Elfenbein im Permafrostboden Die Mammutgräber von Sibirien

In der Wildnis Russlands liegt ein Schatz verborgen: Millionen Mammutstoßzähne, von der Kälte konserviert. Die Suche nach dem Elfenbein ist gefährlich - doch der Verkauf extrem lukrativ.

Amos Chapple/ RFE/ RL

Hunderte, wenn nicht Tausende Männer streifen durch die Wälder Sibiriens, auf der Suche nach Überresten der längst ausgestorbenen Mammuts. Denn für die Stoßzähne der Riesen werden hohe Preise bezahlt, vor allem in China. Der Fotograf Amos Chapple gibt einen Einblick in die raue Welt der Mammutjäger - mitten in der Einöde Jakutiens.

Seit die meisten Bergwerke und Fabriken aus der Sowjetära geschlossen wurden, bleiben den Einwohner im Nordosten Russlands nicht viele Einnahmequellen. Wer Arbeit findet, muss mit einem Durchschnittsgehalt von meist unter 500 Euro leben. Mammutstoßzähne sind da ein Hoffnungsfunke für die Region, ihr Fund ein großes Geschäft: Zehntausende Euro kann ein einzelnes Exemplar wert sein.

Mammuts starben bereits vor über 10.000 Jahren aus, für gewöhnlich zerfallen Knochen und Stoßzähne schon nach kurzer Zeit. Doch die Kälte Sibiriens konservierte die Überreste für Tausende Jahre - bis heute.

Unter den Jakuten hat es sich herumgesprochen, welches Vermögen im Permafrostboden ihres Landes liegt. Jedes Jahr steigt die Zahl der Männer, die das prähistorische Material finden wollen. Chapple hat im Auftrag von Radio Free Europe/Radio Liberty sechs von ihnen auf der Jagd nach Mammut-Elfenbein begleitet.

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12  Bilder
Mammutstoßzähne: Schatz im sibirischen Boden

Chapple zeigt die Methoden der Elfenbeinjäger - wie sie versuchen, an die Knochen zu gelangen und wie sich das auf die Umwelt auswirkt: Mit leistungsstarken Hochdruckpumpen spritzen die Männer Wasser in die Erde und graben metertiefe Löcher. Eine einfache Methode, die aber sowohl die Landschaft, als auch die Flüsse zerstört: Erdhänge lösen sich, das verschlammte Wasser fließt in die Flüsse.

Und das geht zulasten der Natur: Zurück bleibt eine verwüstete und ausgeplünderte Landschaft. Der Handel mit den Mammutstoßzähnen ist zwar legal, doch die Methoden bei der Suche sind es häufig nicht. Die Männer müssen sich daher immer wieder vor der Polizei verstecken. Chapple durfte sie nur unter der Auflage fotografieren, keine Namen und Orte zu nennen.

Die Mammutjäger investieren viel Geld in die Ausrüstung, nehmen sogar Kredite auf - häufig finden sie trotzdem nur wenige oder wertlose Knochen. Sie leben monatelang entfernt von ihrer Familie, leiden an Kälte und Hunger: "Ich weiß, es ist schlecht, aber was soll ich machen? Ich habe viele Kinder", sagte einer der Männer zu Chapple.

China ist der weltweit größte Markt für Elfenbein, die Nachfrage unerschöpflich. Ein Großteil der Mammutstoßzähne landet dort. Dass der Handel mit Elefantenelfenbein bis Ende 2017 auch dort komplett verboten werden soll, befördert das Geschäft mit Mammut-Stoßzähnen - sie dienen als Ersatz.

Vermutlich warten noch unzählige Reste der wollhaarigen Riesen im Permafrostboden - doch sie zu finden, wird immer schwieriger. Und das liegt nicht nur an der zunehmenden Konkurrenz: Die oberen Erdschichten sind zu großen Teilen abgegrast. Wer den Schatz finden will, muss tiefer graben.

Die komplette Fotogeschichte finden Sie auf Radio Free Europe/Radio Liberty.



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