Rätselhafter Schwund zum Winteranfang Wo sind die Singvögel?

Sperlinge, Meisen, Amseln: In Gärten und Parks finden sich derzeit weniger Vögel ein als sonst zum Winterstart. Experten vermuten, es könnte mehrere Gründe haben.

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Vogelfreunde haben in den vergangenen Wochen deutlich weniger Meisen, Eichelhäher und Amseln an Futterhäuschen in Gärten und Parks beobachtet. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schließt einen Zusammenhang mit der grassierenden Vogelgrippe aber aus.

"Singvogelarten werden generell nicht von der aktuellen Form der Vogelgrippe befallen", sagte Geschäftsführer Leif Miller am Mittwoch. Auch bei den betroffenen Wildvögeln seien trotz der Todesfälle bislang keine Auswirkungen auf die Bestände zu befürchten.

Warum sich Wintervögel in diesem Jahr rar machen, können auch Naturschützer nur vermuten. Wahrscheinlich sei, dass viele Vögel bei der milden Witterung in den Wäldern ausreichend Nahrung fänden und deshalb bisher zusätzliche Futterstellen verschmähten, sagte Miller. Dass die Zahl der gefiederten Gäste an Futterhäuschen stark schwanke, sei im Winter normal.

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Rätselhafter Schwund: Der Zauber der Wintervögel

Der Düsseldorfer Nabu-Experte Heinz Kowalski vermutet eine andere Ursache: Der geringe Flugbetrieb an den Futterstellen sei wohl auch eine Spätfolge des verregneten Frühjahrs. Durch Nässe und Kälte seien viele Jungvögel an Unterkühlung gestorben.

Außerdem habe das Wetter zu einem Mangel an Insekten geführt: "Jungvögel, die nicht an Kälte gestorben sind, sind schlicht verhungert", sagte er. Viele Vogelschützer, die derzeit die Nistkästen säubern, entdeckten Nester mit toten Jungvögeln oder nicht ausgebrüteten Eiern.

Die nächste Nabu-Zählaktion steht vom 6. bis 8. Januar an. Vogelfreunde können ihre Beobachtungen der Wintervögel dann wieder melden. Im vergangenen Januar beteiligten sich bundesweit mehr als 93.000 Vogelfreunde und zählten über 2,5 Millionen Tiere. Am häufigsten sahen sie Haussperlinge, Kohlmeisen, Blaumeisen, Feldsperlinge und Amseln.

Ob es Vögeln hilft oder schadet, wenn sie im Winter gefüttert werden, lässt sich nicht eindeutig sagen. Aussagekräftige Studien fehlen. Ein striktes Futterverbot vertritt inzwischen aber kaum jemand mehr.

boj/dpa



insgesamt 156 Beiträge
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schgucke 15.12.2016
1. Überdosis Glyphosat?
Vielleicht haben die Bürger mit den perfekten Rasen kalte Füße bekommen, dass Ihnen das Gift ausgehen könnte und gleich noch mal nachhaltig vorgebeugt. Schädigt ja alles nicht mal die Bienen.
competa1 15.12.2016
2. Dies Erfahrung habe ich auch gemacht..
..keine Meisen,Rotkehlchen oder Heckenbraunellen an der Futterstelle,dafür ein Elsterpärchen,das sogar die stärkesten Amseln vertreibt.Elstern sind Brut und Eifresser.Mithin auch für den Rückgang der Singvögel verantwortlich.Das ,vor Jahren eingeführte Jagdverbot für dieses Raubzeug sollte aufgehoben werden.
butzibart13 15.12.2016
3. Ganz natürliche Ursachen?
In zwei Nistkästen bei mir zu Hause hatte ich im Sommer tote Vögel und unausgebrütete Eier entdeckt. Ich schätze auch , dass das in der Tat mit dem nassen, unwirtlichen Frühjahr zusammenhängt. Wahrscheinlich liegt auch keine Grippe oder zu viele Gifte in irgendwelchen Futtermitteln vor. Und im Augenblick ist es noch nicht so kalt oder alles mit Schnee bedeckt, dass die Singvögel kein Futter finden. Also nicht: "It is a cold winter, away is the songbird (Passing the time - Song der Pop-Gruppe Cream)
the_rover 15.12.2016
4. Viele Ursachen ...
möglicherweise sind daran aber auch Elstern, Eichlhäher und Krähen schuld. Streunende Hauskatzen, Waschbären und übrigens auch Igel dezimieren dann den Rest.
Poco Loco 15.12.2016
5. Gravierende Ursachen
Es werden auch hier in Deutschland, zunehmend Vögel gewildert um diese auf speziellen Tiermärkten und an Vogel-Liebhaber zu verkaufen, ein schmutziges Geschäft das auf Dauer zu Artensterben führen wird. Dann kann man an der Stelle auch zu bedenken geben, dass überall auf den südlichen Flugrouten, die Vögel gejagd werden, mit Netzen und Schusswaffen, z.B. in Italien oder dem Balkan ist das noch weit verbreitet, ebenso werden die Küsten in Nordafrika mit hunderten Kilometer Fangnetzen bestückt, in denen jährlich Millionen an Vögeln tot od. lebendig gefangen werden.
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