Fitness im Alter Forscher staunen über rüstige Seevogel-Senioren

Dickschnabellummen haben ein anstrengendes Leben im extrem kalten Norden Kanadas. Aber die Seevögel scheinen bis zu ihrem Tod körperlich fit zu bleiben: Kann die Vogelart dabei helfen, die Geheimnisse des Alterns zu lüften?

Dickschnabellumme (Archivbild): "Wir brauchen Daten von langlebigen Tieren"
DPA/ UC Manitoba/ Kyle Elliot

Dickschnabellumme (Archivbild): "Wir brauchen Daten von langlebigen Tieren"


Da könnte man ja neidisch werden: Fit und sportlich bis ins hohe Alter - wovon viele Menschen träumen, ist für manche Seevögel offenbar völlig normal. Dickschnabellummen werden bis zu 30 Jahre alt. Und bis zu ihrem plötzlichen Tod fliegen und tauchen sie so gut wie in ihren besten Tagen. Damit könnten sie wertvolle Erkenntnisse über die Mechanismen des Alterns liefern, berichten kanadische Biologen. Ihre Ergebnisse wollen sie an diesem Montag auf der Tagung der Fachgesellschaft "Society for Experimental Biology" im österreichischen Salzburg präsentieren.

Wissenschaftler von der kanadischen Universität von Manitoba in Winnipeg beobachten die Dickschnabellummen in der kanadischen Hudson Bay schon seit langem. Über einen Zeitraum von vier Jahren hatte Kyle Elliott die Tiere einer Vogelkolonie auf Coats Island mit Sensoren bestückt. Dabei maßen er und seine Kollegen bei 75 Tieren, wie schnell und weit die Vögel flogen, wie lang und tief sie nach Fischen tauchten, und berechneten, welche Energie sie dabei verbrauchten.

Zu ihrer Überraschung fanden die Forscher heraus, dass die Tiere im unwirtlichen kanadisch-arktischen Archipel auch im fortgeschrittenen Alter noch völlig fit waren. Eines der Tiere, das die Wissenschaftler nach dem kanadischen Top-Eishockeyspieler Wayne Gretzky benannten, zog sogar 18 Jahre nacheinander Nachwuchs groß.

"Das meiste, was wir über das Altern wissen, stammt aus Studien an kurzlebigen Würmern, Fruchtfliegen, Mäusen oder Hühnern - aber langlebige Tiere sind anders", sagte Elliott laut einer Mitteilung der Fachgesellschaft. "Wir brauchen Daten von langlebigen Tieren, und Seevögel sind ein gutes Beispiel."

Lummen mit ihren kurzen Flügeln müssen für Flüge besonders viel Energie aufwenden, ganz zu schweigen von ihrer Unterwasserjagd nach Fischen. Zu verstehen, wie sie die Energie für dieses anstrengende Leben in einer extrem kalten Umgebung bis ins Alter aufrechterhalten, könnte helfen, auch das Altern der Menschen zu verstehen.

Verblüffend gute Fitness im hohen Alter haben Forscher auch bei anderen Vögeln festgestellt. Im März 2011 berichteten US-Biologen über das rüstige Albatrosweibchen Wisdom: Die 60-Jährige zog gerade wieder ein Junges auf. Das Leben der Vogeldame ist eine Aneinanderreihung von Rekorden.

