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Grönland: Schmelzwasser-Fluten zerfressen Gletscher von unten

Grönland: Sintflut unter dem Eis Fotos
Stephen Price / LANL / OSU / dpa

Hunderte Meter unter dem Eispanzer Grönlands liegen gigantische Seen, wie Forscher jetzt erstmals zeigen konnten. Die Reservoire sind allerdings instabil - Milliarden Liter Wasser ergießen sich mit einem Mal ins Meer.

Eigentlich waren Ian Howat und seine Kollegen gerade dabei, mit Satelliten- und Luftaufnahmen eine Karte von Grönlands Eisschild zu erstellen. Doch dann erspähten die Forscher aus dem Flugzeug einen gigantischen Krater. Die Delle im Eis Südwestgrönlands, 50 Kilometer von der Küste entfernt, war 70 Meter tief und hatte einen Durchmesser von zwei Kilometern.

Hinter dem Naturphänomen steckt eine dramatische Entwicklung, wie die Wissenschaftler im Fachblatt "The Cryosphere" schreiben: Ein See, Hunderte Meter tief unter dem Eis, habe sich im Herbst 2011 vermutlich schlagartig entleert. Rund 25 Milliarden Liter Wasser, die sich im Lauf von mehr als 40 Jahren ansammelt hätten, seien binnen weniger Wochen verschwunden. Erstmals habe man direkte Beweise für ein solches Geschehen gefunden.

"Die Tatsache, dass der See für mehrere Dekaden stabil war und dann nach einigen sehr heißen Sommern innerhalb weniger Wochen oder schneller ablief, könnte ein Signal dafür sein, dass im Eisschild eine fundamentale Veränderung stattfindet", meint US-Glaziologe Howat, der an der Ohio State University in Columbia arbeitet. Der rasante Abfluss des Wassers sei nach geologischen Maßstäben bemerkenswert und möglicherweise katastrophal. Es könne Tausende solcher Seen entlang der Küste geben.

See liegt 540 Meter unter dem Eis

Erkenntnisse eines weiteren Forscherteams bestärken diese Befürchtungen. Michael Willis von der Cornell University in Ithaca (US-Staat New York) und seine Kollegen hat im Nordosten Grönlands einen weiteren Krater aufgespürt, der einen subglazialen See verrät. Radarmessungen aus der Luft ergaben, dass das Reservoir rund 540 Meter unter dem Eis liegt. Es habe sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre gleich zweimal gefüllt und wieder geleert.

Das beweise, dass Schmelzwasser von der Oberfläche des Eisschilds unter der Oberfläche der Gletscher Seen bildet, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature". Mit dem Wasser gelange Wärme unter den Eisschild, bis zur Grenze zwischen Eis und Felsbett. "Diese Wärme, die vom eingeschlossenen Schmelzwasser ausgeht, weicht das umgebende Eis auf, was zu einer Erhöhung des Eisflusses führen kann", sagt Willis, der das zeitweilig bis zu 75 Meter tiefe und 8,4 Quadratkilometer große Loch entdeckte.

Bis 2014 beobachtete der Geologe, wie Schmelzwasser im Sommer in Spalten rund um das Loch floss und den See teilweise wieder auffüllte. "Jeden Sommer sehen Wissenschaftler, wie sich strahlend blaue Ströme auf dem grönländischen Eis bilden, wenn warme Luft den Schild schmilzt. Was aber mit dem Wasser passiert, das in den Spalten verschwindet, war unklar", erläutert Co-Autorin Robin Bell von der Columbia University in New York. "Die Entdeckung, dass Wasser in Seen unterhalb des Eises gespeichert werden kann, zeigt, wie die Wasserzufuhr auf der Oberfläche mit der Wasserzufuhr am Grund verbunden ist."

Wasserverlust von 215 Kubikmetern pro Sekunde

Das Team schätzt, dass sich der subglaziale See seit seiner Entleerung 2011 wieder um die Hälfte gefüllt hat. Damals sei das Wasser mit einem Volumen von 215 Kubikmetern pro Sekunde aus dem See geströmt. Jedes Mal, wenn sich der unterirdische See nun erneut fülle, gelange mehr Wärme in das Innere des Eisschildes. Die Forscher vermuten, dass unterhalb des Schildes Abflusskanäle liegen.

In den vergangenen Jahren ist auch die Zahl der oberirdischen Seen auf Grönland stark gestiegen, auch in höheren Lagen des Landesinneren. Sollte auch das Wasser dieser Seen unter den Eisschild fließen, wären die Auswirkungen des Klimawandels in der Region gravierender als bislang angenommen.

Mit einer Ausdehnung von 1,8 Millionen Quadratkilometern ist der Grönländische Eisschild die weltweit zweitgrößte permanent vereiste Fläche nach dem Antarktischen Eisschild. Derzeit beschäftigen sich viele Wissenschaftler mit den Bewegungen des Schmelzwassers unter dem Schild. Dies könnte ein entscheidender Faktor für das Fließen der Gletscher zum Meer sein.

mbe/dpa

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insgesamt 48 Beiträge
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    Seite 1    
1. wieso neu?
Nonvaio01 21.01.2015
soweit ich weiss ist das seit langem bekannt, das liegt daran das der druck vom Gletscher so hoch ist das wasser nicht gefrieren kann. Ich meinte das mal gelesen zu haben.
2. Egal!
wernerz 21.01.2015
Es werden sich doch genügend irre Elemente finden, die versuchen werden, auch aus dieser Situation GELD zu machen.
3. Jetzt kommen sie wieder...
simon2012 21.01.2015
Jetzt kommen sie wieder die Klimaleugner mit kindischen Einwänden - wetten?
4. Das funktioniert schon lange so
Theodoro911 22.01.2015
Seit Jahrmillionen wachsen und schrumpfen Gletscher. Das hat mit katastrophal nix zu tun. Die Forscher haben nur entdeckt was schon immer da war. Aber ein gefundenes Fressen für die Möchte-gern-Klimawandel-Verhinderer bei alarmistischer Aufbereitung.
5. Neue Gesichtspunkte
mathiaswagener 22.01.2015
Das sind ja für uns Außenstehende ganz neue gesichtspunkte, die doch Thesen der Klimaveränderung in Zweifel ziehen. Es ist wichtig, dass hier konsequent weiter geforscht wird.
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