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Seltene Erden in Sachsen: Suche nach dem Schatz von Storkwitz

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Seltene Erden: Der Schatz von Storkwitz Fotos
REUTERS

Tausende Tonnen von Seltenen Erden liegen in Sachsen verborgen. Den Schatz hatten DDR-Bohrtrupps schon in den Siebzigern entdeckt, doch erst jetzt schickt sich eine Firma an, die Hightech-Rohstoffe auch zu fördern - und dem Quasi-Monopolisten China ein Schnippchen zu schlagen.

Storkwitz ist ein ziemlich öder Platz, das dürften die meisten Menschen so sehen. Ein paar Häuser an einer Bundesstraße übers platte Land, dazu Autobahn, Schnellbahnstrecke und riesige Windräder ganz in der Nähe, das war's. Doch Vorsicht mit vorschnellen Urteilen: Auf seine Art ist Storkwitz, ein Ortsteil der nordwestsächsischen Stadt Delitzsch, einer der spannendsten Plätze Europas - wenn man sich für Seltene Erden interessiert.

Und das tun neben Geologen auch immer mehr Manager und Politiker. Denn eine der entscheidenden Zutaten des Hightech-Zeitalters ist zum knappen Gut geworden, seit der Quasi-Monopolist China den Verkauf in den Rest der Welt eingeschränkt hat. Ohne Elemente wie Neodym lassen sich aber keine der Hochleistungsmagnete bauen. Und die braucht man wiederum für Windkraftanlagen und Hybridautos. Für viele der insgesamt 17 Seltenen Erden gibt es ähnliche Beispiele. Deswegen redet seit kurzem alle Welt über die lange kaum beachteten Elemente.

Wie praktisch, könnte also manch einer denken, dass rund 170 Meter unter der Erde von Storkwitz eine geologische Besonderheit beginnt, verborgen unter dicken Lagen von Kies und Sand: Die Seltenen Erden Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym, Europium und Yttrium sowie das Hightech-Metall Niob liegen hier im Boden. Aufgespürt wurden sie schon in den Siebzigern von DDR-Bohrtrupps. Doch der Arbeiter- und Bauernstaat hatte nach Uran gesucht und an dem Überraschungsfund wenig Interesse. Die Deutsche Rohstoff AG aus Heidelberg sicherte sich dann im Jahr 2007 die Erkundungsrechte an dem Vorkommen - und nach jahrelanger Vorarbeit will die Firma nun tatsächlich Ernst mit der Ausbeutung machen.

Ein neugegründetes Tochterunternehmen mit Sitz in Chemnitz sammelt Geld für die Arbeiten. Noch in diesem Jahr soll es eine erste Probebohrung geben. "Seit DDR-Zeiten sind sich die Geologen einig, dass diese Lagerstätte zur Tiefe hin noch deutlich wachsen kann. Dem wird jetzt nachgegangen", sagt Titus Gebel, Chef der Rohstoff AG.

Die Firma hat die alten Erkundungsdaten noch einmal neu bewerten lassen und ein neues Modell der Lagerstätte erstellt. Stimmen die Prognosen, dann liegen unter Storkwitz rund 38.000 Tonnen an Seltenerd-Verbindungen, vielleicht auch mehr. Dazu kämen noch einmal 8000 Tonnen Niob, das für den Bau von winzigen Kondensatoren und für den Korrosionsschutz von Stahl wichtig ist. Damit wäre der Schatz unter Sachsen wohl kein Vorkommen von Weltmaßstab, doch für europäische Verhältnisse ziemlich ordentlich.

Schwierige Geologie, geringe Erzgehalte

Nun soll also im Detail gesucht werden. Er freue sich, "dass wir dieses Projekt praktisch ausschließlich mit Investoren aus Deutschland stemmen konnten", sagt Firmenchef Gebel. Die neue Tochterfirma, die Seltenerden Storkwitz AG, soll nach bisheriger Planung in diesem Jahr in Frankfurt an die Börse gehen. Mit den Ergebnissen der Probebohrung will man dann weiteres Geld von Investoren einsammeln.

Denn nur wenn das Vorkommen von Storkwitz nach einem international anerkannten Rohstoffstandard bewertet ist, öffnen Risikokapitalgeber die Brieftasche. Die alten DDR-Unterlagen helfen da nicht. Auch bei Zinnvorkommen im Erzgebirge hat die Rohstoff AG deswegen alte Untersuchungen noch einmal bestätigen lassen.

Für das Projekt in Storkwitz wird die neue Tochterfirma viel Geld einwerben müssen. Angesichts einer drohenden Wirtschaftskrise ist das nicht selbstverständlich. Zumal es nicht klar ist, ob jemals in Sachsen gefördert wird. Das liegt unter anderem daran, dass die Extraktion und Aufbereitung von Seltenen Erden im Allgemeinen eine aufwendige Angelegenheit sind. Die einzelnen Elemente kommen in den entsprechenden Mineralen nur in geringer Menge vor.

In Storkwitz ist es aber noch einmal besonders wenig: Im Fall des hier gefundenen Minerals Bastnäsit könnte die Konzentration insgesamt bei 0,48 Prozent liegen - auf die einzelnen Elemente entfallen dann jeweils Bruchteile davon. Nur zum Vergleich: Am australischen Mount Weld, wo die Produktion bald starten soll, liegt der Seltenerd-Gehalt im Gestein bei rund zehn Prozent.

