Schwarmforschung: Wie Fische Karriere machen

Fische, die im Schwarm an der Spitze schwimmen, sind klar im Vorteil. Dort befindet sich das größte Angebot an fressbarem Plankton. Die Pole-Position wird allerdings nicht zufällig vergeben.

Schwarmfischbecken im Ozeaneum in Stralsund: Fitteste nach vorn! Zur Großansicht
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Schwarmfischbecken im Ozeaneum in Stralsund: Fitteste nach vorn!

Als Fisch einer großen Truppe anzugehören, hat viele Vorteile: Zum Einen ist die Chance sehr hoch, einen Angriff von Räubern zu überleben. Andersherum stehen die Chancen, zu Hunderten Nahrung zu erbeuten, ebenfalls besser als alleine. Und natürlich findet sich direkt links oder rechts nebenan ein geeigneter Geschlechtspartner, der in der Regel sogar gleich alt ist.

Zu den Schwarmfischen gehören beispielsweise Meeräschen oder Heringe aber auch Raubfische wie Barracudas oder Piranhas. Um in der Gruppe koordiniert und synchron zu schwimmen oder bei einem möglichen Angriff schnell fliehen zu können, müssen alle zusammenarbeiten.

Die Abstände zwischen den einzelnen Tieren sollten konstant bleiben; die Kommunikation und die Schwimmrichtung müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein. Dann können sie Tausende Kilometer am Stück zurücklegen. Bei einer Blitzattacke durch einen Fressfeind können sie in 0,02 Sekunden ihre Höchstgeschwindigkeit erreichen und wie mehrere Torpedos regelrecht auseinanderschießen.

Dass die Reihenfolge in einem Fischschwarm jedoch nicht zufällig entsteht, sondern streng geregelt ist, fand jetzt eine Forschergruppe um Shaun Killen von der Universität Montpellier in Frankreich heraus. Bisher hatten Wissenschaftler angenommen, dass Fische in Schwärmen relativ gleich sind.

Wie bei einem langen Marathon schwimmen die Fittesten vorne, und andere nutzen ihre Vorderleute, um ohne große Anstrengung im Mittelfeld mitzuschwimmen, berichten Killen und Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the Royal Society B".

Nur die besten Sportler erhalten die vorderen Plätze

Die Biologen führten ihre Studie mit jungen Gold-Meeräschen durch. Diese Fische leben im westlichen Mittelmeer aber auch im Nordostatlantik oder der Nordsee. Die gerade mal 50 bis 70 Zentimeter langen und höchstens drei Kilogramm schweren Knochenfische bilden in der Natur große Schwärme.

Killen setzte jeweils acht Tiere für ein Fitnesstraining in ein gläsernes Strömungsbecken. Nach einer kurzen Orientierungszeit von jeweils 20 Minuten, in denen die Tiere sich zusammenfinden konnten, beobachtete er, welches Tier bei verschiedener Strömung regelmäßig die Pole-Position übernahm und welche Fische sich eher im Mittelfeld oder am Ende des Schwarms aufhielten.

Dies verglichen die Forscher mit Daten zur Fitness der einzelnen Tiere. Dazu gehörte die Größe, der Flossenschlag und der individuelle Sauerstoffverbrauch. Die Untersuchungen zeigten, dass nur die besten Sportler die Spitzenposition erhielten. Lediglich bei schwacher Strömung war die Verteilung im Schwarm ein wenig ausgeglichener. Ganz vorne zu schwimmen ist zwar anstrengender, hat aber laut Killen den Vorteil, das dort mehr Nahrung in Form von Plankton vorhanden ist als am Ende des Schwarms.

Die Forscher fanden auch heraus, dass das Schwimmen im Strömungsschatten seine Vorteile hat: Tiere, die hinter einem Vordermann schwammen, brauchten weniger Flossenschläge und damit weniger Anstrengung, um die gemeinsame Geschwindigkeit zu halten.

nih/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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1. ohne Titel
Vincent_Vega 08.06.2011
Zitat von sysopFische, die im Schwarm*an der Spitze schwimmen, sind klar im Vorteil. Dort befindet sich das*größte Angebot*an fressbarem Plankton.*Die Pool-Position wird*allerdings nicht zufällig vergeben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,767151,00.html
Pool-Position ist doch hier wohl nur als Wortspielerei zu verstehen, oder SPON? Wenn man, wie auch im Artikel geschrieben, an vorderster Stelle schwimmen meint, heißt es Pole-Position.
2. Silberrücken-Fische
HappyLuckyStrike 08.06.2011
schwimmen voran, so wie der Menschheit ihre Manager, das ist auch genetisch und von der Vorsehung entschieden - aber ohne Mühe geht es nicht, könnten sie Ihre Memoiren schreiben, würden die von den Fischführern womöglich betitelt a la "Mein Kampf". Seit einiger Zeit kann man ja die wieder zunehmende Beliebtheit der "Schwarmintelligenz" überall auch bei Menschs feststellen, Individualismus ist bei Fischen wohl eh nicht so gefragt. Bei uns auch immer weniger - Kontrolle ist ja besser.
3. selbstregelndes System
Zitrone! 08.06.2011
Da wird mal wieder so getan, als wäre das ein Beweis für eine Rangordnung unter den Fischen. Aber vielleicht schwimmen die schwächeren ja nur deshalb nicht vorne, weil sie es nicht durchhalten?!
4. Schwarmintelligenz
ddkddk 08.06.2011
Das Schwimmen im Schwarm bringt Vorteile und die Reihenfolge muss irgendwie geregelt werden. Sicher ist aber nicht, dass das vorne Schwimmen Vorteile bringt. Das Nahrungsangebot ist vorne zwar besser. Da aber der Fisch hier mehr Kraft verbraucht, braucht er auch mehr Nahrung. Aus dem Artikel geht nicht hervor, ob sich das ausgleicht, aber denkbar ist es. Der Fisch hinten im Schwarm bekommt zwar weniger Nahrung, braucht aber auch weniger wegen des geringeren Kraftaufwands. Auch das kann sich ausgleichen. Denkbar ist auch noch, dass der Fisch vorne ständig seine Muskeln mehr beansprucht als der Fisch hinten und deshalb auch besser trainiert ist. Damit sind die Plätze im Schwarm ein für allemal festgelegt, ohne dass ein Fisch einen Nach- oder Vorteil zu haben braucht.
5. Dagegen die Menschen...
AndyDaWiz 11.06.2011
Zitat von ddkddkDas Schwimmen im Schwarm bringt Vorteile und die Reihenfolge muss irgendwie geregelt werden. Sicher ist aber nicht, dass das vorne Schwimmen Vorteile bringt. Das Nahrungsangebot ist vorne zwar besser. Da aber der Fisch hier mehr Kraft verbraucht, braucht er auch mehr Nahrung. Aus dem Artikel geht nicht hervor, ob sich das ausgleicht, aber denkbar ist es. Der Fisch hinten im Schwarm bekommt zwar weniger Nahrung, braucht aber auch weniger wegen des geringeren Kraftaufwands. Auch das kann sich ausgleichen. Denkbar ist auch noch, dass der Fisch vorne ständig seine Muskeln mehr beansprucht als der Fisch hinten und deshalb auch besser trainiert ist. Damit sind die Plätze im Schwarm ein für allemal festgelegt, ohne dass ein Fisch einen Nach- oder Vorteil zu haben braucht.
...da suchen sich die fittesten die bequemsten Positionen - jedenfalls im dekadenten Deutschland. Und dann ist jedes kannibalistische Mittel recht, die spaetroemische Dekadenz zu erhalten...
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