hda/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
derjansel 02.07.2012
1. Was lernen wir daraus?
Scheinbar müssen wir mit zunehmendem Alter auch genausoviel unternehmen wie in jungen Jahren. Da bei den meisten nichtmal 30 Minuten joggen am Tag drin sind, wird das wohl nichts. Wozu auch ewig leben.. das Sofa ist so bequem...
thilomw 02.07.2012
2. Wir machen uns selbst alt!
mit 50 fängt es an und dann wird es immer schlimmer und das ist normal so, das ist jedenfalls die message die uns Werbung und Alltagssprache geben. Wir sind dafür ausgelegt bis ins hohe Alter fit zu sein, Krankheit und sogenannte Alterbeschwerden sind nicht "normal". Es ist normal fit zu sein. Es gibt in unserer Gesellschaft eine "Gesundheitslobby" die mit hypnotischen Suggestionstechniken die Leute zum Doktor schleift. Ich bin klinischer Hypnosetherapeut und ich hypnotisiere die Leute nicht, ich dehypnotisiere sie, damit sie endlich wieder an ihre Gesundheit und nicht ihre Zerbrechlichkeit glauben. Das was wir glauben ziehen wir an und wir holen uns die Bestätigung durch unser physisches Erleben, also glauben wir an Zerbrechlichkeit und Krankheit im Alter oder bestimmte Beschwerden, oder wir glauben daran das wir fit und gesund sind bis ins hohe Alter,... beides tritt ein
Zephira 02.07.2012
3.
Zitat von derjanselScheinbar müssen wir mit zunehmendem Alter auch genausoviel unternehmen wie in jungen Jahren. Da bei den meisten nichtmal 30 Minuten joggen am Tag drin sind, wird das wohl nichts. Wozu auch ewig leben.. das Sofa ist so bequem...
Richtig, man muss die Biologie von der Kultur trennen. Es spricht grundsätzlich beim Menschen nichts dagegen, auch im hohen Alter noch geistig und sportlich aktiv zu sein. Allerdings erreichen viele physiologische Aufbauprozesse mit etwa dreißig bis vierzig Jahren ihren Höhepunkt, so dass man bis dahin ein entsprechend hohes Niveau erzielt haben sollte. Wer seinen Körper bis dahin nicht gepflegt oder gar Raubbau an ihm betrieben hat, braucht sich über spätere Gebrechen nicht wundern.
gepro 02.07.2012
4.
Zitat von sysopDPA/ UC Manitoba/ Kyle ElliotDickschnallummen haben ein anstrengendes Leben im extrem kalten Norden Kanadas. Aber die Seevögel scheinen bis zu ihrem Tod körperlich fit zu bleiben: Kann die Vogelart dabei helfen, die Geheimnisse des Alterns zu lüften? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,842063,00.html
Wieso staunen die Forscher? Den Menschen könnte ebenfalls ein langes und gesundes Leben beschieden sein, wenn sie sich häufiger bewegen würden, gesünder (vegan) essen und nicht so viel qualmen würden. Dinge, die den Dickschnallummen offenbar bekannt sind. Nur der tumbe Mensch, der sich zur die Krönung der Schöpfung erklärt hat, begreift es nicht. Sorry, schnallt es nicht.....
gepro 02.07.2012
5. Meide die Chemie und lebe gesund
Zitat von thilomwmit 50 fängt es an und dann wird es immer schlimmer und das ist normal so, das ist jedenfalls die message die uns Werbung und Alltagssprache geben. Wir sind dafür ausgelegt bis ins hohe Alter fit zu sein, Krankheit und sogenannte Alterbeschwerden sind nicht "normal". Es ist normal fit zu sein. Es gibt in unserer Gesellschaft eine "Gesundheitslobby" die mit hypnotischen Suggestionstechniken die Leute zum Doktor schleift. Ich bin klinischer Hypnosetherapeut und ich hypnotisiere die Leute nicht, ich dehypnotisiere sie, damit sie endlich wieder an ihre Gesundheit und nicht ihre Zerbrechlichkeit glauben. Das was wir glauben ziehen wir an und wir holen uns die Bestätigung durch unser physisches Erleben, also glauben wir an Zerbrechlichkeit und Krankheit im Alter oder bestimmte Beschwerden, oder wir glauben daran das wir fit und gesund sind bis ins hohe Alter,... beides tritt ein
Nur wenn wir zu kranken Mitgliedern dieser Gesellschaft erzogen werden, können alle Beteiligten im sog. Gesundheitssystem an uns verdienten. Man sollte es wohl besser in Krankheitssystem umbenennen.
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