Dazu kommt, dass die sächsische Lagerstätte eine Form hat, die manche Geologen höflich als "Herausforderung" bezeichnen. Wie eine Flasche zieht sich das Lager in große Tiefen. Die DDR-Geologen haben bis zu 775 Meter tief gebohrt. Die neuen Rohstoffsucher werden aber wohl weiter gehen müssen. Nur so lässt sich die Beschaffenheit des Vorkommens im Untergrund bestimmen.

Betriebsamkeit auch andernorts

"Unser Hauptaugenmerk gilt der Untersuchung und Erweiterung der Lagerstätte Storkwitz", sagt Bernhard Giessel, Vorstand der Seltenerden Storkwitz AG. Seine Firma werde aber auch "Explorationziele in der Nachbarschaft von Storkwitz anschauen" und "andere Seltenerden-Projekte prüfen". Man habe bereits vereinbart, dass das Probematerial aus Sachsen bei Partnern in Industrie und Forschung zur Entwicklung neuer Aufbereitungstechnologien genutzt wird.

Für manch einen Hersteller von Hightech-Produkten könnte ein Seltenerd-Vorkommen vor der Haustür strategisch interessant sein - wenn sich der Schatz von Storkwitz wirtschaftlich sinnvoll heben lässt. Zuletzt sind die Preise für Seltene Erden wieder gesunken.

Das deutsche Vorkommen könnte dennoch interessant werden, und zwar durch neue Extraktionsverfahren für das Erz. Das hofft jedenfalls Manager Bernhard Giessel: "Weltweit ist aufbereitungstechnisch in den letzten 30 Jahren bei Seltenerden praktisch nichts passiert." Deutschland mit seiner hoch entwickelten Chemie- und Maschinenbauindustrie habe hier "viele Standortvorteile".

Doch auch in anderen Teilen der Welt arbeiten Unternehmen derzeit daran, den Chinesen ihr Monopol bei den Seltenen Erden streitig zu machen - zumal die Verbindungen global gesehen gar nicht so selten sind. Sie sind eben nur aufwendig zu gewinnen. So will der US-Bergbaukonzern Molycorp seine vor rund zehn Jahren stillgelegte Mine im kalifornischen Mountain Pass wieder anwerfen. Im Jahr 2013 könnte es soweit sein.

Und sogar noch etwas eher will die australische Konkurrenz von Lynas in Mount Weld fördern. Und der Autobauer Toyota hofft darauf, von einem Bergbauprojekt nahe der indischen Stadt Chatrapur im Bundesstaat Ganjam mit Seltenen Erden versorgt zu werden.

Es ist also gut möglich, dass die Seltenen Erden aus Sachsen niemals gefördert werden. Dann bliebe in Storkwitz alles, wie es ist. Ziemlich öde.

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1. .
static_noise 10.01.2012
Was ist los... schon wieder ein Aktikel über die? (...ohne wirklich nennenswerten oder neuen Inhalt) Muss der Kurs der AG schon wieder gepusht werden?? Aufstieg einer Start-up-Firma: Rohstoff-Zwerg aus Heidelberg (http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=9088574)
2. ...
KMI 10.01.2012
Heisst es nicht "ein Schnippchen schlagen"? Ein Schnäppchen ist was anderes...
3. Ein Schnäppchen
Bundeskanzler Ackermann 10.01.2012
---Zitat--- und dem Quasi-Monopolisten China ein Schnäppchen zu schlagen. ---Zitatende--- Man jemandem ein Schnippchen schlagen oder aber ein Schnäppchen machen. Manchmal auch beides auf einmal. Aber ich glaube Schnäppchen kann man nicht schlagen...
4. Da passt folgender Spruch sehr gut
celsius234 10.01.2012
Zitat von sysopTausende Tonnen von Seltenen Erden liegen in Sachsen verborgen.*Den Schatz hatten DDR-Bohrtrupps schon in den Siebzigern entdeckt, doch erst jetzt schickt sich eine Firma an, die Hightech-Rohstoffe*auch zu fördern - und dem Quasi-Monopolisten China ein Schnäppchen zu schlagen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,807171,00.html
Der Fuchs ist schlau, er stellt sich dumm. Der Wessi macht es andersrum. 20 Jahre gelebte Ignoranz und Arroganz. Es hat Milliarden gekostet.
5. Habe ich auch gedacht
bolonch 10.01.2012
Zitat von static_noiseWas ist los... schon wieder ein Aktikel über die? (...ohne wirklich nennenswerten oder neuen Inhalt) Muss der Kurs der AG schon wieder gepusht werden?? Aufstieg einer Start-up-Firma: Rohstoff-Zwerg aus Heidelberg (http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=9088574)
Alle Nase lang ein Werbeartikel. Hält da jemand beim Spiegel ein dickes Aktienpaket oder Freundschaftsbande?
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Seltene Erden
Die Seltenen Erden sind eine Gruppe von 17 Metallen, darunter Lanthan, Europium und Neodym. Meist kommen sie am selben Standort, im selben Gestein, vor. Sie werden in kleinen Mengen verwendet, sind aber unverzichtbar unter anderem für die Herstellung von Computern und Computer-Monitoren, DVD-Spielern, leistungsstarken Akkus, Hybrid-Autos, Halbleitern, Handys, Rüstungsgütern und Windturbinen. Autozulieferer nutzen Seltene Erden bei der Herstellung von Elektromotoren. Die größten Verbraucher Seltener Erden sind China, Japan und die USA, die eine starke Technologiebranche haben. Wegen der zunehmenden Bedeutung der Umwelttechnologien wird mit einem steigenden Bedarf gerechnet. Der mit Abstand größte Produzent ist China. Im Jahr 2008 wurden dort 120.000 Tonnen gefördert, das waren 97 Prozent der weltweiten Menge. China exportierte gut 30.000 Tonnen.
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