Phantom der Tiefsee: Mysteriöser Wal aufgetaucht

Von Thomas Wagner-Nagy

Ein geheimnisvolles Tier schwimmt in der Tiefsee: Seit mehr als hundert Jahren fahnden Biologen nach einem Schnabelwal. Bislang gab es nur wenige Knochenfunde und eine Phantomzeichnung von ihm. Jetzt ist der Wal aufgetaucht.

Bahamonde-Schnabelwal: Doch nicht ausgestorben Zur Großansicht
Dept. of Conservation/ Te Papa Atawhai

Bahamonde-Schnabelwal: Doch nicht ausgestorben

Hamburg - Im Pazifik lebt ein mysteriöser Wal. Nie haben Menschen ein lebendiges Exemplar zu Gesicht bekommen. Bislang wiesen nur drei Knochenfunde auf das Tier hin: 1872 wurde ein Unterkiefer und in den fünfziger Jahren ein Schädelknochen in Neuseeland gefunden. 1986 war ein weiterer Schädel auf der chilenischen Crusoe-Insel entdeckt worden. Aus den Knochen konnten Forscher gerade mal eine Phantomzeichnung der sogenannten Bahamonde-Schnabelwale (Mesoplodon traversii) erstellen - doch das Tier blieb ein Mysterium.

Jetzt ist der Wal aufgetaucht. Spaziergänger haben am Opape Beach an der Nordostküste Neuseelands zwei Kadaver entdeckt. Bei den gestrandeten Exemplaren handelt es sich um eine 5,30 Meter lange Mutter und ihr 3,50 Meter langes männliches Kalb. Forscher sind begeistert: "Zwischenzeitlich waren wir uns nicht sicher, ob die Art überhaupt noch existiert oder schon ausgestorben ist", sagt die Studienleiterin Rochelle Constantine von der Universität Auckland.

Die gut erhaltenen Kadaver waren bereits im Dezember 2010 an die Küste Neuseelands gespült worden. Es hat gedauert, bis Wissenschaftler sicher sein konnten, dass es sich tatsächlich um die Bahamonde-Schnabelwale handelte. 21 Arten aus der Familie der Schnabelwale sind bekannt, die Datenlage ist allerdings dünn.

Oft beruhen die wenigen Erkenntnisse auf einzelnen Sichtungen. Zudem seien manche Arten äußerlich schwer voneinander zu unterscheiden, da etwa charakteristische Färbungen nach dem Tod schnell verfallen, schreibt das Team um Constantine jetzt im Fachjournal "Current Biology".

Blick ins Erbgut

Die Meeresbiologen hatten die gestrandeten Meeressäuger zunächst für Camerdown-Wale gehalten - eine Art, die den Bahamonde-Schnabelwalen äußerlich ähnlich ist. Wie bei anderen verwandten Arten sind Rücken, Schnabel und Flossen dunkel, der Bauch hingegen weiß gefärbt. Erst eine Analyse des Erbguts konnte nun klären, dass es sich um die gesuchte Art handelt.

Über den Bestand und die Lebensweise der Bahamonde-Schnabelwale rätseln die Forscher weiterhin. Sie vermuten, dass die Tiere wie andere Vertreter ihrer Familie fernab von Menschen auf dem offenen Meer leben, wo sie sehr tief tauchen und Jagd auf Kalmare und kleine Fische machen.

Die Wale tauchen wohl nur sehr selten auf und bleiben nicht lange an der Wasseroberfläche. Diese Abgeschiedenheit würde auch erklären, weshalb noch niemand ein lebendes Tier dieser Art beobachtet hat. "Zumindest nicht bewusst", schränkt Constantine ein, "denn wir wussten ja bisher nicht, wie die Tiere genau aussehen."

Künftig ließen sich die Bahamonde-Schnabelwale in freier Wildbahn beobachten: "Sollten Menschen auf hoher See künftig Schnabelwale sichten, wissen sie nun zumindest, nach welchen Merkmalen sie suchen müssen", sagt Constantine. Die Skelette der beiden Bahamonde-Schnabelwale wurden für weitere Untersuchungen in ein neuseeländisches Museum gebracht.

Die beiden Funde verdanken die Forscher den Anwohnern, die im Rahmen eines landesweiten Programms angehalten sind, gestrandete Wale zu fotografieren und einer Schutzbehörde zu melden. "Dadurch", sagt Constantine, "haben wir zum ersten Mal eine Beschreibung des wohl seltensten und geheimnisvollsten Meeressäugers".

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Mannomann....
westerwäller 05.11.2012
Zitat von sysopEin geheimnisvolles Tier schwimmt in der Tiefsee: Seit mehr als hundert Jahren fahnden Biologen nach einem Schnabelwal. Jetzt ist der Wal aufgetaucht. Schnabelwale im Pazifik: Seltener Wal in Neuseeland erstmals gesichtet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/schnabelwale-im-pazifik-seltener-wal-in-neuseeland-erstmals-gesichtet-a-865309.html)
... kann der lange die Luftt anhalten!
2. Es geht mir wie Ihnen:
freidimensional 05.11.2012
Zitat von westerwäller... kann der lange die Luftt anhalten!
Ich wundere mich über diesen Teil des Berichts über den Schnabelwal: Selten auftauchen, meist in der Tiefe versteckt... Ist doch ein Lungenatmer, der Wal braucht Luft. Wie stellt man sich das vor? In der Tat: Mysteriös. Also an dem Thema sollte noch gearbeitet werden. Entweder in der Redaktionsstube oder in den Denkfabriken der Wissenschaftler.
3.
Gungosh 05.11.2012
Zitat von freidimensionalIch wundere mich über diesen Teil des Berichts über den Schnabelwal: Selten auftauchen, meist in der Tiefe versteckt... Ist doch ein Lungenatmer, der Wal braucht Luft. Wie stellt man sich das vor? In der Tat: Mysteriös. Also an dem Thema sollte noch gearbeitet werden. Entweder in der Redaktionsstube oder in den Denkfabriken der Wissenschaftler.
Ich würde sagen, es gibt wesentlich weniger von diesen Walen als von anderen Walarten. Wenn es so wenig Potwale geben würde, würden wir die auch selten sehen, die tauchen bis 3000m und halten bis zu 90min die Luft (siehe Wikipedia).
4.
meier12 05.11.2012
Schade, dass diese Art entdeckt wurde. Man wird nun versuchen, lebende Exemplare zu "Studienzwecken" zu fangen, vielleicht zu töten. Man wird sie wohl auch bald in den Zoos der Welt und als Sushi auf japanischen Feinschmeckertellern sehen. Wenn es diese Art nicht so weitverbreitet gibt, dann liegt es vielleicht an uns und dem von uns geschaffenen Klima. Mein Wunsch: Lasst sie in Ruhe. Sie sind uns so lange ausgewichen, sie haben es verdient. Wir haben doch schon so viele Arten ausgerottet, irgendwann muss es doch mal gut sein mit der Einmischung in die Natur.
5.
Oberleerer 05.11.2012
Die Japaner sind die absoluten Wal-Spezialisten. Wenn jemand diesen Wal lebend erlegen kann, dann die Japaner. Erst werden die Tiere radioaktiv markiert um sie zu verfolgen, dann gibs Sushi.
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