Verrückte Botanik Ältester Baum Großbritanniens wechselt sein Geschlecht

An einer etwa 5000 Jahre alten männlichen Eibe in Schottland wachsen plötzlich einige weibliche Beeren. Wie kann das sein?

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Bäumchen wechsle dich mal anders: Eine als ältester Baum Großbritanniens geltende Eibe hat begonnen, ihr Geschlecht zu ändern. Die Fortingall-Eibe in der Grafschaft Perthshire im Zentrum Schottlands sei über Jahrhunderte als männlich katalogisiert worden, berichtet der Botaniker Max Coleman vom Royal Botanic Garden in Edinburgh. Nun deute sich eine Veränderung des Geschlechts an. Zumindest Teile des mehrere Tausend Jahre alten Baumes tragen weibliche Früchte.

Die Fortingall-Eibe steht im Hof einer alten Kirche. Ihr genaues Alter lässt sich nur schwer bestimmen, weil das Holz im Inneren des Baumes längst verrottet ist. Wissenschaftler haben das ungefähre Alter geschätzt, indem sie Messungen aus dem 17. Jahrhundert mit der heutigen Größe verglichen haben. Demnach könnte der Baum 5000 Jahre alt sein und einer der ältesten in Europa.

"Es war eine ganz schöne Überraschung, als ich im Oktober die drei reifen roten Beeren an der Eibe entdeckt habe, während der restliche Baum eindeutig männlich war", schreibt Coleman. Das Geschlecht einer Eibe lässt sich im Herbst und Winter gut erkennen: Im Gegensatz zu den roten Beeren der weiblichen Bäume tragen männliche Exemplare recht unscheinbare runde Zapfen an den Ästen.

Veränderung im hormonellen Gleichgewicht

Bislang von der Geschlechtsumwandlung betroffen ist offenbar ein schmaler Ast am äußeren Rand der Baumkrone. Die Gründe für diesen seltenen Vorgang seien nicht vollständig geklärt, sagt Coleman. "Man geht davon aus, dass eine Veränderung im hormonellen Gleichgewicht diese Geschlechtsveränderung auslöst." Zu den Ursachen könnten Umwelteinflüsse zählen.

Laut Coleman sieht der Baum jedoch gesund aus. Es sei bereits zuvor beobachtet worden, dass Eiben und einige andere Nadelhölzer ihr Geschlecht im Laufe des Lebens verändern. In der Regel beschränke sich die Geschlechtsumwandlung auf Teile der Baumkrone, so Coleman.

Die Eibe werde nun unter genaue Beobachtung gestellt, sagt der Forscher. Ihre drei weiblichen Beeren aus 2015 sollen Teil eines Erhaltungsprogramms werden, das die genetische Vielfalt der Eiben in Europa, im Kaukasus, Westasien und Nordamerika bewahren will. Ein Teil der dafür vorgesehenen 2000 Eibenbäume wird im Botanischen Garten in Edinburgh gepflanzt.

jme/AFP

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insgesamt 34 Beiträge
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Crom 03.11.2015
1.
Was man den Menschen zugesteht, sollte man dem Baum hier nicht verwehren.
rainerseiferth 03.11.2015
2. ha ha
...das sagt Putin doch die ganze Zeit schon: Europa verweiblicht. Jetzt haben wir den Salat, oh Schreck!
cassandros 03.11.2015
3. Geschlechtsrollenidentätsverwirrung
Man ist versucht zu fragen, was "weibliche Beeren" sein sollen! Die Beere als Frucht geht aus dem ("weiblichen") Fruchtknoten einer weiblichen oder zwittrigen Blüte hervor. In diesem Sinn ist jede Frucht jeder Samenpflanze "weiblich". In diesem Sinn wäre aber auch ein männlicher Säugling "weiblich", weil er von einer Frau geboren wird. Ergo: eine so sinnlose wie falsche Bezeichnung.
humble_opinion 03.11.2015
4. Ein bisschen bi schadet nie
Dass zweigeschlechtliche Pflanzen - also Pflanzen, von denen es sowohl männliche als auch weibliche Exemplare gibt und die sich gegenseitig zur Befruchtung benötigen - "zwittern" ist ein alter Hut der Natur. Unter "zwittern" versteht man, dass z.B. weibliche Pflanzen auch Pollensäcke mit dem Samen hervorbringen, der zur Fortpflanzung benötigt wird. Denn Fortpflanzung ist das höchste Gut der Natur. Gut erkennbar ist dieses Verhalten auch, wenn kranke/sterbende Pflanzen mit letzter Kraft noch ihre Früchte reifen lassen, während andere Pflanzenteile bereits absterben. Ist an jeder Tomatenpflanze zu beobachten. Wenn eine Pflanze "zwittert" ist die Ursache der Stress, sich nicht fortpflanzen zu können. Die Evolution/Natur hat offensichtlich eine Art Notfallprogramm eingearbeitet, um das Aussterben einer Art so zu verhindern. Somit liegt auch hier die Vermutung nahe, dass dies der Grund für das Ausbilden weiblicher Pflanzenteile darstellt. Die Gründe können zahlreich sein. Hier möglicherweise, dass der sehr alte Baum "Angst hat", keine Nachkommen zu produzieren. Dagegen spricht momentan, dass der Baum augenscheinlich gesund ist. Möglich für das Verhalten sind also auch andere Gründe, die nicht gleich erkennbar sind.
phboerker 03.11.2015
5. genetische Vielfalt der Eiben erhalten?
Es gibt ein Projekt, das die genetische Vielfalt der Eiben erhalten will? Meinetwegen dürfen die hässlichen Dinger noch dieses Jahr aussterben, insbesondere die im Nachbargarten...
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