Schnelle Beine Wie kleine Schildkröten zum Wasser spurten

Junge Schildkröten müssen gleich nach dem Schlüpfen hart arbeiten: Der Weg vom Nest zum Wasser ist gefährlich und beschwerlich. Jetzt haben Forscher herausgefunden, wie die kleinen Tiere ihr erstaunliches Tempo im weichen Sand erreichen.

Junge Meeresschildkröte auf dem Weg ins Wasser: Trickreicher Einsatz der Beine
AFP

Junge Meeresschildkröte auf dem Weg ins Wasser: Trickreicher Einsatz der Beine


Obwohl die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) nur einen Bruchteil ihres Lebens an Land verbringt, bewegt sie sich wendig über Dünengras, starre Hindernisse und verschiedene sandige Untergründe. Diese Fähigkeit ist vor allem deswegen wichtig, weil die jungen Schildkröten nach dem Schlüpfen selbständig den Weg zum Meer zurücklegen müssen. Je schneller sie dabei sind, desto größer ist ihre Chance, unversehrt am Ziel anzukommen.

Tatsächlich legen die zwischen 1,6 und 6,9 Zentimeter großen Tierchen an Land Distanzen von mehreren Körperlängen pro Sekunde zurück. Angepasst sind ihre Beine eigentlich jedoch an das Leben im Wasser: Über Paddelbewegungen verleihen sie ihrem Körper hydrodynamischen Schub und gelangen so vorwärts.

Jetzt haben Forscher herausgefunden, wie die Schildkröten auch an Land zügig unterwegs sein können: Sie setzen ihre flossenartigen Beine so auf, dass sich bei jedem Schritt eine feste Sandschicht unter ihren Gliedmaßen bildet, heißt es in einem Beitrag in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Das Team um Nicole Mazouchova vom Georgia Institute of Technology in Atlanta hatte bereits für eine frühere Studie ein Robotermodell gebaut, das sie über Sand laufen ließen. Der Hintergrund: Sand reagiert sehr unterschiedlich auf Druck. Bisweilen verhält er sich wie eine Flüssigkeit, manchen Fällen begegnet er Druck wie ein elastischer Feststoff. Der Roboter bewegte sich damals am schnellsten, wenn seine Beine so am Körper befestigt waren, dass sie die Festigkeit des Sands maximal ausnutzen konnten.

Für ihre neue Studie untersuchten die Wissenschaftler jetzt, wie echte junge Schildkröten über Sand laufen und ob sie sich dabei - dem Roboter gleich - die Festigkeit des Sands zunutze machen. Sie ließen die Tierchen über lockeren, sowie über harten Sand krabbeln und filmten sie dabei. Dabei kam heraus, dass die Schildkröten in beiden Fällen nicht rutschten: Bei einer festen Unterlage verhinderten die Klauen das Weggleiten, bei weichem Sand waren es die geringen Schubkräfte, die die Tierchen auf den Untergrund ausübten. Sie stießen sich nur so schwach vom Boden ab, dass der Punkt, ab dem sich ein plastisches Material zu verformen beginnt, nicht überschritten wurde.

mbe/ddp



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