Schwäbische Alb Forscher entdecken einmaliges Tintenfisch-Fossil

Prähistorische Tintenfische, sogenannte Belemniten, bevölkerten vor 150 Millionen Jahren die Meere. Doch bisher fahndeten Forscher vergeblich nach einem komplett erhaltenen Fossil. Deutschen Wissenschaftlern ist nun der spektakuläre Fund gelungen.


Stuttgart - Vor rund 150 Millionen Jahren sah es dort, wo heute das baden-württembergische Örtchen Nusplingen liegt, ganz anders aus als dieser Tage. Wo sich heute die Berge der Schwäbischen Alb erheben, schwappte damals das tropische Jurameer.

Und in einer besonders tiefen Lagune sanken immer wieder tote Meeresbewohner zu Boden. Sie wurden in sauerstoffarmer Umgebung von feinsten Kalkschlammschichten bedeckt - und so für die Ewigkeit konserviert.

"Alles was dort unten ankam, blieb einfach so liegen", erklärt Günter Schweigert vom Museum für Naturkunde in Stuttgart im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er ist Chef eines Grabungsteams, das sich seit rund 15 Jahren mit großem Erfolg durch den sogenannten Nusplinger Plattenkalk wühlt. "Wir haben bereits 350 Arten nachweisen können, jedes Jahr kommen zehn neue dazu", sagt Schweigert. Bisheriger Höhepunkt der Fossiliensuche war im Jahr 2004 der Fund eines Meereskrokodils.

Nun hat das Stuttgarter Team einen weiteren, besonders spektakuläre Entdeckung gemacht: Den Forschern gelang es, den erhaltenen Kieferapparat eines Tintenfischs aus der Jurazeit zu identifizieren. Von dem ausgestorbenen Kopffüßer, einem Belemniten, war bisher nur der hintere Teil, das sogenannte Rostrum, gefunden worden. Diese kalkigen Fundstücke sind allerdings überaus häufig - und auch unter dem Namen Donnerkeil bekannt. In vergangenen Zeiten galten sie als Amulett und Heilmittel gegen diverse Krankheiten.

Die Belemniten dürften so ähnlich ausgesehen haben wie die heutigen Kalmare. Statt Saugnäpfen hatten sie aber vermutlich Haken an ihren zehn Fangarmen. Nun ist dank Schweigert und seinem Team auch der Fressapparat bekannt. Er ist vergleichsweise klein. "Der Fund ist für die Stammesgeschichte von großer Bedeutung", sagt der Forscher. Das 25 Zentimeter lange Tier, das im Nusplinger Kalk gefunden wurde, dürfte übrigens gewaltsam zu Tode gekommen sein. Belemniten waren eine beliebte Beute für Haie und Meeresreptilien.

chs/dpa



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