Schmutzige Ölförderung Uno fordert Großreinemachen im Niger-Delta

Verseuchtes Wasser, verschmutzte Böden, Ölgestank in der Luft: Seit Jahrzehnten wird das Niger-Delta durch systematische Ölförderung stark verschmutzt. Ein neuer Uno-Bericht zeigt, wie nötig eine Kraftaktion zum Saubermachen ist - und wie teuer.

AP

Lagos - Seit Jahrzehnten werden die riesigen Ölvorkommen im westafrikanischen Nigeria ausgebeutet, ohne Rücksicht auf Bevölkerung und Umwelt. Eine neue Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) belegt nun, wie schwer die ökologischen Schäden im Niger-Delta tatsächlich sind - und wie lange ihre Beseitigung dauern würde, wenn die Arbeiten denn überhaupt jemals ersthaft begonnen werden.

In der betroffenen Region Ogoniland könnte dem Bericht zufolge die größte Aufräumaktion der Welt notwendig sein. Dafür kalkulieren die Unep-Experten Kosten von zunächst einer Milliarde Dollar und einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren. Unep empfiehlt die Einrichtung eines Sonderfonds für Ogoniland, in den die Ölunternehmen und die nigerianische Regierung eine Milliarde Dollar einzahlen sollen. Aus dem Topf sollten zumindest die ersten fünf Jahre des Großreinemachens bezahlt werden.

Ogoniland ist mit Pipelines, Brunnen und anderen Förderanlagen übersät. Das Trinkwasser, die Böden und große Mangrovenwälder sind dort extrem verschmutzt. Vielerorts liegt Ölgestank in der Luft. Zum Teil, so die Wissenschaftler, seien heute noch Belastungen aus Ölunfällen nachweisbar, die 40 Jahre zurückliegen.

Die Studie kritisiert den Energiekonzern Shell und die nigerianische Regierung, die fünf Jahrzehnte lang zu der Verschmutzung beigetragen hätten. Die Öl-Infrastruktur in Ogoniland gehört überwiegend dem Regierungsunternehmen NNPC und der Royal Dutch Shell. Zwar fördert Shell in der Region kein Öl mehr. Das Unternehmen ist jedoch der führende Partner an der Shell Petroleum Development Company (SPDC), die Pipelines kontrolliert.

Firmen geben Öldieben Mitschuld

Die Studienautoren beklagen, dass selbst von den Unternehmen als gesäubert angesehene Stellen der Region zum Teil noch immer belastet seien. In vielen Fällen seien nur oberflächliche Umweltschäden beseitigt worden.

Eine SPDC-Sprecherin begrüßte den Bericht, erklärte jedoch, dieser müsse zunächst genauer studiert werden. Ein Sprecher des Staatskonzerns NNPC sagte, er habe die Untersuchung noch nicht gelesen. Er kündigte jedoch an, man werde jede Aufräumarbeit in Angriff nehmen. Dies sei kein Schuldeingeständnis. "Ein wichtiger Faktor ist Vandalismus an den Pipelines durch die Kommunen, die selbst betroffen sind", sagte er.

Auch Shell hat erklärt, die meisten Fälle von Ölpest im Delta gingen auf Diebstahl und Sabotage-Angriffe zurück. Das Unternehmen hat ebenfalls zugesagt, die Verschmutzung ohne Rücksicht auf die Ursache zu beseitigen. Shell hatte die Förderung in Ogoniland nach einer Kampagne des Autors Ken Saro-Wiwa beendet. Er war im Jahr 1995 von der nigerianischen Militärregierung hingerichet worden, was internationale Proteste zur Folge hatte.

chs/AFP/Reuters

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