Sex für Beute Affen tauschen Futter gegen Fleischeslust

Warum teilen männliche Tiere Jagdbeute mit Weibchen? Bei Affen glauben Forscher eine Antwort gefunden zu haben: Sie haben öfter Sex, wenn sie regelmäßig den Weibchen Essen abgeben. Jetzt wollen die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse auf menschliche Jäger und Sammler übertragen.


Leipzig - Wissenschaftler hatten bislang keine Antwort auf die Frage, wieso Schimpansen-Männchen ihre Beute mit Weibchen teilen. Jetzt aber scheint die Erklärung gefunden: Beide Seiten gehen eine Art Tauschgeschäft "Fleisch gegen Sex" ein, wie Primatenforscher vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im Tai-Nationalpark an der Elfenbeinküste beobachtet haben.

Während einer insgesamt 3000 Stunden langen Beobachtung einer Schimpansengruppe habe es 90 derartige Tauschgeschäfte gegeben, schreiben Cristina Gomes und Christophe Boesch im Fachblatt "PLoS ONE" (Bd. 4, e5116). "Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass freilebende Schimpansen Fleisch gegen Sex tauschen, auch über einen längeren Zeitraum", sagt Gomes. Männchen, die nie von ihrer Beute abgaben, gingen dagegen leer aus.

Besonders interessant ist der Umstand, dass erfolgreiche Jäger nicht nur auf den kurzfristigen Nutzen schielen und ausschließlich die Weibchen versorgen, die gerade fruchtbar sind. Selbst wenn der letzte Sex mit einem Weibchen schon längere Zeit zurücklag, verhielten sich viele Männchen großzügig.

Wer seine Nahrung mit Weibchen teilte, verdoppelte demnach seinen Paarungserfolg. "Weibchen, denen es schwerfällt, selbst zu jagen, können ihre Kalorienaufnahme erhöhen, ohne sich dem hohen Energieverbrauch und Verletzungsrisiko einer Jagd auszusetzen", so Gomes. "Es gibt mehr und mehr Hinweise darauf, dass Schimpansen auch Vergangenheit und Zukunft in ihr Denken einschließen und dass dies ihr Verhalten in der Gegenwart bestimmt", ergänzte Boesch. "Die Ergebnisse unserer Studie werden einen Einfluss auf das haben, was wir heute über die Beziehungen zwischen Männern und Frauen wissen."

Die Forschung werde künftig herauszufinden versuchen, ob es auch bei menschlichen Jäger- und Sammlergesellschaften einen Zusammenhang zwischen dem Ernährungsvorteil, den Frauen von männlichen Jägern erhalten, und dem Fortpflanzungserfolg besonders guter Jäger gebe.

Schottische Forscher hatten im westafrikanischen Guinea bereits beobachtet, dass wildlebende Schimpansen-Männchen begehrte Früchte von Feldern oder aus Gärten stibitzten, um ihrer Herzensdame mit diesem Geschenk zu imponieren. Daraufhin pflanzten sie sich zeitweise sogar erfolgreicher fort als das Alphamännchen der beobachteten Gruppe, wie Forscher um Kimberley Hockings von der Universität Stirling ebenfalls in "PLoS ONE" berichtet hatten. Wagemutiges Verhalten sei offenbar ein von den Weibchen hochgeschätzter Charakterzug. Der Besitz begehrter Früchte wie zum Beispiel Papayas verstärke die Attraktivität des jeweiligen Männchens zusätzlich.

chs/dpa/AFP/AP/ddp

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