Rätselhafte Krankheit 230 Seehunde sterben vor Schleswig-Holstein

Immer mehr tote Seehunde werden an die Nordseeküste Schleswig-Holsteins gespült. Tierärzte rätseln über die Ursache.

Toter Seehund am Strand von Hörnum auf Sylt: Auf der Insel wurden am Wochenende 16 tote oder schwerkranke Tiere entdeckt
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Toter Seehund am Strand von Hörnum auf Sylt: Auf der Insel wurden am Wochenende 16 tote oder schwerkranke Tiere entdeckt


Sylt/Tönning - Das Seehundsterben an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste geht weiter. Auf Sylt wurden am Wochenende 16 tote oder schwer kranke Tiere entdeckt, wie der Sylter Seehundjäger Thomas Diedrichsen am Sonntagvormittag berichtete. Bis Freitag waren nach Angaben des Nationalparkamts insgesamt 230 tote Tiere gezählt worden.

Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersuchen derzeit in Büsum, ob Staupe- oder Influenzaviren dabei eine Rolle spielen. Mit Ergebnissen wird für die kommende Woche gerechnet.

Influenzaviren waren für die dänische Ostseeinsel Anholt nachgewiesen worden, wo seit August rund 200 tote Seehunde entdeckt wurden. Insgesamt leben im Wattenmeer vor Schleswig-Holstein nach Angaben des Nationalparkamts rund 12.000 Seehunde.

Noch rechnen Tierschützer zwar nicht mit einem Massensterben im Wattenmeer wie 2002 und 1988, als in Nord- und Ostsee jeweils rund 20.000 Tiere verendeten. Doch die Todeszahlen könnten auch diesmal noch erheblich steigen. Eine Warnung kommt aus Dänemark, wo diesen Sommer mehr als zehn Prozent des Bestands verendetet waren.

Seehunde und Kegelrobben

boj/dpa



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insaneplanet 19.10.2014
1.
Na ja, prozentual spricht man zwar noch nicht von einem Massensterben, bei der geringen Population empfinde ich diesen Verlust aber dennoch als dramatische Entwicklung. Bei einer viralen Ursache dürften wegen der Inkubationszeit wesentlich mehr Tiere betroffen sein, ich hoffe inständig, dass erst einmal die Ursache gefunden werden kann und dass man darauf auch Optionen zum Überleben dieser Tiere entwickeln kann. War leider lange Zeit nicht mehr im Norden, als Kind bzw. Jugendlicher war ich ständig dort im Urlaub, weil die Eltern die Nordsee liebten. Sehr oft auch in Norden-Norddeich, waren da quasi Stammgäste in der Seehund Aufzuchtstation. Es sind fabelhafte Wesen, wir Menschen tragen eine große Mitschuld an deren Misere. Schön, dass sich engagierte Personen so sehr für deren Rettung einsetzt.
Markus Landgraf 19.10.2014
2. vom Menschen gemacht
Der massive Eingriff in das empfindliche Ökosystem des Wattenmeers durch den Bau von Großwindanlagen rächt sich jetzt. Schade - Ein Weltnaturerbe weniger.
Thomas Mainka 19.10.2014
3. Ja ja, der böse Mensch...
Unbestritten verändert der Mensch seine Umwelt und ist für die Überfischung, bzw. Verschmutzung der Meere verantwortlich. Bei ein paar hundert toten Tieren gleich von einer dramatischen Entwicklung zu sprechen, scheint ja dem Zeitgeist der ultimativen Endzeitstimmung zu folgen. Es gibt übrigens nicht nur Seehunde in der Nordsee, sondern auch Kegelrobben. Beide Arten sind mitnichten niedliche Kuscheltiere, sondern durchaus wehrhafte Raubtiere. Eine Kegelrobbe kann bis zu 300 kg schwer werden. Die Population richtet sich nach dem Futterangebot und Liegeplätzen. Zu wenig Futter lässt schwache Tiere verhungern, zu wenige Liegeplätze verstärkt die Ansteckung durch Krankheiten. Es gibt so viele Tiere wie seit langem nicht mehr und eine Bejagung findet nicht statt. Panikmache sind wie dauernde Fehlalarme beim Rauchmelder. Wenn es dann wirklich brennt, reagiert keiner mehr.
NullKommaNix 20.10.2014
4. Ja ja, der böse Mensch II...
"Der Grund für den Tod von rund 350 Seehunden seit Anfang Oktober an der Westküste steht fest: Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover wiesen bei einem Großteil der untersuchten Kadaver ein Influenzavirus nach. Das hat das Nationalparkamt in Tönning (Kreis Nordfriesland) heute Vormittag mitgeteilt. Um welche Art es sich genau handelt, sollen weitere Untersuchungen in den kommenden Wochen zeigen. Seit Tagen war darüber spekuliert worden, ob die Seehunde durch Staupe- oder Influenzaviren verendeten. Der komplette Bestand der Tiere an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ist nach Einschätzung der Experten nicht gefährdet. "Wir gehen davon aus, dass die Seehundgrippe ein natürlicher Vorgang ist", sagte der Leiter der Nationalparkverwaltung, Detlef Hansen. "Unsere Nationalparke sind Orte, an denen natürliche Prozesse möglich und gewollt sind." Auch der Tod sei eben Teil der Natur. "Dies ist kein Zoo, sondern ein Nationalpark."
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