Wattenmeer An der Nordsee sterben dutzende Seehunde

Jeden Tag werden neue Kadaver angeschwemmt: An der Nordsee sterben derzeit Dutzende Seehunde. Ursache könnte eine Seuche sein, die vor einigen Jahren bereits Zehntausende Robben das Leben gekostet hat.

Seehunde auf der Insel Pellworm (Archivbild): Täglich sterben bis zu 16 Tiere
DPA

Seehunde auf der Insel Pellworm (Archivbild): Täglich sterben bis zu 16 Tiere


Tierschützer befürchten im Wattenmeer ein Massensterben von Seehunden. Derzeit werden an Schleswig-Holsteins Nordseeküste zahlreiche tote und schwer kranke Tiere gefunden. "Seit Ende vergangener Woche waren es auf Helgoland und Amrum täglich jeweils fünf bis zehn Tiere, auf Sylt bis zu 16", sagte am Montag Hendrik Brunckhorst vom Nationalparkamt in Husum. Viele der Tiere seien bereits mehrere Jahre alt gewesen.

In Büsum untersuchen Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover derzeit, ob Staupe- oder Influenzaviren bei dem Sterben eine Rolle spielen. Letztere sind bei der dänischen Ostseeinsel Anholt nachgewiesen worden, wo im August mehr als hundert tote Seehunde gefunden worden waren. Erste Ergebnisse sollen im Laufe der Woche vorliegen.

Viruserkrankung raffte bereits Zehntausende Tiere dahin

In der Vergangenheit hatten Tierschützer bei zwei Ausbrüchen der Seehundstaupe ein Massensterben der Meeressäuger an den Küsten von Nord- und Ostsee beobachtet. 1988 verendeten rund 18.000 Tiere, 2002 wurden rund 21.700 tote Tiere gezählt. Und auch 2007 befürchteten Umweltbehörden eine Staupeseuche, nachdem 48 tote Seehunde in Anholt angespült worden waren.

Das Virus verbreitet sich an den Liegeplätzen der Seehunde. Bei einem Ausbruch wird das Immunsystem geschwächt. Überlebende Tiere bilden Antikörper und sind danach für eine Zeit immun gegen die Seuche. Die Abwehrkräfte lassen jedoch mit jedem Jahr nach.

Die Weltnaturschutzunion stuft Seehunde auf der Liste der gefährdeten Arten als nicht bedroht ein. Auch in Deutschland hat sich der Bestand zuletzt erholt. Die Tiere sind dennoch geschützt und dürfen nicht aus der Wildnis gefangen genommen werden. In Aufzuchtstationen wird versucht, zuvor allein aufgefundene Jungtiere wieder aufzupäppeln und anschließend in die Freiheit zu entlassen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, der Seehund gelte in Deutschland als bedroht. Dies ist derzeit nicht der Fall. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

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Fotostrecke: Junge Seehunde kehren in die Freiheit zurück

jme/dpa

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ringotheone 13.10.2014
1. War absehbar!
Ein weiteres Seehundsterben war nur eine Frage der Zeit, da es derzeit an den deutschen Küsten so viele Seehunde gibt wie nie zuvor. Eine maßvolle Bejagung und somit eine Nutzung des jährluchen Zuwachs hätte dies verhindern können. Seuchen treten bei zu hoher Dichte auf. Sicher ist das eine natürliche Bestandsregulierung, die betroffenen Tiere sterben aber qualvoll und können nicht genutzt werden. Da wurde der Tierschutzgedanke wieder einmal nicht zu Ende gedacht, bzw. es wurde der Schutz übertrieben.
the_rover 13.10.2014
2. Von der Politik gewünschter Vorgang!
Eine Bestandskontrolle beim Seehund ist unerwünscht, eine Jagd auf den Gemeinen Seehund seit Jahrzehnten verboten. Die Bestände sind seitdem explodiert und es ist völlig normal und vorhersehbar, dass dann Seuchen entstehen und eine gewisse Anzahl elend verreckt. Sollen sich die Tierschützer, die das jetzt bedrückt, bei den Naturschützern beschweren, die jeden menschlichen Eingriff ablehnen!
Kein Gutmensch 14.10.2014
3. Die armen Viecher sind.......
...... doch eh nur dazu da, dass die spendensammelnde Gutmenschmafia an ihre Spenden kommt - richtiger Naturschutz mischt sich nicht ein und päppelt Heuler hoch. Reine Geldmache..
Ernst Hagen 14.10.2014
4. Gut gebrüllt, Löwe!
Nur hat der Bestand nichts mit dem Ausbruch der Seuche zu tun. Der Staupevirus trifft beispielsweise auch Robben- und Delfinarten, bei denen die Bestandszahlen sehr gering sind bzw. waren. Die Seehundstaupe trat im Übrigen bereits auf, als die Bestandszahlen erheblich niedriger waren als heute, beispielsweise 1988. Insoweit ist Ihre These nicht wirklich zu belegen.
docmillerlulu 14.10.2014
5. Irgend ein Regulativ kommt immer!
Es gibt den alten Spruch "use it or loose ist" an dem sich vieles fest macht. Es gibt immer ein Regulativ welches Bestände vor zu hohen Dichten schützt. Beim Fuchs war es früher die Tollwut, heute sind Staupe und Räude die Faktoren die regulieren. Würden heute natürlich gewonnene Fuchspelze verwertet würde es solche Seuchenzüge beim Fuchs nicht mehr geben. Entgegen allgemeiner Auffassung werden Füchse in klassischen Hochwildrevieren wenig bis kaum geschossen um das nutzbare Wild (Reh, Sau, Rotwild etc.) nicht zu beunruhigen. Der Seehund respektive die Robben wurden früher auch verwertet, aber das ist ja alles heute nicht mehr politisch korrekt. Fairerweise muß man aber auch sagen daß die Bejagung von Seehunden schon recht anspruchsvoll ist. Ein Jäger ist zur Nachsuche auf angeschossenes Wild verpflichtet. Da bin ich aber gespannt wie man das beim Seehund macht - im Neoprenanzug?
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