Jagdverhalten Segelfische kommen über die Flügel

Im Wasser ist kein Fisch schneller - Segelfische greifen mit bis zu hundert Kilometern pro Stunde ihre Beute an. Doch erst eine spezielle Taktik macht sie zu erfolgreichen Jägern.

Segelfisch vor der Küste von Mexiko
Rodrigo Friscione/ DPA

Segelfisch vor der Küste von Mexiko


Es geht nur wenig über eine geniale Flügelzange: Die schnellen Jungs, die von außen zum Tor ziehen, gehören im modernen Fußball zu den erfolgreichsten Spielern. Gareth Bale ist so einer oder auch Arjen Robben. Auch Lionel Messi und Cristiano Ronaldo spielen auf dem Flügel - Messi rechts, Ronaldo meist links.

Dass die Flügeltaktik manchmal besser ist als die gute alte Mitte, zeigt sich auch in der Natur. Auch Segelfische greifen entweder meist von rechts oder von links an. Die meisten der auch Fächerfisch genannten Tiere spezialisierten sich aber auf Angriffe von einer bestimmten Seite, berichten Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Fachjournal "Current Biology". Auf der bevorzugten Seite erfolge die Attacke besonders schnell - was gerade bei besonders wendiger Beute wie Sardinen sehr wichtig sei.

"Die Segelfische treten meist in ziemlich großen Gruppen auf und wechseln sich mit ihren ganz schnellen, kontrollierten Angriffen ab", sagte Kurvers. Er und seine Kollegen hatten 365 Angriffe von Segelfischen vor der mexikanischen Küste auf Video dokumentiert und untersucht.

Segelfische vor der Küste von Mexiko bei der Jagd auf Sardinen
Rodrigo Friscione/ DPA

Segelfische vor der Küste von Mexiko bei der Jagd auf Sardinen

Zudem schauten sie sich die Waffen der Raubfische an: Abnutzungsspuren an den kleinen Zähnen auf den Schnäbeln hätten bestätigt, dass viele von ihnen bevorzugt von einer Seite angreifen.

Die Vorliebe für eine Seite verteile sich bei Segelfischen im Verhältnis 50 zu 50, so Kurvers. Diese Zahlen seien vergleichbar mit Top-Fechtern, bei denen es ebenfalls auf Unberechenbarkeit ankomme. In der Normalbevölkerung hingegen seien 90 Prozent Rechtshänder. "Die gleiche Hand zu nutzen, hilft bei kooperativen Tätigkeiten, weswegen sich im Laufe der menschlichen Evolution eine angeborene Bevorzugung einer Handseite entwickelt hat", erklärte Kurvers. Linkshänder zu sein, bringe zwar auch Vorteile - aber in der heutigen Gesellschaft unwichtigere. Dazu zähle auch das Kämpfen.

Fächerfische (Istiophorus platypterus) sind durchschnittlich bis zu 2,5 Metern lange Raubfische, die in vielen tropischen und subtropischen Regionen im offenen Ozean vorkommen. Charakteristisch ist neben der segelartigen Rückenflosse die lange, spitze Schnauze, die von Fachleuten Schnabel genannt wird. Zudem gelten die Tiere mit bis zu etwa hundert Kilometern pro Stunde Schwimmgeschwindigkeit als die schnellsten Fische überhaupt. Sie ernähren sich allerdings nicht nur von Sardinen oder Makrelen, sondern fressen auch Krebse und Kalmare.

joe/dpa



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