Medikamente aus der Natur: Wie Tiere Infektionen bekämpfen

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Selbstmedikation gegen Parasitenbefall: Tierische Pharmazeuten Fotos
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Menschenaffen, Schmetterlinge oder Bienen nutzen Pflanzenwirkstoffe zum Schutz vor Parasiten - manchmal verabreichen sie die Mittel sogar ihrem Nachwuchs. Forscher hoffen, dass Erkenntnisse über die tierischen Pharmazeuten auch neue Medikamente für Menschen bringen.

Als sie eine Gruppe von Schimpansen in Tansania beobachten, fällt den Forschern etwas Erstaunliches auf: Das Affenweibchen Chausiku, das offensichtlich krank ist, hält direkt auf einen Busch zu und bricht mehrere Zweige ab. Nachdem Chausiku Rinde und Blätter entfernt hat, zerkaut sie die Zweige. Ihr Junges bettelt, ein Stückchen zu bekommen. Doch als der kleine Schimpanse die Pflanze probiert, spuckt er sie sofort wieder aus. Sie ist schrecklich bitter.

Normalerweise lassen Schimpansen die Finger von diesem Gewächs. Das Weibchen hat die Pflanze als Heilmittel eingesetzt - sie musste Darmparasiten loswerden. Michael Huffman und seine Kollegen, die diesen Vorfall vor gut 25 Jahren beobachten konnten, haben seitdem die Selbstmedikation von Schimpansen genauer erforscht.

Doch nicht nur Menschenaffen greifen auf spezielle Wirkstoffe zurück, um Parasiten zu bekämpfen. Das Phänomen ist quer durchs Tierreich zu beobachten - sogar bei Taufliegen oder Raupen.

Jacobus de Roode von der Emory University in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) und zwei Kollegen fassen im Fachmagazin "Science" eine Reihe von Beobachtungen zusammen, bei denen Tiere nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Nachwuchs oder ihre gesamte Kolonie gegen Infektionen schützten. Konzentriert haben sie sich auf Fälle, bei denen Parasiten ausgeschaltet werden sollten.

Als Selbstmedikation bewerteten sie das Verhalten dabei nur, wenn einige Voraussetzungen erfüllt waren. Dazu zählte, dass die Tiere - wie im Fall von Schimpansenweibchen Chausiku - eine Pflanze nur fressen, wenn sie krank sind, während gesunde Tiere das Gewächs verschmähen. Zudem muss belegt sein, dass die Eigentherapie den Kranken tatsächlich hilft.

Eingesetzte Heilmittel: Alkohol und Baumharz

Die tierischen Pharmazeuten behandeln sich und andere jedoch nicht nur durchs Essen von Pflanzen, wie diese Beispiele zeigen:

  • Wenn die Anwesenheit parasitärer Wespen ihre Brut bedroht, legt die auch als Fruchtfliege bekannte Taufliege Drosophila melanogaster ihre Eier in Essensreste, die besonders stark vergoren sind. Der höhere Alkoholgehalt hält die Schlupfwespen fern, während der Fliegennachwuchs ihn relativ gut verkraftet. Schon vorher hatten Forscher beobachtet, dass von Parasiten befallene Fliegenlarven Nahrung mit hohem Alkoholanteil bevorzugen.
  • Die in Nordamerika verbreiteten Monarchfalter nutzen verschiedene Arten von Seidenpflanzen für die Eiablage. Ist ein Weibchen jedoch von einem häufig vorkommenden Parasiten befallen, bevorzugt es eine besondere Pflanzenspezies. Sie zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an pflanzlichen Steroiden aus, die das Parasitenwachstum hemmen.
  • Sowohl Waldameisen als auch Honigbienen bringen Baumharze in ihr Nest, weil diese schädliche Mikroben und Pilze fernhalten. Wird ein Bienenstock von einem parasitären Pilz befallen, sammeln die Insekten mehr Harz als gewöhnlich.
  • Ebenso wie die Alkoholkur der Fliegen nicht zum Nachahmen empfohlen: In Mexiko verbauen Sperlinge und Hausgimpel Zigarettenstummel in ihren Nestern. Das vertreibt wahrscheinlich parasitäre Milben - aber schadet wohl auch der Gesundheit der Vögel.

