Innovatives Abkommen Seychellen schützen gigantisches Meeresgebiet im Indischen Ozean

Ein Gebiet so groß wie Großbritannien: Dank eines einzigartigen Schuldentauschs wird künftig ein Drittel der Gewässer der Seychellen zum Meeresschutzgebiet. Auch Leonardo DiCaprio war an dem Projekt beteiligt.

Indischer Ozean vor den Seychellen
The Ocean Agency/AP

Indischer Ozean vor den Seychellen


Der Inselstaat Seychellen wird ein Meeresschutzgebiet von der Größe Großbritanniens einrichten. Es soll rund ein Drittel der Gewässer des Landes im Indischen Ozean umfassen. Damit soll die einzigartige Artenvielfalt langfristig geschützt werden. Hintergrund ist ein weltweit wohl einzigartiger Deal - ein Schuldentausch, bei dem eine Umweltschutzorganisation Gläubigern des Landes die Schulden abgekauft hat.

Zu dem Meeresschutzgebiet gehört zum einen das Aldabra-Atoll, das Unesco-Weltnaturerbe und ökologisch gleichbedeutend mit den Galapagos-Inseln ist. Dort gibt es die weltweit größte Population an Riesenschildkröten, dazu vom Aussterben bedrohte Seekühe und etliche weitere seltene Arten. Zuletzt hatten Überfischung und der Klimawandel dem Atoll stark geschadet. Große Teile der Korallen sind laut "Guardian" ausgeblichen. Künftig ist jegliche menschliche Aktivität in den Gewässern um Aldabra untersagt. Dazu gehören Fischerei und Ölbohrungen.

Der zweite große Teil des Schutzgebiets umfasst die Gewässer um die Hauptinseln der Seychellen. Dort müssen alle Aktivitäten, darunter auch der Tourismus, auf ein umweltverträgliches Maß reduziert werden.

Am Mittwoch verabschiedete die Regierung der Seychellen, zu denen 115 Inseln gehören, ein entsprechendes Gesetz. Insgesamt umfasst das neu geschaffene Meeresschutzgebiet mehr als 210.000 Quadratkilometer. Bis 2021 soll der Plan umgesetzt werden. Bislang waren nur 0,04 Prozent der Gewässer des Landes geschützt.

"Unsere großen Wassergebiete bergen viele Möglichkeiten, aber auch Verantwortung", sagte Danny Faure, Präsident der Seychellen. Mit einem durchdachten Umweltschutz könne das Land seine Bürger und ihre Lebensgrundlage gegen eine unsichere Zukunft schützen.

Das Abkommen mit den Gläubigern des Inselstaates wurde von der US-Umweltschutzorganisation The Nature Conservancy (TNC) vermittelt. Bereits 2016 hatten sich die Seychellen mit THC und ihren Gläubigern Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien darüber verständigt, dass die Umweltschutzorganisation einen Teil der Schulden des Landes übernimmt - rund 22 Millionen US-Dollar. Die Seychellen müssen ihre Schulden zwar bei einer von der THC neu eingerichteten Stiftung begleichen, aber zu deutlich niedrigeren Zinsen und über einen längeren Zeitraum. Dadurch sind weitere zwölf Millionen Dollar in den kommenden 20 Jahren frei geworden, die in weitere Umwelt-, Meeres- und Artenschutzprojekte fließen werden.

Zudem sammelte die TNC Spenden in Höhe von fünf Millionen Dollar, um einen Teil der Schulden direkt abzubezahlen. Leonardo DiCaprio spendete mit seiner Stiftung eine Million Dollar. "Diese Anstrengung wird den Bürgern der Seychellen helfen, ihren Ozean für künftige Generationen zu beschützen", sagte der Schauspieler und Aktivist laut BBC, "und sie wird als Modell für weitere Projekte in der ganzen Welt dienen."

Weiterer Vertrag mit der Weltbank steht vor dem Abschluss

Auf dem Höhepunkt ihrer Schuldenkrise in den späten Nullerjahren waren die Seychellen eines der meist verschuldeten Länder der Welt. Laut Weltbank betrugen die Staatsschulden zwischenzeitlich knapp eine Milliarde Dollar. Heute belaufen sie sich laut dem Finanzministerium des Landes auf weniger als die Hälfte davon.

Die seychellische Regierung profitiert bereits von dem Schuldentausch. Ein separater Darlehensvertrag mit der Weltbank, durch den der Übergang zu nachhaltiger Fischerei finanziert werden soll, befindet sich kurz vor dem Abschluss. "Die Seychellen sind Vorreiter im umweltverträglichen Umgang mit ihren Meeresgewässern", sagte ein Mitarbeiter der Weltbank.

Kritiker monieren allerdings, dass das Meeresschutzgebiet die Lebensgrundlage vieler Menschen, besonders die der Fischer, stark einschränken könnte.

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insgesamt 5 Beiträge
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Bernie74 23.02.2018
1.
ich gehe jetzt natürlich davon aus, dass für die Sicherheit dieses Schutzbebietes nur sanfter Tourismus mit einer begrenzten Anzahl an Touristen zugelassen wird. Also keine Pauschalflugreisen.
vulcan 23.02.2018
2.
Feine Sache der Umweltorganisation aus den USA. So macht man das - sinnvoll und konsequent. Alle gewinnen. Für die Fischer wird man sich notfalls noch etwas einfallen lassen müssen, aber das kann kein so großes Problem sein, denke ich und solche Dinge dürfen daran auch nicht scheitern. Gefällt mir.
Balthasar1 23.02.2018
3. Meine Seele lacht
Ich habe viele Teile dieser Erde bereist. Die Seychellen waren nicht zu toppen. Es war der größte Fehler in meinem Leben, nicht dorthin zu ziehen - und dabei zu helfen, dieses Paradies zu schützen. So wie es sich nun liest, geht es auch ohne mich. Vielleicht werden diese Inseln das einzige Rückzugsgebiet auf dieser Erde sein, wenn aus diesem dahinsiechenden Erdball ein Planet der Affen geworden ist. "Planet der Affen" war einer der wenigen guten Filme des dekadenten Amerika.
go-west 23.02.2018
4. Zitat:
“Kritiker monieren allerdings, dass das Meeresschutzgebiet die Lebensgrundlage vieler Menschen, besonders die der Fischer, stark einschränken könnte.” Ja genau liegt das Hauptproblem. Was dringend eingeschränkt werden muss, ist die Ausbreitung der Spezies Homo Sapiens. Wenn sie einmal vermehrt wurde, erhebt sie den Anspruch, eine Lebensgrundlage haben zu wollen, oft auch auf Kosten der Natur.
ralf_radtke-pikl 24.02.2018
5. Seychellen
Als mehr oder weniger ständiger Besucher der Seychellen, seit 2007 regelmässig, bewundere ich die Energie die dieses Land für den Umweltschutz aufbringt. Davon könnte sich Deutschland mal eine Scheibe abschneiden. Dass die Seychellen versuchen, als Touristenziel des gehobenen Sektors, viel Geld dadurch zu erwirtschaften, hat aber auch seltsame Auswüchse wie zum Beispiel Angelfahrten von reichen Touristen, meist Russen, die sich dann mit den erlegten Schwertfischen ablichten lassen wie andere in Afrika mit Löwen oder Nashörnern. Ich hoffe, dass solche Aktionen mit diesem neuen Schutzgebiet vielleicht auch mal entfallen. Und Nein, ich reise nicht dorthin um in First-Class-Hotels zu wohnen, ich betreibe Selfcatering und lebe meist bei einheimischen Vermietern in Appartements.
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