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Schlangen-Invasion in Florida: Pythons rotten Tierarten aus

Die Riesenschlangen-Plage in den berühmten Everglades nimmt bedrohliche Ausmaße an. Pythons und Anacondas haben sich derart rasant verbreitet, dass dem Nationalpark inzwischen die Kaninchen, Waschbären und Luchse ausgehen. Nur die Alligatoren leisten noch Gegenwehr.

AP

Die Tierwelt der Everglades ist bunt. Seekühe, Pumas, Schwarzbären, Alligatoren und die einzigen wild lebenden Flamingos der USA sind in dem Nationalpark zu Hause - und sie sind nur seine auffälligsten Bewohner. Insgesamt gibt es dort jeweils mehr als 300 Vogel- und Fischarten, dazu etwa 50 Reptilien- und 40 Säugetierarten.

Doch die Vielfalt ist bedroht, und die Gefahr hat einen Namen: Python molurus bivittatus, besser bekannt als der Dunkle Tigerpython. Er ist eigentlich in Südostasien zu Hause, fand seinen Weg aber vor Jahren in die USA. Große Würgeschlangen wie Python und Anaconda sind dort als Haustiere beliebt. Manche büxen aus, andere werden von ihren Besitzern freiwillig an die Luft gesetzt, etwa weil aus der einst niedlichen Jungschlange ein bis zu acht Meter langes und 90 Kilogramm schweres Monstrum wird.

Im feuchtwarmen Klima des tropischen Marschlands Floridas finden die Schlangen vorzügliche Bedingungen vor - und vermehren sich seit Jahren explosionsartig. Ein Python legt üblicherweise rund 50 Eier. Inzwischen sollen Zehntausende der Schlangen in den Everglades leben, und alle haben Hunger.

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Pythons: Riesenschlangen-Invasion in den Everglades
Die Folge: Kleine und mittelgroße Säugetiere, aber auch viele andere Arten werden in atemberaubendem Tempo verspeist. Kaninchen, Waschbären, Opossums, Füchse und Luchse - einst die am häufigsten anzutreffenden Tierarten in den Everglades - seien stellenweise nahezu verschwunden, schreiben Forscher um Michael Dorcas vom Davidson College in North Carolina im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Schafe, Hunde, Alligatoren, Heizdecken - der Python frisst alles

Leider aber führt die Verknappung der Pelztiere keinesfalls dazu, dass die Pythons sich weniger schnell vermehren. Stattdessen lassen sich die Schlangen auch größere Happen schmecken. So wurde im Innern eines Pythons bereits ein ausgewachsener Hirsch gefunden. Auch vor Schafen, Wachhunden und Golfbällen machen die Schlangen nicht halt, sogar Heizdecken scheinen ihnen zu munden. Gern legen sich Pythons auch mit Alligatoren an. Mal gewinnt die Schlange, mal die Echse, mal geht das Duell unentschieden aus - etwa als ein Python einen Alligator verschluckt hat und dabei geplatzt ist. "Es gibt nicht viele einheimische Tiere, die ein Python nicht verschlingen kann", sagte Robert Reed, einer der Autoren der Studie, der "Washington Post".

Die Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben erstmals systematisch untersucht, welche ökologischen Folgen die Python-Invasion für die Everglades hat. Fast ein Jahrzehnt lang waren die Forscher in dem mehr als 6000 Quadratkilometer großen Nationalpark unterwegs. Rund 63.000 Kilometer haben sie zwischen 2003 und 2011 mit dem Auto zurückgelegt und mehr als 300 Nächte lang die Tiere beobachtet. Zusätzlich haben sie ihre Daten mit einer ähnlichen Untersuchung aus den neunziger Jahren verglichen - einer Zeit, bevor die Riesenschlangen sich in den Everglades verbreitet hatten.

Manche Arten fast komplett verspeist

Das Ergebnis: In Gebieten außerhalb der Everglades, wo die Pythons nicht oder kaum vorkommen, gibt es Pelztiere in Hülle und Fülle. Innerhalb des Parks wurden dagegen viele verspeist. Am deutlichsten sei das im Süden der Everglades, schreiben die Wissenschaftler: Hier seien die nächtlichen Waschbär-Sichtungen um 99,3 Prozent zurückgegangen, die des Opossums um 98,9 und die des Luchses um 87,5 Prozent. Kaninchen scheinen gar komplett verschwunden zu sein: Die Forscher konnten nicht einn einzigesn finden, weder tot noch lebendig.

Früher hätten die Ranger auch ständig Anrufe von Parkbesuchern bekommen, die sich von Waschbären belästigt fühlten, heißt es in der Studie. Doch seit 2005 habe man keine einzige derartige Meldung mehr über Problemwaschbären erhalten.

