Selbstverpflichtung Industrie will freiwillig beim Klimaschutz helfen

Der Druck auf die Unternehmen scheint Wirkung zu zeigen: Die deutsche Wirtschaft will nun offenbar freiwillig mehr für den Klimaschutz tun. Mehrere Spitzenverbände wollen sich verpflichten, gemeinsam Energie zu sparen.

Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde: Wirtschaft will Energieeffizienz steigern
DPA

Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde: Wirtschaft will Energieeffizienz steigern


Deutschlands Kohlendioxid-Ausstoß soll bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 sinken - ein Ziel, das zuletzt in Gefahr geraten ist. Ein Grund: Die Kohlekraftwerke waren aus dem "Aktionsplan Klimaschutz" der Bundesregierung bisher ausgespart. Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass das Wirtschaftsministerium die Energiekonzerne zu CO2-Einsparungen zwingen will.

Dem will die Industrie nun offenbar zuvorkommen und von sich aus mehr für den Klimaschutz tun. Spitzenverbände wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wollen offenbar zusagen, rund 500 Effizienznetzwerke aus jeweils fünf bis 15 Unternehmen zu organisieren. Das geht aus einer Selbstverpflichtung der Verbände gegenüber der Bundesregierung hervor, aus der die Nachrichtenagentur AFP zitiert.

Die Netzwerkinitiative leiste einen "wichtigen Beitrag" zur Erreichung der klima- und energiepolitischen Ziele der Bundesregierung, heißt es demnach in dem Entwurf des Dokuments. Die Regierung erwarte, dass durch die Netzwerke zusätzlich fünf Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen bis 2020 eingespart würden.

Gemeinsames Ziel für jedes Netzwerk

Die Unternehmens-Netzwerke sind laut dem Entwurf freiwillig und sollen aus mindestens fünf und höchstens 15 Unternehmen bestehen; insgesamt sollen sich rund 7500 Betriebe daran beteiligen. Die Teilnehmer sollen sich untereinander austauschen und "Effizienzpotenziale identifizieren". In der Regel soll die Dauer eines Netzwerks dem Entwurf zufolge zwei bis drei Jahre betragen. Jedes Netz werde zudem von einer "qualifizierten" Energieberatung begleitet, mit deren Hilfe sich die teilnehmenden Unternehmen eigene Energiesparziele setzten.

Auf Basis der einzelnen Sparziele solle jedes Netzwerk wiederum ein "gemeinsames, kumuliertes Einsparziel" formulieren. Wenn die Unternehmen einstimmig zustimmten, könne das Ziel auch veröffentlicht werden. Die freiwillige Verpflichtung der Wirtschaft soll am Mittwoch von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) und den Präsidenten der großen Wirtschaftsverbände unterzeichnet werden. Ebenfalls für Mittwoch ist die Verabschiedung des Klimaschutz-Aktionsplans der Bundesregierung durch das Kabinett geplant.

Neben den Stromkonzernen sieht der Aktionsplan der Regierung auch vor, mehr Energieeffizienz durch Gebäudesanierungen zu erreichen. Zudem sollen Haushaltsgeräte sparsamer werden. Weitere Einsparpotenziale sieht die Regierung in den Bereichen Verkehr, EU-Emissionshandel und Landwirtschaft. So soll etwa der Güterverkehr auf der Schiene weiter gestärkt und die Hybridtechnik für Nutzfahrzeuge gefördert werden.

