Schmallenberg-Virus: Neuer Erreger löst Fehlgeburten bei Nutztieren aus

Jedes fünfte neugeborene Lamm ist missgebildet oder tot: Ein bis vor kurzem unbekanntes Virus könnte in Deutschland dramatische Folgen für die Zucht von Schafen, Ziegen und Rindern haben. Experten arbeiten bereits an einem Impfstoff.

Schafzuchtbetrieb: 20 Prozent der neugeborenen Lämmer missgebildet oder tot Zur Großansicht
dapd

Schafzuchtbetrieb: 20 Prozent der neugeborenen Lämmer missgebildet oder tot

Riems - In Europa breitet sich anscheinend ein Krankheitserreger aus, der für Rinder, Schafe und Ziegen gefährlich ist. Das sogenannte Schmallenberg-Virus ist bereits in vier Bundesländern nachgewiesen worden. Inzwischen seien 47 Betriebe betroffen, sagte Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald. "Wir nehmen die Entwicklung sehr ernst." Das Schmallenberg-Virus führt bei Schafen, Ziegen und Rindern zu Fehl- und Missgeburten.

Der Erreger hat sich inzwischen in weiten Teilen Deutschlands ausgebreitet. In Nordrhein-Westfalen sind bisher 31 Betriebe betroffen, in Niedersachsen zwölf und in Hessen zwei. Am Dienstag wurden auch in Schleswig-Holstein erste Krankheitsfälle in zwei Betrieben bestätigt. Weitere Verdachtsfälle werden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Schleswig-Holstein noch untersucht.

Die Folgen der Infektionen können offenbar dramatisch sein. Reinking verwies auf Meldungen aus Nordrhein-Westfalen, wo betroffene Schäfer rund 20 Prozent der neugeborenen Lämmer als krank oder tot meldeten. Möglicherweise sei selbst das nur die Spitze des Eisberges: Bei den Schafen beginnt erst die Saison, in der die Lämmer zur Welt kommen; bei den Rindern gehe es Ende Februar oder Anfang März los.

Die Muttertiere der derzeit geborenen Lämmer und Kälber haben sich nach Angaben des FLI vermutlich bereits im Sommer und Herbst 2011 infiziert. In den Niederlanden ist das Virus bereits flächendeckend verbreitet. Russland hatte wegen des Erregers kürzlich die Einfuhr von Schafen und Ziegen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden gestoppt.

Impfstoff in Arbeit

Derzeit werde die Entwicklung eines Impfstoffs vorbereitet, sagte FLI-Sprecherin Reinking. Das FLI hat als Bundesinstitut für Tiergesundheit eine deutschlandweite Meldepflicht für die Krankheit empfohlen. Darüber entscheiden muss der Bundesrat. Das Institut will zudem zusammen mit den Bundesländern ein Überwachungsprogramm starten, um genauere Informationen über Ausmaß und Ausbreitung des Erregers zu erhalten.

Das Schmallenberg-Virus hatten Forscher erstmals im vergangenen Herbst in den Niederlanden entdeckt. Unklar ist noch, ob der Erreger neu eingeschleppt wurde oder schon länger unerkannt in Europa vorkommt. Für Menschen ist der Erreger nach FLI-Einschätzung ungefährlich. In Deutschland war das Virus erstmals im sauerländischen Schmallenberg nachgewiesen worden.

Der Erreger gehört zur Gattung der Orthobunyaviren, die - wie etwa im Fall der Blauzungenkrankheit - von Stechmücken übertragen werden. Orthobunyaviren sind laut FLI bislang bei Rindern in Ozeanien, Australien und Afrika bekannt. Sie können zu Frühgeburten oder schweren angeborenen Schäden bei Jungtieren führen.

wbr/dpa

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