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Staupe oder Influenza: Biologen rätseln über Seehundsterben an der Nordsee

Toter Seehund am Strand von Hörnum (14. Oktober): Täglich finden Seehundjäger an den Stränden tote Tiere Zur Großansicht
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Toter Seehund am Strand von Hörnum (14. Oktober): Täglich finden Seehundjäger an den Stränden tote Tiere

Droht an Schleswig-Holsteins Nordseeküste ein neues Seehund-Massensterben? Täglich werden auf den Inseln zahlreiche tote und schwer kranke Tiere gefunden. Die Ursache ist unklar.

Husum - An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste werden Erinnerungen an das Seehund-Massensterben von 2002 wach. Täglich werden an den Stränden der Inseln Helgoland, Amrum, Föhr und Sylt tote Tiere gefunden - bislang waren es 150. Am Dienstag musste der Sylter Seehundjäger Thomas Diedrichsen am Strand erneut ein Tier von seinen Leiden erlösen. "95 Prozent der Tiere kommen tot an", sagt er. Die schwer kranken Exemplare lägen nur noch apathisch herum. "Die reagieren auf gar nichts mehr."

Die Ursache für das Sterben ist noch unbekannt. Äußerlich wirkten die meisten Tiere nicht krank, sagt Seehundexpertin Britta Diederichs vom Nationalparkamt in Tönning. Auch die mit der Aufklärung des Falls beauftragten Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben die Gründe für das Phänomen nicht gefunden.

Staupe- oder Influenzaviren könnten verantwortlich sein. Vor der dänischen Ostseeinsel Anholt wurden seit August rund 200 von den 1500 dort lebenden Seehunden tot gefunden. "Dort ist ein Grippevirus in Kadavern nachgewiesen worden", sagt Nationalparkamt-Sprecher Hendrik Brunckhorst.

Nur die Stärksten überleben

Tierschützer fürchten nun ein neues Massensterben im Wattenmeer. 2002 verendeten an Nord- und Ostsee knapp 22.000 Seehunde an der Staupe, 1988 waren es rund 18.000. Mit ähnlich vielen toten Tieren rechnet Expertin Diederichs zwar nicht. "Es kann aber trotzdem sein, dass 1000 Tiere betroffen sein werden." Als Beleg für ihre Vermutung führt sie die Entwicklung in Dänemark an, wo im Sommer mehr als zehn Prozent des Bestands verendeten.

Sorgen um den Seehundbestand an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste macht sich Diederichs hingegen nicht. Dort leben schätzungsweise 12.000 Seehunde. "Der Bestand ist in den vergangenen Jahren beständig gewachsen", sagt Diederichs. Sie spricht von natürlichen Prozessen innerhalb der Population. "Das ist eine normale Entwicklung, die dazugehört in solchen Beständen. Starke Tiere werden das überstehen, andere leider nicht." Auch die Weltnaturschutzunion stuft Seehunde nicht als bedroht ein. In Deutschland gelten die Tiere ebenfalls als nicht gefährdet.

Erlösung durch den Seehundjäger

Bereits am Montag war bekannt geworden, dass seit Ende vergangener Woche auf Helgoland und Amrum täglich jeweils fünf bis zehn tote Seehunde entdeckt worden waren, auf Sylt bis zu 16. Viele von ihnen waren bereits mehrere Jahre alt. Einige der erkrankten Tiere schleppen sich noch an den Strand.

"Sie werden dann vor Ort von Seehundjägern erlöst", sagt Diederichs. Außer einem Husten seien bei ihnen aber keine äußeren Anzeichen einer Erkrankung festzustellen. "Das Husten kann verschiedene Ursachen haben, der Staupevirus ist nur eine." Der Großteil der Tiere sei zudem gut genährt.

Brunckhorst und Diederichs wollen über die Gründe für das Sterben nicht spekulieren. Gewissheit werden vermutlich erst die Ergebnisse der Untersuchungen in Büsum liefern. Die Experten rechnen erst in den kommenden Tagen mit Erkenntnissen.