mbe/AFP

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goner80 28.11.2014
1.
Ja nee, is klar. Erstmal die eigene Opferbereitschaft signalisieren, damit Gabriel nicht mehr so viel einstecken muss. Und sich in einem halben Jahr an nichts mehr erinnern. Wieviel kostet diese freiwillige Selbstverpflichtung eigentlich den Steuerzahler? Umsonst ist nicht mal der Tod!
professorA 28.11.2014
2. Wie lange
wollen Politiker und Journalisten diesen Schwachsinn noch weiter betreiben? Der deutsche Anteil an allen menschengemachten CO2- Emissionen beträgt 2,4%. Wenn wir alle Kraftwerke, alle Industriebetriebe, unsere Gebäudeheizung und alle Autos stilllegen und unsere Emissionen so auf Null reduzieren, dann wäre ein Effekt auf das Klima auch mit empfindlichsten Geräten nicht messbar. Aber China, die anderen Bric-Staaten und andere Länder würden in nur einem Jahr mehr als die in Deutschland eingesparten Mengen zusätzlich durch neue Kohlekraftwerke emittieren. Da muss man sich doch an den Kopf fassen!
Boomerang 28.11.2014
3. Kategorischer Imperativ
Zitat von professorAwollen Politiker und Journalisten diesen Schwachsinn noch weiter betreiben? Der deutsche Anteil an allen menschengemachten CO2- Emissionen beträgt 2,4%. Wenn wir alle Kraftwerke, alle Industriebetriebe, unsere Gebäudeheizung und alle Autos stilllegen und unsere Emissionen so auf Null reduzieren, dann wäre ein Effekt auf das Klima auch mit empfindlichsten Geräten nicht messbar. Aber China, die anderen Bric-Staaten und andere Länder würden in nur einem Jahr mehr als die in Deutschland eingesparten Mengen zusätzlich durch neue Kohlekraftwerke emittieren. Da muss man sich doch an den Kopf fassen!
Klar müssten die CO2 Emissionen global reduziert werden. Aber an den Kopf fassen muss man sich deswegen nicht. Lesen Sie doch lieber Kant, die Geschichte mit dem kategorischen Imperativ...
msdelphin 28.11.2014
4. Selbstverpflichtung? Alles klar!
Ist doch toll, wie primitiv die Industrie/Marktwirtschaft immer wieder vorgeht! Wenn alle Appelle an die Verantwortung gegenüber der Mitmenschen und der Umwelt aus Bereicherungsgründen von der Industrie/Wirtschaft völlig ignoriert werden, dann droht der Staat mit Zwangsvorgaben per Gesetz. Wenn das Gesetz akut wird reagiert die Industrie darauf mit freiwilliger Selbstverpflichtung um das Gesetz zu verhindern. Der Staat, als angestellter Diener der Wirtschaft, bedankt sich bei der Industrie mit viel Lob und belohnt sie damit, dass das Gesetz nicht kommt. Die Wirtschaft unternimmt nichts und ändert nichts, ausser das sie die Preise für den Kunden erhöhen mit Hinweis auf die Selbstverpflichtung. In einigen Jahren stellt der Staat dann fest, dass sich nichts geändert hat. Dann geht das Spiel wieder von vorne los und zwar ohne Strafen für die Industrie. Dieses Spiel läuft mindestens seit 50 Jahren immer gleich und der Bürger wird zum Idioten von der Industrie und dem Staat erklärt
ts12345 29.11.2014
5. Vor der eigenen Tür
Zitat von professorAwollen Politiker und Journalisten diesen Schwachsinn noch weiter betreiben? Der deutsche Anteil an allen menschengemachten CO2- Emissionen beträgt 2,4%. Wenn wir alle Kraftwerke, alle Industriebetriebe, unsere Gebäudeheizung und alle Autos stilllegen und unsere Emissionen so auf Null reduzieren, dann wäre ein Effekt auf das Klima auch mit empfindlichsten Geräten nicht messbar. Aber China, die anderen Bric-Staaten und andere Länder würden in nur einem Jahr mehr als die in Deutschland eingesparten Mengen zusätzlich durch neue Kohlekraftwerke emittieren. Da muss man sich doch an den Kopf fassen!
An den Kopf fassen muss ich mich bei dem "Schwachsinn", den sie schreiben. Wenn jeder ihrer Argumentation folgt, passiert gar nichts (haben Sie schon mal was von der Tragik der Allmende gehört?). Jeder muss was tun. Und wir müssen vor unserer Tür kehren.
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