Siebenschläfer Höhensturm entscheidet das Sommerwetter

Hitze über Deutschland am Siebenschläfertag - kündigt sich ein Sonnensommer an? Gebannt verfolgen Meteorologen eine Luftströmung in großer Höhe, die die Witterung bis zum August bestimmen könnte. Entscheidend wird wohl ein Tag in der kommenden Woche.

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Auch Meteorologen schauen heute am Siebenschläfertag in den Himmel. Alte Bauernregeln, die den 27. Juni zum Entscheidungstag für das Sommerwetter erheben, haben einen wahren Kern: "Wie das Wetter am Siebenschläfertag, es sieben Wochen bleiben mag", lautet eine Bauernregel. Eine andere heißt: "Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet's ganze sieben Wochen". Die langjährige Wetterstatistik zeigt, dass die Regel in Süddeutschland in zwei von drei Sommern zutrifft; im Norden hingegen sollte man das Sommerwetter eher ein paar Tage später vorhersagen.

Ende Juni, Anfang Juli festigt sich die Witterung. Die Wetterküche liegt in mehr als acht Kilometern Höhe, dort schießen Winde - sogenannte Strahlströme - mit 500 Kilometern pro Stunde aus den Subtropen nach Norden. Der Luftstrom gleicht Unterschiede im Luftdruck aus. Er steuert das Wetter am Erdboden, lenkt Hoch- und Tiefdruckgebiete.

Je weiter nördlich der Höhensturm weht, desto stabiler wird das Hochdruckwetter in Mitteleuropa gewöhnlich. Derzeit zieht der Strahlstrom über Skandinavien, wie aktuelle Karten zeigen - die Aussichten auf einen sonnigen Sommer scheinen demnach gut. "Verlagert sich der Strahlstrom aber wieder nach Süden, droht ein feuchtkühler Sommer", sagt Thomas Ruppert vom Deutschen Wetterdienst DWD.

Wechselhaftes Wetter

Entscheidend für das Sommerwetter sind die kommenden Tage - das zeigt die langjährige Wetterstatistik: Je mehr es in den letzten fünf Junitagen regne, desto nasser werde der Juli, berichtet Gerhard Müller-Westermeier vom DWD. Den Wetterdaten zufolge lasse sich eine moderne Bauernregel für Deutschland aufstellen - Siebenschläfer liege demnach am 8. Juli: Herrsche um diesen Tag herum Hochdruck, folgten meist regenarme Hochsommer. Das Gegenteil gelte ebenfalls: "Ist es um den 8. Juli herum regnerisch, so herrscht auch von Mitte Juli bis Mitte August oft Regenwetter."

Die Statistik bestätigt damit die Siebenschläfer-Regel, schließlich hatte die Gregorianische Kalenderreform 1582 die Tage nach hinten verschoben - mit ihnen den Siebenschläfer. Nicht nur aus meteorologischer Sicht, sondern auch aufgrund der Bauernregel liegt der Entscheidungstag fürs Sommerwetter also Anfang Juli.

Demnach ist noch nichts entschieden: Noch ringen kalte Polarluft und warme Luftmassen vom Mittelmeer um die Vorherrschaft - wer gewinnt, entscheiden die Strahlströme in großer Höhe. Die derzeitige Hitze werde bereits am Mittwoch von wechselhaftem Wetter abgelöst, sagt der DWD voraus. Auch die Aussichten für Anfang nächster Woche sind nicht hochsommerlich.

Warmer Sommer

Weitere Aussichten sind nicht möglich: Wie sich Luftmassen verändern, ist letztlich vom Zufall abhängig - kleine Verwirbelungen können sich zu mächtigen Luftströmungen entwickeln, oder sie verschwinden. Kein Supercomputer, kein Satellit kann die Luftbewegungen vorhersehen.

Dennoch erstellen Wetterdienste grobe Prognosen ein halbes Jahr im Voraus. Zugrunde liegt die Erkenntnis, dass Erdboden und Ozeane einen Wettertrend konservieren können: Wärme bleibt in ihnen gespeichert. Der Deutsche Wetterdienst rechnet in seiner Jahreszeitenprognose mit einem warmen Sommer. Der Sommer werde mit "75 Prozent Wahrscheinlichkeit" wärmer ausfallen als im Durchschnittssommer des Vergleichszeitraums 1961 bis 1990.

Die Prognose ist jedoch nicht viel wert, schließlich lässt die Temperatur kaum Rückschlüsse auf die Witterung zu. Auch die langfristige Entwicklung des Niederschlag lässt sich nicht vorhersagen. Für eine Prognose ist es also wohl am besten, den 8. Juli abzuwarten, wenn sich das Sommerwetter am ehesten entscheidet.



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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
ugt 27.06.2011
1.
Zitat von sysopHitze über Deutschland am Siebenschläfertag - kündigt sich ein Sonnensommer an? Gebannt verfolgen Meteorologen eine Luftströmung in großer Höhe, die die Witterung bis zum August bestimmen könnte. Entscheidend wird wohl ein Tag in der kommenden Woche. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,770736,00.html
Global Klimaerwärmung, millionen von Toten ( Fliegen )? Wo bleiben die Weltuntergangspropheten?
rondon 27.06.2011
2. soso
das Wetter wird vielleicht schön...sollen wir nun alle hoffen und bangen dass die Sonne scheint? Hier 10 Strategien um die Gesellschaft zu manipulieren nach Noam Chomsky: http://le-bohemien.net/2011/06/16/10-strategien-die-gesellschaft-zu-manipulieren/
Umbriel 27.06.2011
3. jupp
" Kein Supercomputer, kein Satellit kann die Luftbewegungen vorhersehen." Was für alle Klimaprognosen gilt.
fritz_64 27.06.2011
4. hmmm...
---Zitat--- Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sichs Wetter- oder es bleibt wie es ist. Kräht der Hahn auf dem ..... ---Zitatende--- lassen wir uns einfach überraschen...ändern können wir es eh nicht...
Schroekel 27.06.2011
5. Schön...
Zitat von sysopHitze über Deutschland am Siebenschläfertag - kündigt sich ein Sonnensommer an? Gebannt verfolgen Meteorologen eine Luftströmung in großer Höhe, die die Witterung bis zum August bestimmen könnte. Entscheidend wird wohl ein Tag in der kommenden Woche. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,770736,00.html
... dass uns ein paar alltägliche Dinge bleiben, die nicht irgendein Supercomputer vorhersagen kann, sondern für die offenbar durchaus kluge Leute einfache Bauernregeln nutzen, die so ähnlich klingen wie moderne Kaffeesatzleserei.
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