Seehunde und Kegelrobben

jme/dpa

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1. Ganz normal und nichts neues
andre_22 15.10.2014
Soetwas hat es schon immer gegeben! Die Bestände steigen,dadurch wird die Ansteckungsgefahr grösser, der Bestand veringert sich und alles geht von vorne los! Ganz normaler Vorgang!
2. falsche Tierliebe
NochNeMeinung 15.10.2014
Mitschuld an solchen Epidemien könnte der Mensch durchaus haben. Es gibt jede Menge Seehundrettungsstationen, wo verletzte Tiere und zurückgelassene Junge aufgepäppelt werden, um sie dann wieder in den wilden Bestand zurückzulassen. Solche Stationen sind schon aus Spendengründen auf Leute angewiesen, bei denen der Knuffeleffekt angesprochen werden muss. Deshalb wird auch nahezu jeder Seehund gerettet und die Stationen sind zudem auch noch für die Öffentlichkeit zugänglich. Dadurch entstehen zwei Gefahren. Durch die läppischen Hygieneregeln in den Stationen gibt es ein hohes Risiko, das Keime auf die Seehunde übertragen werden. Außerdem hält sich durch den reduzierten Selektionsdruck ständig ein höherer Anteil schwächlicher Tiere als unter normalen Umständen im Bestand. Beide Faktoren können den Ausbruch von Seuchen fördern. Den gleichen Blödsinn kann man übrigens bei der Winterfütterung (teilweise auch noch mit Antibiotika) vom Schalenwild, aber auch bei Städtern, die Tauben und Enten mästen, beobachten.
3.
andre_22 15.10.2014
Zitat von NochNeMeinungMitschuld an solchen Epidemien könnte der Mensch durchaus haben. Es gibt jede Menge Seehundrettungsstationen, wo verletzte Tiere und zurückgelassene Junge aufgepäppelt werden, um sie dann wieder in den wilden Bestand zurückzulassen. Solche Stationen sind schon aus Spendengründen auf Leute angewiesen, bei denen der Knuffeleffekt angesprochen werden muss. Deshalb wird auch nahezu jeder Seehund gerettet und die Stationen sind zudem auch noch für die Öffentlichkeit zugänglich. Dadurch entstehen zwei Gefahren. Durch die läppischen Hygieneregeln in den Stationen gibt es ein hohes Risiko, das Keime auf die Seehunde übertragen werden. Außerdem hält sich durch den reduzierten Selektionsdruck ständig ein höherer Anteil schwächlicher Tiere als unter normalen Umständen im Bestand. Beide Faktoren können den Ausbruch von Seuchen fördern. Den gleichen Blödsinn kann man übrigens bei der Winterfütterung (teilweise auch noch mit Antibiotika) vom Schalenwild, aber auch bei Städtern, die Tauben und Enten mästen, beobachten.
Also ich kenne nur 2 Seehundauffangstationen! Norddeich und Friederichskoog! Wobei Norddeich nur eine reine Auffangstation für Heuler ist! Ausserdem dürfte es sich bei den Heuer insgesamt um maximal 170 im Jahr handel was den bestand nicht beinflussen dürfte! Die Seehunde die wieder ausgewildert werden sind alle auch Veterinärmedizinisch untersucht! Was Wildfütterung angeht ist die abgabe von Antibiotika verboten! Also bitte erstmal etwas Informieren! Bei den Tauben und Enten gebe ich ihnen allerdings recht!
4. Jain
andre_22 16.10.2014
Der Mensch hat schon einen gewissen Einfluss! Allein durch die Veränderung der Lebensräume die gewissen Arten zugute kommt und anderen schadet! Sicherlich sind Seuchen schon immer eine Selektionswerkzeug gewesen, aber hier kommt es auch auf das zur ferfügung stehende Areal an in dem bestimmte Populationen leben können und auf die Störungsintensität! So blöde es auch ist, irgendwie hat der Mensch immer eine Teilschuld! Was Fokushima angeht so sind solche Gaus eher ein Problem für die Menschen, wie das Beispiel Tschernobyl zeigt! Auf die Tierwelt hat soetwas eher nur marginalen Einfluss!
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