Schweiz Neue Rechnung belegt dramatischen Gletscherschwund

Der Klimawandel lässt die Gletscher schmelzen, auch in den Alpen. Schweizer Forscher haben nun ausgerechnet, wie stark die Eisriesen in den vergangenen zehn Jahren gelitten haben. Ihre Modellrechnung zeigt klar, wie schnell die weiße Pracht verschwindet.


Bern - In vielen Teilen der Welt schrumpfen die Gletscher, so auch in der Schweiz. Der Alpenstaat muss sogar seine Grenze zu Italien um bis zu hundert Meter verschieben, weil das Verschwinden der Eisriesen die Topografie der Landschaft ändert. Forscher haben nun berechnet, wie viel Masse die Eisriesen in den vergangenen Jahren eingebüßt haben.

Aletsch-Gletscher: Fast ein Viertel der Eismenge der gesamten Schweiz
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Aletsch-Gletscher: Fast ein Viertel der Eismenge der gesamten Schweiz

Dazu bestimmten die Wissenschaftler um Martin Funk von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der ETH Zürich zunächst das aktuelle Eisvolumen. Bisher gab es zu dieser Frage nur grobe Schätzungen. Im Fachmagazin "Global and Planetary Change" stellen die Forscher aber nun erstmals eine detaillierte Kalkulation vor. "Die Berechnung des aktuellen Eisvolumens ist der wichtigste Indikator, um Voraussagen über zukünftige Veränderungen der Gletscher zu machen", sagt Funk.

Die Forscher konzentrierten sich zunächst auf 59 Schweizer Gletscher, die größer als drei Quadratkilometer sind. Die wichtigsten sind die Eisriesen im Aletsch-Gebiet (Ober-, Mittel- und Großer Aletsch-Gletscher). Sie fassen zusammen allein fast ein Viertel der gesamten Eismenge in der Schweiz. In einem zweiten Schritt fügten die Wissenschaftler noch die Werte für die 1400 kleineren Exemplare hinzu.

Für das Jahr 1999 errechneten sie mit ihrem Modell ein Gesamtvolumen von etwa 74 Kubikkilometer. Doch seitdem ist das Eisvolumen merklich gesunken, und zwar um neun Kubikkilometer, also zwölf Prozent. Allein im besonders warmen Sommer 2003 schmolzen 2,6 Kubikkilometer ab. Sorgenvoll verweisen die Forscher darauf, dass sich der Trend fortsetzen dürfte, immerhin wird für die Schweizer Alpen nach ihren Angaben ein Temperaturanstieg von 1,8 Grad im Winter und 2,7 Grad im Sommer bis ins Jahr 2050 erwartet.

Nach Schätzungen aus dem Jahr 2007 könnten bereits im Jahr 2037 zahlreiche Alpengletscher verschwunden sein, wenn die Eisschmelze im gleichen Tempo weitergeht wie in den vergangenen Jahren.

Die Gletschergebiete der Erde zählen bei den Klimaprognosen zu den schwer zu kalkulierenden Faktoren. Es ist schwierig, das Eisvolumen genau zu bestimmen. Die Auswirkungen des Abschmelzens etwa auf den Meeresspiegelanstieg sind deshalb nur schwer vorherzusagen, was besonders im Fall des grönländischen Eispanzers zu heftigen Diskussionen darüber führt, wie stark der Meeresspiegelanstieg in den kommenden Jahren tatsächlich ausfallen dürfte. Klar ist aber, dass der Großteil der weltweiten Gletscher rapide an Masse verliert. Allerdings gibt es auch einzelne Gletscher wie etwa den Perito Moreno in Argentinien, die nach wie vor wachsen.

chs

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