Lange Schmelzperiode Schweizer Gletscher haben Milliarden Kubikmeter Eis verloren

Im Vergleich zum September 2017 sind die Gletscher in der Schweiz deutlich geschrumpft. Forscher sagen: Nur der schneereiche Winter habe eine noch dramatischere Entwicklung verhindert.

Tsanfleurongletscher in der Schweiz
Valentin Flauraud/KEYSTONE/dpa

Tsanfleurongletscher in der Schweiz


Die etwa 1500 Gletscher in der Schweiz haben im Vergleich zum vergangenem September 1,4 Milliarden Kubikmeter oder 2,5 Prozent Eis verloren. Die Eismassen seien in großem Ausmaß verloren gegangen, berichtete die Akademie der Wissenschaften Schweiz.

Nur der sehr schneereiche Winter habe eine noch dramatischere Entwicklung verhindert, hieß es. Insgesamt hätten die Gletscher in zehn Jahren ein Fünftel ihres Volumens verloren.

Die Entwicklung sei bemerkenswert, weil nach dem vergangenen Winter teils Rekordschneehöhen gemessen worden waren, so die Akademie.

87 Prozent der Tage nie unter der Null-Grad-Marke

Im Kanton Wallis hätten die Gletscher etwa zu Beginn der Schmelzperiode bis zu 70 Prozent mehr Schnee gehabt als im Durchschnitt vergangener Jahre. In manchen Tälern sei gleichzeitig so viel Schnee gefallen, wie nur alle 70 Jahre zu erwarten sei. Bis Ende März habe oberhalb von 2000 Metern noch bis zu doppelt so viel Schnee gelegen wie in früheren Jahren zu dieser Jahreszeit.

Das Abtauen des Winterschnees sei doppelt Problematisch, berichten die Forscher. Der hellere Winterschnee reflektiere die Sonne gut und schütze so die darunter liegenden dunkleren Eisschichten vor Sonneneinstrahlung. Zudem sei Winterschnee nötig, damit die Gletscher Rücklagen bilden könnten. Winterschnee, der den Sommer überdauert, wird über Jahre kompakter und dann zu Gletschereis.

Das Sommerhalbjahr von April bis September sei in der Schweiz mit Abstand das wärmste seit Beginn der Messungen Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen, schreibt die Akademie. Vor allem habe es wenig Neuschnee gegeben. Auf dem 2540 Meter hohen Weissfluhjoch, wo seit 81 Jahren gemessen werde, sei es an 87 Prozent der Sommertage nicht unter null Grad gewesen. Noch nie habe es dort zwischen dem 17. Mai und 4. September so wenig Neuschnee gegeben wie in diesem Jahr.

Nicht alle Gletscher reagieren gleich auf die klimatischen Bedingungen, erklären die Forscher. Wie stark ein Gletscherschrumpfe, hänge unter anderem von Länge, Eisdicke und Neigungswinkel ab. Im vergangenen Jahr allerdings gingen praktisch alle der rund 100 in der Schweiz vermessenen Gletscherzungen zurück.

Zwar lassen sich Einzelereignisse nie sicher auf die Erderwärmung zurückführen. Der langfristige Trend ist jedoch klar. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Schnee und Eis in den Alpen bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich schwindet. Bereits im Jahr 2015 hatten sie vor dem Schrumpfen der Gletscher im Alpenraum gewarnt, auch in der Schweiz. 2016 erholte sich die Eisschicht zwischenzeitlich durch den kalten Sommer etwas, am generellen Trend änderte das jedoch nichts.

jme/dpa



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