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Sklaverei-Vorwurf: Tierschützer machen Orcas zu Klägern vor Gericht

Die Haltung von Meeressäugern in Aquarien und Delfinarien ist seit langem umstritten. In den USA haben sich Tierschützer jetzt etwas Neues einfallen lassen: Ein Anwalt vertritt fünf Orcas vor Gericht - und lässt sie wegen Sklaverei klagen.

Rechtsstreit: Werden Orcas wie Sklaven gehalten? Fotos
AP

San Diego - Die Gerichte in den USA ticken etwas anders als hierzulande. Wer sich an einem Kaffeebecher verbrüht, kann schon mal eine saftige Entschädigung einklagen, wenn nicht ausdrücklich vor dem heißen Getränk gewarnt wurde. Die Tierschutzorganisation Peta versucht nun durchzusetzen, dass Tiere denselben Schutz durch die US-Verfassung bekommen wie Menschen. Konkret geht es um den Vorwurf der Sklaverei.

Am Montag hat Bundesrichter Jeffrey Miller zumindest schon einmal die Argumente der Peta-Anwälte entgegengenommen. Die Anhörung an einem Bundesgericht in San Diego (US-Staat Kalifornien) war angesetzt worden, nachdem der Aquariumsbetreiber Sea World verlangt hatte, die Klage abzuweisen. Die Peta-Anwälte hatten die Namen von fünf Orcas aus Aquarien in San Diego und Orlando (US-Staat Florida) als Kläger angegeben. Sie müssten in Tanks leben und würden wie Sklaven behandelt. Täglich zwinge man sie zu Vorführungen. Peta argumentiert, die amerikanische Verfassung müsse Tiere ebenso vor Sklaverei schützen wie Menschen.

"Dieser Fall ist ganz nahe an den Bürgerrechten", erklärte Peta-Anwalt Jeffrey Kerr, der die fünf Orcas vertritt. Theodore Shaw, der von Sea World engagierte Anwalt, bezeichnete das Verfahren als Zeit- und Ressourcenverschwendung für das Gericht. Es widerspreche der 125-jährigen Rechtsgeschichte, wenn der Sklaverei-Artikel auch auf Tiere angewandt werde. "Weder Orcas noch andere Tiere wurden eingeschlossen in der Präambel 'Wir, das Volk…', als die Verfassung angenommen wurde", so Shaw.

"Das ist ein historischer Tag"

Richter Miller nahm sich eine Stunde Zeit, um die Argumente beider Seiten anzuhören. Danach erklärte er, er werde erst später darüber entscheiden. Miller äußerte allerdings Zweifel, ob ein Gericht Tiere als Kläger akzeptieren kann. Peta-Anwalt Kerr feiert das Verfahren dagegen schon jetzt als großen Erfolg: "Das ist ein historischer Tag." Zum ersten Mal in der Geschichte der USA habe ein Bundesgericht sich Argumente darüber angehört, ob Lebewesen als Sklaven zu betrachten seien, auch wenn sie keine Menschen seien.

Vorführungen von Meeressäugern sind seit langer Zeit international umstritten. Viele Menschen lieben die Auftritte von Delfinen oder Orcas, die durch Reifen springen oder Bälle auf der Nase balancieren. Tierschützer aber kritisieren die Haltung der intelligenten Säugetiere in Gefangenschaft - weil Wale und Delfine nach ihrer Ansicht in künstlichen Becken nicht artgerecht leben können. Außerdem sei ihre Lebensspanne erheblich kürzer als in Freiheit.

