Schwermetalle: Chinas Äcker sind stark verseucht

Blei, Cadmium, Zink: Zehn Prozent des Ackerlands in China sind mit Schwermetallen so stark belastet, dass gültige Grenzwerte überschritten werden. Die Schadstoffe stammen aus verseuchtem Wasser oder Abgasen - und führen bei Anwohnern zu Vergiftungserscheinungen.

Chinesischer Reisbauer: Grenzwerte auf zehn Prozent der Felder überschritten Zur Großansicht
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Chinesischer Reisbauer: Grenzwerte auf zehn Prozent der Felder überschritten

Peking - Die erschreckenden Zahlen stammen nicht von Regimekritikern, sondern direkt aus dem Pekinger Umweltschutzministerium. Etwa ein Zehntel der landwirtschaftlich genutzten Flächen Chinas sind demnach mit Schwermetallen wie Blei verseucht. Die Belastung liege dabei über den staatlich festgelegten Grenzwerten, sagte der Chefingenieur des Ministeriums, Wan Bentai, der Zeitung "Southern Metropolitan Daily".

Blei und andere Schwermetalle können bei Menschen unter anderem zu Schäden des Nervensystems oder der Nieren führen, insbesondere bei Kindern. Das Umweltministerium hat die Regierung aufgefordert, das Problem so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen.

Schwermetalle wie Blei, Zink oder Cadmium gelangen über Abgase und Abwässer in die Umwelt. Die besonders hohe Bleibelastung hängt damit zusammen, dass China der größte Verbraucher dieses Elements ist. 70 Prozent des Metalls gehen in die Batterie-Herstellung.

Die Ansiedlung umweltverschmutzender Industrien vor allem in armen Regionen des Landes hat schwerwiegende Folgen für die Menschen vor Ort. 2009 erkrankten mehr als 300 Kinder an Bleivergiftung, die in der Nähe eines Industriegebiets lebten. Im Blut der Kinder aus der Provinz Shaanxi fanden die Ärzte Bleikonzentrationen, die teilweise mehr als zweifach über den erlaubten Grenzwerten lagen. Die Kinder litten an Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und verlangsamten Reaktionen. Sie wohnten allesamt in unmittelbarer Nähe einer Blei- und Zinnschmelze.

Blei aus der Luft, Cadmium im Wasser

Die mitunter tödlichen Folgen von Schwermetallen in der Umwelt zeigten sich auch bei der sogenannten Itai-Itai-Krankheit in Japan. In Minen der Präfektur Toyama wurden Silber, Blei und Kupfer abgebaut, dabei gelangte Cadmium in einen großen Fluss. Mit dem Wasser wurden Reisfelder bewässert - und so vergifteten sich viele Anwohner. Erkannt wurde dies erst vor etwa 60 Jahren. Betroffene litten unter starken Schmerzen, ihre Knochen wurden weich, es kam zu Nierenversagen. Viele Menschen starben.

Auch in Deutschland war mit Blei ein Schwermetall über Jahrzehnte ein großes Umweltproblem. Hauptquelle war der Verkehr. Bleiverbindungen wurden dem Benzin als Anti-Klopfmittel beigemischt. Nach der Einführung des bleifreien Benzins ist die Belastung jedoch deutlich zurückgegangen.

Nach Angaben des Umweltbundesamts gibt es inzwischen in Deutschland nur noch geringfügige Emissionen durch die metallverarbeitende Industrie und die Verbrennung von fossilen Energieträgern, die in Spuren immer etwas Blei enthalten. Eine Gefährdung durch Blei sei in Deutschland nahezu auszuschließen. Die Konzentrationen lägen in der Regel unter fünf Prozent des europaweit einheitlich geregelten Grenzwerts.

hda/Reuters

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