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Wildtier-Aufnahmen aus der Serengeti: In die Fotofalle getappt

Fotos aus der Serengeti: Schöne, brutale Wildnis Fotos
SnapshotSerengeti

1,2 Millionen Aufnahmen von Fotofallen aus der Serengeti haben Forscher ausgewertet. Die Bilder zeigen die Schönheit der Tierwelt in Tansania, aber auch die Brutalität der Wildnis in besonderer Authentizität.

Nah, näher, klick: Tausende Male sind Tiere der Serengeti in den vergangenen Jahren in Fotofallen getappt. Viele Bilder sind unglaublich niedlich, andere Zeugnis erbitterter Kämpfe. Insgesamt haben Wissenschaftler zusammen mit 28.000 freiwilligen Helfern rund 1,2 Millionen Aufnahmen ausgewertet und in einer Datenbank katalogisiert. Davon sind auf über 300.000 Bildern Tiere zu sehen, die übrigen sind Fehlschüsse.

Die Vielfalt der Bilder ist immens: Ein Zebrafohlen stakst auf die Kamera zu, ein Vogel beschnäbelt den seltsamen Kasten, auf dem Rücken eines Löwen läuft Blut aus einer frischen Wunde, ein Hyäne zerrt Beute vorbei. Auch stimmungsvolle Aufnahmen von durch die Savanne galoppierenden Gnus vor einem aufsteigenden Heißluftballon oder Elefantenherden im Abendlicht sind zu sehen. Die besten Aufnahmen zeigen wir in einer Bilderstrecke (hier lang).

40 Arten auf 322.000 Bildern

Entstanden sind die Bilder zwischen 2010 und 2013 in einem 1125 Quadratkilometer großen Gebiet des Serengeti-Nationalparks in Tansania, in dem 225 Kamerafallen aufgebaut sind. Auf den über 322.000 Bildern, auf denen Tiere zu sehen sind, haben die Forscher und ihre Helfer etwa 40 verschiedene Arten identifiziert.

Darunter waren auch ungewöhnliche Spezies wie Erdwolf, Honigdachs und Zorilla (ein marderähnliches Raubtier). Die übrigen der gut eine Million Aufnahmen seien Fehlschüsse gewesen, ausgelöst etwa durch hohe Temperaturen oder Pflanzen in der Umgebung, berichten Alexandra Swanson von der University of Minnesota in Minneapolis und Kollegen im Fachmagazin "Scientific Data". Die Fotofallen nutzen unter anderem Infrarotsignale, um Bewegung vor der Linse zu erkennen und eine Aufnahme auszulösen.

Um Fehler zu vermeiden, haben jeweils mehrere Helfer die Bilder begutachtet und beispielsweise Art, Zahl der Tiere und ihr Verhalten dokumentiert. Auch, ob es Jungtiere gab, erfassten die Beobachter.

Revolution der Verhaltensforschung

Der Serengeti-Nationalpark gehört mit knapp 15.000 Quadratkilometern Fläche zu den größten Nationalparks der Welt, 1981 wurde er zum Weltnaturerbe erklärt. Sein Name bedeutet in der Sprache der örtlichen Massai so viel wie "endlose Ebene". Rund 90.000 Besucher aus aller Welt kommen jährlich in die Region.

Berühmt ist vor allem die große Tiermigration: Jedes Jahr wandern rund zwei Millionen Zebras, Gnus und andere Antilopen von der Serengeti in Tansania in das Masai-Mara-Gebiet in Kenia. Der deutsche Naturschützer Bernhard Grzimek hatte die Massenwanderung bereits 1959 in seiner oscargekrönten Dokumentation "Serengeti darf nicht sterben" festgehalten.

Auch die Forscher der aktuellen Studien wollen ihre Datenbank zum Schutz des Ökosystems nutzen. Sie hoffen, Veränderungen in der Savanne nun besser dokumentieren zu können.

Kamerafallen hätten in den vergangenen 20 Jahren die Verhaltensforschung revolutioniert, so die Forscher. Anfangs seien sie vor allem genutzt worden, um in Schutzgebieten sehr seltene Tiere nachzuweisen. Inzwischen gebe es immense Mengen solcher Aufnahmen und die Herausforderung sei, diese über Algorithmen sinnvoll auswerten zu können. Mit solchen Analysen lasse sich dann die dynamische Entwicklung eines Ökosystems in vielen Facetten nachvollziehen.

jme/dpa

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1.
skade 10.06.2015
als bei den Löwen jagen oftmals auch die Männchen, es gibt sogar Rudel da jagen vorwiegend die Männchen. Tiere Vermenschlichen zu wollen "Weibchen jagen während die Männchen auf der faulen Haut liegen" ist wie immer falsch!
2. Wie wäre es denn...
fatherted98 10.06.2015
...mit Solargetriebenen Web Cams die die Bilder direkt ins Netz einspeisen....wie man hört gibt es genug Mobilfunkmasten in Schwarzafrika...da hat fast jeder ein Handy...und wir könnten dann life die Tierwelt beobachten um keiner müsste mehr auf Safari gehen.
3. Tierfotofalle
Pränki 10.06.2015
Exzelente Fotos! Gefällt mir dieses Prinzip und das Wissen, dass es diese Tiere noch gibt. Hoffentlich bleibt deren Fortbestehen.
4.
drittschuldner 10.06.2015
Ich verstehe die Betonung der "brutalen Wildnis" nicht. Da sieht man auf drei der aus 1,4 Millionen ausgewählten Bildern eben Raubtiere die Fleisch (von sogar bereits toter Beute) fressen und einen extra herangezoomten Ausschnit von einem Kratzer bei einem Löwen. Typische Naturhetze von Medien die ablenken um die eigentliche Brutalität auf diesem Planeten auszublenden, nämlich die lebenslange Einkerkerung von mittlerweile über 30 Milliarden Vögeln und Säugetieren in den fensterlosen Hallen der perversen Massenhaltung. Das ist richtige Brutalität und Grausamkeit.
5. Serengeti & Co
genutztername 10.06.2015
Immer wieder die gleichen Statisten. Löwe, Leopard, Gepard - Elefant, Nashorn - Gnu (+deren Wanderschaft), Antilopen, Gazellen und Giraffen - und ab und zu ein paar Paviane oder Meerkatzen. Es gibt wohl kaum ein Gebiet das sich besser eignet um spektakuläre Fotos und Filme über Großwild zu drehen. Warum? Weil es relativ einfach ist, sich diesem Wild mit Jeeps zu nähern ohne dass diese mißtrauisch werden, weil sie sich durch die Safari-Touristenschwemme schon lange an das Verkehrsaufkommen in den Nationalparks Tanzanias und Kenias gewöhnt haben. Aus diesem Grund sind es immer wieder die gleichen Bilder, die wir aus Afrika zu Gesicht bekommen, wenn es um die dort heimische Tierwelt geht. Dabei beheimatet Afrika so viel mehr und vor allem auch so viele interessante Arten, die es Wert wären darüber visuell zu berichten. Einfach mal den Blickwinkel etwas ändern, ein anderes Objektiv benutzen und dann mal Bäume, Büsche und den Boden absuchen... Oder einfach mal das Gebiet wechseln. In Afrika gibt es mehr als nur die Savanne. Und im Dschungel gibt es mehr Arten als nur Gorillas und Schimpanzen.
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