Delfinarien gibt es in rund 60 Staaten der Welt. In deutschen Zoos gibt es drei Anlagen - in Münster, Duisburg und Nürnberg. Gegen die neue Delfinlagune in Nürnberg hatten Tierschützer 2011 heftig protestiert - allerdings ohne Erfolg.

hda/AP

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1. Ich
Schiebetürverriegler 07.02.2012
Zitat von sysopDie Haltung von Meeressäugern in Aquarien und Delfinarien ist seit*langem umstritten. In den USA haben sich*Tierschützer jetzt etwas Neues einfallen lassen:*Ein Anwalt vertritt*fünf Orcas*vor Gericht - und lässt sie wegen Sklaverei klagen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,813808,00.html
wünschte, diese "Tierschützer" würden bedürftigen und rechtlosen Menschen mehr Interesse widmen, als solch eine dekadente Farce aufzuführen.....
2. wie albern!
eskommt 07.02.2012
Zitat von sysopDie Haltung von Meeressäugern in Aquarien und Delfinarien ist seit*langem umstritten. In den USA haben sich*Tierschützer jetzt etwas Neues einfallen lassen:*Ein Anwalt vertritt*fünf Orcas*vor Gericht - und lässt sie wegen Sklaverei klagen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,813808,00.html
Ob man Orcas mal fragen sollte, wie man an eine Greencard kommt?
3. Amerikanische Idoterie
aquarelle 07.02.2012
Zitat von sysopDie Haltung von Meeressäugern in Aquarien und Delfinarien ist seit*langem umstritten. In den USA haben sich*Tierschützer jetzt etwas Neues einfallen lassen:*Ein Anwalt vertritt*fünf Orcas*vor Gericht - und lässt sie wegen Sklaverei klagen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,813808,00.html
Mal wieder das Land der unbegrenzten Möglichkeiten... Was mich nervt, ist diese Vermenschlichung der Tiere. Natürlich sollten Tiere nicht ausgebeutet werden, aber sich gleich auf ein Gesetz beziehen, wo vom "Volke" die Rede ist!? Außerdem: Was will Peta erreichen? Dass die Tiere in Freiheit elendig zugrunde gehen wie das Titel-Tier "Keiko"? Da war der Grundgedanke ja auch, dass eine Auswilderung für das Tier das Beste sei, allerdings starb der Filmstar dann an einer Lungenentzündung. Bei Orcas mag das Argument stimmen, dass die Tiere oft über die 4 Lebensjahre in Gefangenschaft nicht hinaus kommen, jedoch gilt dies nicht für Große Tümmler.
4. Dr.
Redigel 07.02.2012
Zitat von aquarelleMal wieder das Land der unbegrenzten Möglichkeiten... Was mich nervt, ist diese Vermenschlichung der Tiere. Natürlich sollten Tiere nicht ausgebeutet werden, aber sich gleich auf ein Gesetz beziehen, wo vom "Volke" die Rede ist!? Außerdem: Was will Peta erreichen? Dass die Tiere in Freiheit elendig zugrunde gehen wie das Titel-Tier "Keiko"? Da war der Grundgedanke ja auch, dass eine Auswilderung für das Tier das Beste sei, allerdings starb der Filmstar dann an einer Lungenentzündung. Bei Orcas mag das Argument stimmen, dass die Tiere oft über die 4 Lebensjahre in Gefangenschaft nicht hinaus kommen, jedoch gilt dies nicht für Große Tümmler.
Es gibt sogar Philosophen die zum Beispiel "das Meer" gerne als juristische Person (nicht als natürliche) sähen, damit dieses "Meer" dann auch vor Gericht zum Beispiel gegen die massive Umweltverschmutzung im Zuge der Deep Water Horizon klagen kann. Wäre doch witzig, wenn BP vom "Meer" verklagt worden wäre. Aber da es nix gesagt hat und die toten Tierchen auch nix sagen werden, können wir weiter unseren Dreck verklappen...
5. ***
nechtan 07.02.2012
Zitat von Schiebetürverrieglerwünschte, diese "Tierschützer" würden bedürftigen und rechtlosen Menschen mehr Interesse widmen, als solch eine dekadente Farce aufzuführen.....
Der Mensch kann sich selber helfen, Tiere können das nicht. So einfach ist das. Dekadent sind außerdem eher die dumme Touristen die dümmlich klatschend Maulaffen feilhalten wenn Tiere zu ihrem vergnügen ausgebeutet werden.
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