Deutschland Der Seeadler ist zurück

Nur noch etwa 60 Seeadler-Paare lebten in den Sechzigern in Deutschland. Seither hat sich die Zahl mehr als verzehnfacht. Die meisten Exemplare leben im Nordosten der Republik.

Seeadler in einem Wildpark in Schleswig-Holstein
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Seeadler in einem Wildpark in Schleswig-Holstein


Die Schutzprojekte für den Seeadler sind eine Erfolgsstory des Naturschutzes. Hunderte Paare des fast ausgerotteten Greifvogels brüten wieder in Deutschland - auch an der Elbe, etwa bei Bleckede in Niedersachsen. Einer von ihnen gleitet über die Bäume am Ufer, ein zweiter folgt, rasch gewinnen die Vögel an Höhe. Der weiße Schwanz verrät: Es sind ausgewachsene Tiere.

"Die Elbe ist in den vergangenen Jahren wieder zu einem fischreichen Fluss mit einem großen Spektrum an Fischarten geworden", sagt Franz Höchtl, stellvertretender Leiter des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue. "Da sich die Seeadler zu einem großen Teil von Fischen ernähren - daneben von Wasservögeln und im Winter auch Aas - ist ihr Tisch entsprechend reich gedeckt", erläutert der Agrarbiologe.

"Wir gehen von bundesweit über 700 Brutpaaren aus", sagt Lars Lachmann, Vogelexperte beim Naturschutzbund (Nabu) in Berlin. Hinzu komme wahrscheinlich noch eine vierstellige Zahl nicht brütender Vögel der größten einheimischen Greifvogelart. "Seit den Sechzigerjahren hat sich der Bestand mehr als verzehnfacht."

Damals habe es in der Bundesrepublik nur noch vier Paare gegeben, in der DDR etwa 60. "Zur Erholung haben das Verbot des Insektizids DDT und die Unterschutzstellung der Greifvögel entscheidend beigetragen".

Ein Seeadler holt einen Aal aus einem Fluss (Archiv)
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Ein Seeadler holt einen Aal aus einem Fluss (Archiv)

Die meisten Seeadler leben im Nordosten

Gut 80 Prozent des deutschen Bestandes leben im Nordosten, mehr als 360 Brutrevierpaare waren es 2015 in Mecklenburg-Vorpommern. Die Tendenz sei weiter leicht steigend, heißt es im Umweltministerium.

"Bei uns in Mecklenburg-Vorpommern sind die Seeadler hauptsächlich in den Großseenlandschaften mit ausgedehnten Waldstrichen und hohem Gewässeranteil zu Hause", sagt Minister Till Backhaus (SPD) in Schwerin. "Zunehmend werden aber auch die großen Flusstäler von Peene, Trebel und Recknitz sowie das Hinterland der Küste, wie beispielsweise auf der Insel Usedom, besiedelt."

Dennoch gibt es weiterhin Risiken für den Seeadler. "Die Gefährdung besteht in illegaler Verfolgung", sagt Lachmann. Jedes Jahr würden bundesweit im Mittel acht getötete Seeadler gefunden. "Dazu kommen Horstzerstörungen wie sie in letzter Zeit leider in der Umgebung von geplanten Windkraftanlagen zunehmend vorkommen." Auch an fertiggestellten Anlagen komme es regelmäßig zu Todesfällen.

Die Elbe bei Bleckede in Niedersachsen (Archiv)
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Die Elbe bei Bleckede in Niedersachsen (Archiv)

"Häufige Todesursache von tot aufgefundenen Seeadlern ist die Bleivergiftung", ergänzt der Nabu-Experte. "Weil die Adler auch angeschossene Tiere erbeuten oder Aas zu sich nehmen, verschlucken sie dabei häufig Schrotkugeln." Sei die Munition nicht bleifrei, so führe dies über kurz oder lang zum Tod. Nur in bestimmten Regionen wie Feuchtgebieten sei bleihaltige Munition bereits verboten.

Anmerkung der Redaktion: Im Vorspann des Artikels stand zunächst, dass es in den Sechzigern nur noch vier Seeadler-Paare in Deutschland gab. Diese Information bezog sich allein auf die Bundesrepublik. Wir haben die Angabe präzisiert.

jme/dpa

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