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Schlammvulkan auf Java: Ein Jahr Kampf gegen den Modder

Genau seit 365 Tagen quillt im Osten Javas schon stinkender Schlamm aus der Erde und überflutet Dörfer. Proteste der Anwohner, die obdachlos wurden, halfen bislang ebenso wenig wie Betonkugeln, die die stinkende Masse stoppen sollten. Forscher sind ratlos.

Jakarta - Mit Protesten gegen die indonesische Regierung haben die Opfer einer seit genau einem Jahr andauernden Umweltkatastrophe im Osten der Insel Java auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam gemacht. Nahe der Stadt Sidoarjo, wo aus einem Erdkrater austretender Schlamm ganze Dörfer überflutet, blockierten am heutigen Dienstag Hunderte Menschen aus Protest eine Straße. In Jakarta wollten Opfer des sogenannten Schlammvulkans Präsident Susilo Bambang Yudhoyono eine Torte aus Schlamm überreichen.

Am Schauplatz der Katastrophe bei Sidoarjo trat am 29. Mai 2006 plötzlich unaufhörlich eine zähe Masse aus einem Erdkrater aus. Die schwefelhaltige warme Flut hat inzwischen neun Dörfer, Felder und Fabriken auf einer Fläche von über 600 Hektar unter sich begraben. Mehr als 15.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen und verloren ihre Habe. An manchen Stellen liegt der Schlamm 20 Meter hoch.

Die Opfer fühlen sich von der Regierung und dem Unternehmen im Stich gelassen. Britischen Experten zufolge hat der Konzern Lapindo Brandas die Katastrophe durch Probebohrungen nach Gas ausgelöst. Das Unternehmen gehört pikanterweise teilweise der Familie des indonesischen Wohlfahrtsministers Aburizal Bakrie. Nach Regierungsangaben quillt tagtäglich eine Menge von mehr als 100.000 Kubikmetern Schlamm aus dem Krater - genug, um damit Dutzende Olympia-Schwimmbecken zu füllen.

Erfolglose Versuche, den Krater zu schließen

Wütende Opfer der Schlammflut zeigten nach Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP bei einer Kundgebung im Zentrum Jakartas den Kuchen aus Giftschlamm, den sie Yudhoyono überreichen wollten. In der indonesischen Hauptstadt wurde ein Demonstrationszug mit Hunderten Teilnehmern erwartet. Im Katastrophengebiet wollten Tausende Menschen von ihren Notunterkünften zu dem Meer aus Schlamm marschieren, berichtete ein Anwohner. In Porong planten die Bewohner einer Großmarkthalle, die dort Zuflucht vor der giftigen Masse gesucht hatten, eine Kundgebung mit bis zu 2000 Teilnehmern.

Die aus dem Schlamm aufsteigenden giftigen Dämpfe gefährden auch die Gesundheit der Anwohner. Eine junge Frau, die durch den Schlammvulkan obdachlos wurde und jetzt in der Markthalle von Porong lebt, äußerte sich besorgt über ihren sechs Monate alten Sohn, der für sein Alter viel zu klein ist. "Er muss mit Reisschleim gefüttert werden, weil es keine Milch gibt." Die Frau war im dritten Monat schwanger, als der Krater anfing, Schlamm auszustoßen. Sie verlor ihre Stelle in einer Garnelen-Fabrik, die unter der stinkenden graubraunen Masse begraben wurde. Am Tag der Geburt ihres Sohnes brach ein Damm, und das Haus ihrer Familie versank im Giftschlamm.

Präsident Yudhoyono hatte Ende 2006 angeordnet, dass der Lapindo-Konzern umgerechnet rund 420,7 Millionen US-Dollar (rund 312 Millionen Euro) für Entschädigungen und die Eindämmung der Umweltkatastrophe zahlen muss. Die Anwohner kritisieren die Entschädigungen jedoch als zu gering. Auch alle Versuche einheimischer und ausländischer Experten, den Krater wieder zu verschließen, sind bislang gescheitert. Unter anderem wurden in dem Bemühen, den Schlammausstoß zu verlangsamen, Tausende Betonkugeln im Krater versenkt. Einen Erfolg auch dies jedoch nicht.

hda/AFP

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