Jeden Sommer schmilzt das Meereis in der Arktis - und womöglich wurde im Jahr 2010 dabei ein neuer Negativ-Rekord beim Volumen erreicht. Das berichten Axel Schweiger und seine Kollegen von der University of Washington in Seattle in einer neuen, noch nicht publizierten Studie. "Das wirklich Besorgniserregende ist der Trend nach unten in den vergangenen 32 Jahren", sagte Schweiger.
Die bisher niedrigsten Werte, sowohl bei der Eisbedeckung als auch beim Eisvolumen, hatten Wissenschaftler im Jahr 2007 ermittelt. Bei der Bedeckung greifen sie auf Satellitenaufnahmen zurück, was eine hohe Genauigkeit garantiert. Die Abschätzung des Eisvolumens ist jedoch schwieriger, da dafür auch die Dicke des Meereises bestimmt werden muss, und zwar auf einer Fläche von mehreren Millionen Quadratkilometern. Dazu nutzen Wissenschaftler auch Satellitenmessungen.
Für ihre Berechnungen berücksichtigten die amerikanischen Forscher Wind, Lufttemperatur und -strömungen sowie die Wassertemperatur. Sie entwickelten ein Modell, mit dem sie die Eisdicke anhand aktueller Messdaten vorhersagen können. Allerdings wird dieser Ansatz von Kollegen mit gewisser Skepsis gesehen, weil er weniger auf direkten Messungen beruht als bei anderen Berechungen des Eisvolumens.
Schrumpft Eisfläche 2011 stärker als 2007?
Bezüglich der Eisbedeckung kündigt sich den Forschern zufolge in diesem Jahr ein neuer Negativ-Rekord an. Das Meereis werde in diesem Sommer höchstwahrscheinlich auf den Tiefstwert von 2007 oder sogar noch darunter schrumpfen, sagte Rüdiger Gerdes am Montag bei einem Arktis-Workshop in Bremen. Der bisherige Negativ-Rekord wurde vor vier Jahren gemessen, damals war die Eisausdehnung auf eine Fläche von 4,3 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen. Ob das Meereis-Minimum dieses Mal tatsächlich unter der Rekordmarke von 2007 liegen wird, entscheidet sich aber wohl erst Ende September.

Animation: Vergleich der Polschmelze von 1980-2007
Lars Kaleschke, Wissenschaftler am Klima-Campus der Universität Hamburg, rechnet ebenfalls mit einem ähnlich großen Eisverlust wie 2007. Die Eismassen verteilten sich in diesem Jahr aber räumlich anders. So gebe es jetzt auffällig große eisfreie Flächen innerhalb der Packeis-Zone, etwa in der Laptev-See im Norden Russlands. "Das Loch tat sich Anfang August auf, wurde immer größer und hat inzwischen die Größe Hollands erreicht", sagte Kaleschke.
Langfristig von der Eisschmelze profitieren könnten die Reedereien. Erst vor wenigen Tagen stellte sich heraus, dass derzeit zwei legendäre polare Schifffahrtsrouten gleichzeitig offen sind: der Nördliche Seeweg vor Russlands Küste und die Nordwestpassage im kanadischen Inselarchipel.
hda/dpa/Reuters
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