Segensreiche Artenvielfalt: Multikulti-Wälder wachsen besser

Je mehr verschiedene Baumarten in einem Wald wachsen, desto besser gedeihen sie. Dies ist das Ergebnis einer Computersimulation. Eine größere Artenvielfalt macht den Wald widerstandsfähiger gegen Stürme und Schädlinge - und sorgt so letztlich für mehr Holz.

Naturpark Schlaubetal (Brandenburg): Vielfalt produktiver als Monokultur Zur Großansicht
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Naturpark Schlaubetal (Brandenburg): Vielfalt produktiver als Monokultur

Zürich/Freiburg - Schon seit Jahren vermuten Experten, dass gut durchmischte Wälder mit vielen Baumarten besser sind als Monokulturen. Einen Beweis dafür haben nun Forscher um Harald Bugmann von der ETH Zürich per Computersimulation geliefert. Das beobachtete Phänomen habe mehrere Ursachen. So gebe es in artenreichen Wäldern mehr verschiedene Pflanzen, die auftretende Lücken wie nach Stürmen oder anderen Störungen schneller schließen können. Dazu zählen Gewächse, die gut mit schattigen Verhältnissen zurechtkommen.

Artenreiche Wälder können so schneller auf Änderungen ihrer Umwelt reagieren, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Ecology Letters". Die Ergebnisse demonstrierten, dass der Kampf der Pflanzen ums Licht einen positiven Effekt auf die Produktivität der Wälder habe, heißt es. Diese Aussage gilt dem Team zufolge für viele europäische Wälder.

Monokulturen, in denen nur eine Art wächst, sind besonders anfällig für Sturm-, Schädlings- und Krankheitsschäden. Die darin gepflanzten Bäume wachsen zwar schnell, sie können aber auch massenhaft von Schädlingen heimgesucht werden. Zudem gibt es dort keine Arten, die schnell nachwachsen können.

In einem intakten, naturnahen Wald gibt es nach Angaben der Forscher eine größere Widerstandskraft. Wenn verschiedene Baumarten vorkommen, sei das Wurzelgeflecht im Boden komplexer und der Boden dadurch stabiler, sagt Bugmann. "Ein Multikulti-Wald ist produktiver als eine Monokultur und kann seine Aufgaben, zum Beispiel als Schutzwald im Alpenraum, besser erfüllen."

Das Computermodell kann die Entwicklung eines Waldes zu jedem beliebigen Zeitpunkt abbilden, berichten die Forscher, zu denen auch Michael Scherer-Lorenzen von der Universität Freiburg gehört. Mit dem Modell lässt sich der Zuwachs in Waldbeständen mit ganz unterschiedlicher Baumarten-Zusammensetzung errechnen. Mit dem Computermodell untersucht das Team den Zusammenhang zwischen Biodiversität und Baumproduktivität. Das Modell umfasst 30 Baumarten und kann zahlreiche Klimabedingungen simulieren.

In einem nächsten Schritt soll es auf weitere Wälder in ganz Europa ausgedehnt und für Aussagen zur künftigen Entwicklung eingesetzt werden. "In den Wald gehen müssen wir dafür nicht", erklärt Bugmann, "die Simulationen sind dank der guten Datenbasis ausreichend und ergänzen die vorhandenen Beobachtungsdaten und Experimente ideal."

hda/dpa

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