Erdbeben in Costa Rica Tsunami-Warnung wurde aufgehoben

Nach dem schweren Erdbeben an der Pazifikküste von Costa Rica wurde die Tsunami-Warnung aufgehoben. Berichte über Todesopfer gibt es bilang nicht. Allerdings sollen im Norden des Landes Häuser eingestürzt sein.

Zentrum des Bebens am roten Punkt (San José ist die Hauptstadt von Costa Rica): Heftige Erschütterung (Daten des GFZ Potsdam)
GEVN

Zentrum des Bebens am roten Punkt (San José ist die Hauptstadt von Costa Rica): Heftige Erschütterung (Daten des GFZ Potsdam)


Hamburg - Ein schweres Erdbeben hat im Nordwesten Costa Ricas nach ersten Berichten Gebäude einstürzen lassen, Stromleitungen gekappt und Schlammlawinen ausgelöst. Der Tsunami-Alarm für die Region wurde aufgehoben. Es gebe bislang keine Berichte über Todesopfer, sagte Costa Ricas Präsidentin Laura Chinchilla zwei Stunden nach dem Schlag laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Ursprung des Bebens liegt etwa 140 Kilometer westlich der Hauptstadt San José. Nach Angaben des Geologischen Dienstes der USA wurde der Boden um 8:42 Uhr Ortszeit (16:42 deutscher Zeit) mit der Stärke 7,6 erschüttert. Das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) ermittelte Stärke 7,5. Beben dieser Heftigkeit gibt es weltweit durchschnittlich nur etwa fünfmal pro Jahr.

Das Tsunami-Warnzentrum in den USA gab zunächst Tsunami-Warnung für die Pazifikküsten der Region. Ob Riesenwellen ausgelöst wurden, blieb fast drei Stunden unklar.

Nahe des Bebenzentrums seien Häuser zusammengestürzt und Schlammlawinen abgegangen, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Es herrsche Angst in der Bevölkerung an der Pazifikküste Costa Ricas: "Jeder weint, und die Telefonleitungen sind überlastet", sagte eine Hotelmitarbeiterin in der Region von Guanacaste im Südwesten des Landes. In der Stadt Nosara im Nordwesten Costa Ricas hätten Bäume gewaltig gewackelt, Schulen seien geräumt worden.

"Kollektives Chaos"

In der Hauptstadt San José herrsche "kollektives Chaos", sagte der Geograf Douglas Salgado von der nationalen Behörde für Risikoprävention der AP. Die Erschütterungen hätten "lange angehalten". Nahe des Bebenzentrums seien Telefone ausgefallen. Derzeit flögen Behördenmitarbeiter in die Bebenzone, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Das Beben ereignete sich vergleichsweise tief im Boden: Das GFZ gab eine Tiefe von 35 Kilometern, der USGS von 41 Kilometern an. Es gilt die Faustregel: Je flacher ein Beben, desto heftiger wackelt es an der Erdoberfläche. Über Schäden oder Opfer wurde noch nichts bekannt.

Das Beben ereignete sich an der Grenze dreier mächtiger Erdplatten: Vor Costa Rica trifft die Nordamerikanische Platte von Norden kommend auf die Cocos-Platte im Westen und die Karibische Platte im Osten. Entlang der Kollisionszonen staut sich extreme Spannung im Gestein, die sich bei heftigen Erdbeben entladen kann.

Nach Angaben des USGS hat es im 250-Kilometer-Umkreis des Bebenzentrums in den letzten 40 Jahren zwei Beben gegeben, die stärker waren als 7 auf der Bebenskala. Beide Schläge hätten sich aber abseits bewohnter Regionen oder in größerer Tiefe ereignet, so dass es jeweils keine Todesopfer gab.

boj



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