Sexy Ausstrahlung Spinnen flirten ultraviolett

Bei einem heißen Flirt passiert so manches, was Umstehenden verborgen bleibt - besonders wenn Springspinnen beteiligt sind. Forscher haben jetzt die geheimen Signale entdeckt, mit denen die Tiere turteln - und wie man sie ärgern kann, indem man das Licht ausknipst.


Die richtige Ausstrahlung soll beim Flirten hilfreich sein. Für Spinnen gilt das durchaus wörtlich: Wenn das Männchen nicht ordentlich strahlt oder das Weibchen die Signale nicht zurückschickt, läuft zwischen den Gliederfüßern rein gar nichts. Zumindest trifft das für Springspinnen der Art Cosmophasis umbratica zu, wie Biologen jetzt in Experimenten herausgefunden haben: Die Tiere turteln mit ultraviolettem Licht.

Im Tierreich gibt es zahlreiche Beispiele für Kommunikation mit UV-Licht, die Menschen mangels geeigneten Sehsinns verborgen bleibt. Schließlich ist ein Primat nicht wie eine Springspinne mit vier Augen gesegnet. Zwar würde das den Sehsinn des Menschen eventuell in den UV-Bereich erweitern, der Reproduktion wäre das aber wohl eher hinderlich.

Nicht so bei den Springspinnen: Blockiert man die UV-Signale zwischen Männchen und Weibchen, kommt es nicht einmal mehr zu einem ordentlichen Vorspiel, geschweige denn zum Sex. Der Verdacht beschlich Matthew Lim von der Nationaluniversität Singapur und seine Kollegen schon vor einem Jahr, als sie Springspinnen etwa vor den Spiegel setzten und das UV-Licht aus der Umgebung wegfilterten: Die Männchen begannen, mit ihrem eigenen Spiegelbild zu schäkern.

Jetzt haben Lim und seine Kollegen Ähnliches mit Männchen und Weibchen versucht. Sie sperrten ihre Spinnen in benachbarte Glaskästen, um alle Arten der nichtvisuellen Kommunikation, wie etwa Gerüche und Geräusche, zu unterbinden. Dann manipulierten sie die Lichtverhältnisse: Saßen Männlein und Weiblein im vollen Lichtspektrum, das einen großen UV-Anteil enthält, begannen sie umgehend mit dem Flirt. Die Männchen hoben ihr Hinterteil an, bogen ihre Beine und ließen ihre Fühler vibrieren. Die Weibchen reagierten mit angezogenen Beinen, einem nach unten gebogenen Hinterleib oder liefen neckisch einige Schritte davon - taten also alles, was Biologen vom normalen Spinnen-Flirt kennen.

Knipsten die Wissenschaftler aber das UV-Licht aus, war es aus mit der Romanze: Die Weibchen drehten sich weg oder wirkten betont lustlos, sie ließen einige ihrer Verhaltensmuster einfach weg. Auch die Männchen zeigten herzlich wenig Interesse an Weibchen, die partout nicht fluoreszieren wollten.

Um ganz sicher zu gehen, dass die Unlust nicht andere Gründe hatte, haben die Forscher abwechselnd die Männchen und die Weibchen in UV-Licht getaucht. Das Ergebnis war eindeutig, wie Lim und seine Kollegen im Fachblatt "Science" schreiben: Saßen nur die Männchen im UV-Licht, konnten die Weibchen offenbar das Leuchten der UV-reflektierenden Flecken auf dem Körper und im Gesicht der Männchen sehen und begannen prompt mit ihrem Balzverhalten. 16 der 20 getesteten Männchen aber blieben stur: Da ihr Gegenüber nicht ultraviolett bestrahlt wurde und folglich nicht sexy leuchtete, liefen die Annäherungsversuche ins Leere.

Umgekehrt geschah das Gleiche: Die Männchen umgarnten die bestrahlten Weibchen, doch nur zwei von zehn reagierten auf die Avancen der unbeleuchteten Freier. Lim und seine Kollegen sind sicher: "Die sexuelle Färbung ist wichtig für das Balzverhalten."

mbe

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