Tod durch Pressen Das mörderische Geheimnis der Boa constrictor

Schneller Zugriff, keine Chance: Innerhalb weniger Minuten bringt eine Boa constrictor ihre Beute zu Tode. Doch wie das genau funktioniert, haben Forscher erst jetzt verstanden. Der Erkenntnisprozess war für viele Ratten tödlich.

Corbis

Tot ist tot. Aus Sicht des Opfers mag es also nur eine Petitesse sein - aus Sicht der Wissenschaft ist es aber eine durchaus interessante Erkenntnis: Würgeschlangen der Art Boa constrictor töten ihre Beute auf ganz andere Art als bisher angenommen. Das berichten Scott Boback vom Dickinson College in Carlisle (US-Bundesstaat Pennsylvania) und Kollegen im "Journal of Experimental Biology".

Kurz zusammengefasst lautet ihre Erkenntnis: Die Tiere ersticken ihre Beute nicht, wie bisher vermutet. Sie pressen sie stattdessen so stark zusammen, dass es zu einem Kreislaufkollaps kommt.

Diese Methode sei "präziser und effizienter", sagte Boback der BBC. Der Weg zu dieser Erkenntnis war für ein knappes Dutzend Ratten allerdings tödlich. Die Wissenschaftler verfütterten elf betäubte Nager an die Schlangen und maßen unter anderem deren Blutdruck und Herzfrequenz.

Dabei zeigte sich, dass bereits sechs Sekunden nach dem Beginn des Würgegriffs der Blutdruck in der Oberschenkelarterie der Ratten auf die Hälfte seines Wertes abfiel. Gleichzeitig versechsfachte sich der zentrale Venendruck. Die Herzfrequenz sank, der Puls wurde unregelmäßig.

Lauschen auf die Herztöne

Ratten wurden innerhalb von Sekunden bewusstlos, Sauerstoffmangel beeinträchtigte die Organe, vor allem an Gehirn, Herz und Leber. Schließlich folgte der Tod. Das Ganze passierte deutlich schneller, als wenn die Beute ersticken würde - und genau so waren die Forscher der Sache auch auf die Spur gekommen. Sie hatten sich darüber gewundert, wie die Schlangen ihre Beute eigentlich so schnell zur Strecke bringen können.

Boback und seine Kollegen befassen sich schon seit Längerem mit den tödlichen Tricks der Würgeschlangen. So hatten sie vor dreieinhalb Jahren im Fachmagazin "Biology Letters" berichtet, dass die Jäger den Herzschlag ihrer Beute spüren können - und ihre Umklammerung erst beenden, wenn dieser zum Erliegen gekommen ist. Dazu hatten sie bereits tote Ratten mit künstlichen Herzen ausgestattet, deren Herzschlag sich regulieren ließ. Erst wenn die Forscher sich entschieden, diesen abzustellen, ließen die Schlangen locker. Im aktuellen Versuch war das im Schnitt übrigens nach sechs Minuten der Fall.

chs



insgesamt 20 Beiträge
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agmafu 23.07.2015
1. Rückgrat gebrochen
Man hat mir in Indien demonstriert, wie eine vergleichsweise kleine Boa eine Ratte erlegt. Gerade lag die Boa noch aufgeringelt in der Ecke, im nächsten Moment war sie 80cm weiter um die Ratte gewickelt und hatte deren Kopf im Maul. Das Rückgrat sah sehr gebrochen aus, die letzten Zuckungen hatten mir Leben wahrscheinlich nicht mehr viel zu tun. Das ging so blitzschnell, dass ich nicht folgen konnte. Kein gemütliches erwürgen oder erdrücken. Ein Sprung, ein Ruck, die Ratte zerbrochen.
spon-facebook-512598660 23.07.2015
2. Künstlicher Herzschlag
Auf so eine Idee kommt eben nur ein wissenschaftlicher Mensch. Das is positiv gemeint.
scar17 23.07.2015
3. Bin ich froh,dass das geklärt wurde...
...ich war mir nie sicher, ob das Opfer an Herzversagen, Atemnot oder Folgen innerer Verletzungen stirbt. Gottseidank gibt es Tierversuche, damit wird das jetzt wissen.
polykratius 23.07.2015
4. Die Wissenschaft hat festgestellt...
Ja wirklich sehr erkenntniserhellend. Das die Ratten einen Herzinfarkt und Kreislaufkollaps wegen Sauerstoffverlust bekamen ist natürlich etwas völlig anderes als wenn die Schlange die Opfer erstickt. Ich gehe sogar noch weiter in meiner Theorie und behaupte das bisher alle Lebewesen durch Sauerstoffnot und demzufolge Herzinfarkt verstorben sind. Nur mal schneller und mal langsamer. Bekomme ich nun den Nobelpreis?
deus-Lo-vult 23.07.2015
5.
"Dazu hatten sie bereits tote Ratten mit künstlichen Herzen ausgestattet, deren Herzschlag sich regulieren ließ. Erst wenn die Forscher sich entschieden, diesen abzustellen, ließen die Schlangen locker. Im aktuellen Versuch war das im Schnitt übrigens nach sechs Minuten der Fall." Komisch. Meine bekommt tote Ratten und drückt trotz fehlenden Herzschlags...
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