wilde Tiere im Nationalpark Taï an der Elfenbeinküste dabei, wie sie Steine für harte Panda-Nüsse zur Hilfe nahmen, während sie für die weicheren Coula-Nüsse hölzerne Hämmer nutzten.

Gewicht als entscheidender Faktor

Neben der Form und dem Material sei aber vor allem das Gewicht des Schlagwerkzeugs ausschlaggebend für den schnellen Erfolg, schreiben die Forscher. Um herauszufinden, ob die Affen diesen Zusammenhang erkennen und bei der Wahl ihrer Werkzeuge gezielt auf diesen Faktor achten, führten sie mit sechs Schimpansen je drei verschiedene Experimente durch.

Im ersten Versuch saßen die Schimpansen jeweils einzeln vor einem Steinblock, der als Unterlage zum Nüsseknacken dienen sollte. Ein Tierpfleger reichte ihnen nacheinander je drei unterschiedlich schwere, handgroße Würfel aus Aluminium. Der leichteste wog 300, der mittlere 600 und der schwerste 1200 Gramm. Nachdem die Affen das Gewicht der Werkzeuge gespürt hatten, wurden diese in Reichweite neben sie platziert. Zudem erhielten die Tiere eine Macadamianuss zum Knacken.

Der zweite Versuch verlief ähnlich, nur dass die Schimpansen statt der Würfel Aluminiumkugeln erhielten. Damit wollten die Forscher herausfinden, ob die Form die Entscheidung für ein Werkzeug beeinflusst. Im dritten Versuch hatten die Affen ebenfalls Kugeln zur Auswahl, allerdings mit größeren Gewichtsunterschieden - 200, 800, und 1400 Gramm.

Klare Vorliebe für die schwersten Hämmer

"Die Schimpansen bevorzugten die schwereren Hämmer, mit denen die Nüsse schon mit wenigen Schlägen geöffnet werden konnten", berichten die Forscher. Der Affe Loi, der bereits Nussknacker-Erfahrung mitbrachte, wählte von Beginn an den schwersten Quader. Er benötigte mit seinem optimalen Werkzeug auch die wenigsten Schläge, um die Nüsse zu knacken. In den nachfolgenden Durchgängen schienen aber auch die anderen Affen die Vorteile schwererer Werkzeuge zu begreifen: Spätestens im dritten Versuch griffen auch sie zu den schwersten Hämmern.

"Erfahrung beeinflusst offensichtlich ihre Auswahl", erklärt Biologin Schrauf. Insgesamt zeige das Experiment, dass die Schimpansen eindeutig verstehen könnten, welche Eigenschaften ein optimales Werkzeug mitbringen sollte. Dass im ersten Experiment noch nicht alle Tiere den Vorteil der Schwergewichte erkannt hatten, könnte auch an der Handhabbarkeit der Werkzeuge gelegen haben, wie die Forscher vermuten. Denn die angebotenen Würfel seien für die Affen weniger gut zu greifen als die Kugeln, vor allem, wenn sie schwerer waren.

nik/dapd/dpa

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