Im Fall der Bienen, die weltweit durchs Bienensterben bedroht sind, könnte die Selbstmedikation eine gravierende Rolle spielen, vermuten die Forscher. Bienen schützen sich nicht nur durch Baumharze, sondern auch mit anderen Verhaltensmaßnahmen vor Infektionen. Gleichzeitig zeigte sich bei der Entschlüsselung des Bienengenoms: Die staatenbildenden Insekten haben einen Teil der Immunsystem-Gene verloren, die andere Insekten besitzen.

"Ihr Einsatz von Medizin könnte zum Teil für den Verlust anderer Mechanismen der Immunabwehr verantwortlich sein - oder aber diesen ausgleichen", schreibt das Team in "Science". Wenn Imker aber Bienen aussuchen, die möglichst wenig Harz in ihre Stöcke tragen, werden die Völker dadurch wahrscheinlich anfälliger für Krankheiten. Möglicherweise ist dies ein weiteres Puzzlestück, das das Bienensterben erklärt.

Die Forscher appellieren, nicht nur die Bienen, sondern auch andere tierische Pharmazeuten in Zukunft gründlicher zu erforschen: Schließlich könnten die von Tieren genutzten Pflanzen auch eine Quelle für neue Arzneien darstellen. Die Pflanze, die Schimpansen-Weibchen Chausiku verzehrte, ist in der Region übrigens seit langem als Heilmittel bekannt. Auch die Menschen setzen sie gegen Fieber und gegen Darmparasiten ein.

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Vielleicht...
freigeist56 12.04.2013
Zitat von sysopAPMenschenaffen, Schmetterlinge oder Bienen nutzen Pflanzenwirkstoffe zum Schutz vor Parasiten - manchmal verabreichen sie die Mittel sogar ihrem Nachwuchs. Forscher hoffen, dass Erkenntnisse über die tierischen Pharmazeuten auch neue Medikamente für Menschen bringen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/selbstmedikation-gegen-parasitenbefall-tierische-pharmazeuten-a-893613.html
sollte man das eine oder andere Tier doch Schützen wenn es sein könnte dass es der Pharmaindustrie hilft Arbeitsplätze und Rendite zu erwirtschaften ?
2. Was lernen wir daraus?
carranza 12.04.2013
Zitat von sysopAPMenschenaffen, Schmetterlinge oder Bienen nutzen Pflanzenwirkstoffe zum Schutz vor Parasiten - manchmal verabreichen sie die Mittel sogar ihrem Nachwuchs. Forscher hoffen, dass Erkenntnisse über die tierischen Pharmazeuten auch neue Medikamente für Menschen bringen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/selbstmedikation-gegen-parasitenbefall-tierische-pharmazeuten-a-893613.html
Also in der Landwirtschaft weiterhin tüchtig Herbizide einsetzen, damit wir uns der Apotheke aus der Natur berauben.
3. massenhaft Medikamente!
Spiegelleserin57 12.04.2013
eigentlich ersticken wir schon in einem Berg Medikamente. Jedes Medikament hat NEBENWIRKUNGEN. Wir treiben nicht nur den Teufel aus sondern holen andere herbei. Ob es dann noch Sinn macht ständig neue Präparate zu entwickeln bleibt dahin gestellt. Es wäre wohl besser die Mediziner besser fort zu bilden. Häufig hakt es bei der Diagnose. Die Pharmaverkäufer geben sich die Klinke in die und betteln um Termine. Das ist leider die Realität! Die Zalh der Menschen die an NEBENWIRKUNGEN jedes Zahl stirbt ist enorm hoch!
4. Freifahrtschein
brechthold 12.04.2013
Das eröffnet der Pharmaindustrie ja unendliche Möglichkeiten, weiter aufs Grausamste an Tieren zu forschen. Am besten noch mit Fördermitteln aus öffentlichen Händen.
5. Junge, Junge
Gerdtrader50 12.04.2013
dass die genannten Primaten über einen gewissen Intelligenzlevel verfügen, der ihnen mittels ihrer Lebenserfahrung solche bewussten Handlungen gestatten würde, ist mir ja noch vorstellbar. Den Rest halte ich für Ammenmärchen.
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