Inzwischen scheinen sich die Pythons auf andere Beute zu verlegen. Die Bestände von Vögeln wie Waldstorch und Reiher fallen, auch dem Lappentaucher ergeht es schlecht. Zwar können die Wissenschaftler nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob die Schlangen allein verantwortlich sind. Doch da die in den vergangenen Jahren dezimierten Arten so unterschiedlich seien, halten Dorcas und seine Kollegen es für unwahrscheinlich, dass eine Seuche der Auslöser ist. "Die Größe der Rückgänge lässt eine unglaubliche Dichte von Pythons vermuten", schreiben die Forscher. Es gelte, die Einführung fremder Raubtiere in Ökosysteme "intensiv zu erforschen".

Welche Folgen das haben kann, ist etwa am Beispiel Guams ablesbar. Kurz nachdem die Braune Nachtbaumnatter auf die pazifische Insel eingeschleppt wurde, richtete sie ein wahres Massaker unter den heimischen Vögeln, Fledermäusen und Eidechsen an. Die aber waren zuvor unter anderem dafür verantwortlich, die Samen von Bäumen zu verteilen. Die Bäume starben in großer Zahl, was wiederum wenig angenehme Folgen für die auf Guam lebenden Seevögel und diverse Pflanzen hatte.

Was man gegen die Schlangen in Florida unternehmen könnte, verrät die Studie nicht - und es ist fraglich, ob überhaupt etwas erfolgversprechend ist. Experten der US-Geologiebehörde USGS, die die Untersuchung mitfinanziert hat, geben sich pessimistisch: Die Wahrscheinlichkeit, die einmal etablierten Pythons wieder aus den Everglades herauszubekommen, sei "sehr gering".

mbe/Reuters/AP

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1. Mir fehlt ein Hinweis darauf...
Maynemeinung 31.01.2012
Zitat von sysopDie Riesenschlangen-Plage in den berühmten Everglades nimmt bedrohliche Ausmaße an. Pythons und Anacondas haben sich derart rasant verbreitet, dass dem Nationalpark inzwischen die Kaninchen, Waschbären und Luchse ausgehen. Nur die Alligatoren leisten noch Gegenwehr. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,812444,00.html
...das der anthropogene Klimawandel oder der böse Mensch im Allgemeinen an der Gefräßigkeit der Pythons die Schuld trägt.
2. Man kann nur hoffen
uinen_osse 31.01.2012
Zitat von sysopDie Riesenschlangen-Plage in den berühmten Everglades nimmt bedrohliche Ausmaße an. Pythons und Anacondas haben sich derart rasant verbreitet, dass dem Nationalpark inzwischen die Kaninchen, Waschbären und Luchse ausgehen. Nur die Alligatoren leisten noch Gegenwehr. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,812444,00.html
dass die Pythons sich selbst das buchstäbliche Wasser abgraben - wenn kein Futter mehr da ist wird sich auch ihre Zahl dezimieren. Schade, sehr schade dass die Pythons dieses Naturwunder Everglades vernichten. Ginge es nach mir gäbe es ganz viele Schlangenlederschuhe und ich würde mit allen Mitteln versuchen zu dezimieren.
3. ...
phboerker 31.01.2012
Zitat von Maynemeinung...das der anthropogene Klimawandel oder der böse Mensch im Allgemeinen an der Gefräßigkeit der Pythons die Schuld trägt.
Das steht doch da: die Pythons sind dort nicht heimisch, sondern von Menschen ausgesetzt worden.
4. Ich hatte
flower power 31.01.2012
Zitat von sysopDie Riesenschlangen-Plage in den berühmten Everglades nimmt bedrohliche Ausmaße an. Pythons und Anacondas haben sich derart rasant verbreitet, dass dem Nationalpark inzwischen die Kaninchen, Waschbären und Luchse ausgehen. Nur die Alligatoren leisten noch Gegenwehr. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,812444,00.html
einmal einen Fahrradsattel aus Schlangenleder. Der war bestens. Dabei braucht mir nun aber keiner kommen und auf den Naturschutz pochen. Ein Schlangenledersattel ist doch sinnvoller als ein Büffelledersattel. Die Büffel fressen nicht die Everglades leer. Einen Krokodilledersattel hatte ich auch einmal. Zur Beruhigung, diese Sattelvarianten kann man getrost und ohne Nachdenken fahren, wenn diese Lederware aus Farmen stammt. Die Invasion der Schlangen finde ich furchtbar, und an dem anblick des gefressen werden kann ich mich auch nicht erfreuen. Was sind das für Menschen die daran Spass haben. PS auch Schlangenfleisch ist in Asien eine Delikatesse. Sie bekommen es auch nur in den guten Restaurants. Siehe auch Taipei Snake Market.
5. wie immer ist der Mensch schuld
Meckerliese 31.01.2012
Dank an die Deppen die diese Tiere dort ausgesetzt haben.
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