Artenschutz Software erkennt Fledermäuse an ihren Rufen

Viele Fledermausarten sind vom Aussterben bedroht. Ein neues Computerprogramm soll helfen, den Fledermausbestand in Europa zu erfassen und zu schützen. Es erkennt an den Rufen der Tiere, zu welcher Art sie gehören. Nutzen kann die Software jeder.

Graues Langohr: Der Bestand von 34 Arten soll mit Hilfe einer Software erfasst werden
Bat Conservation Trust/ Hugh Clark/dapd

Graues Langohr: Der Bestand von 34 Arten soll mit Hilfe einer Software erfasst werden


Fledermäuse orientieren sich mit Hilfe von Ultraschallwellen. Künftig sollen die hochfrequenten Rufe Forschern helfen, die Flugsäuger zu zählen. Eine neue Software erkennt 34 verschiedene europäische Fledermausarten an deren Ultraschallrufen. Mit dem Programm habe man erstmals eine Möglichkeit, den Bestand der nachtaktiven Säugetiere objektiv, vergleichbar und verlässlich zu überwachen, berichten Wissenschaftler im Fachmagazin "Journal of Applied Ecology".

Fledermäuse setzen ihre Ultraschallrufe sowohl zur Orientierung als auch bei der Jagd ein. "Viele Fledermausarten haben dabei spezifische Rufstrukturen entwickelt, anhand derer man sie identifizieren kann", sagt Charlotte Walters von der Zoological Society of London. Die Forscher haben aus 15.858 Rufen von 34 europäischen Fledermausarten 1350 Rufe ausgewählt und auf typische Merkmale hin analysiert. "Etwa wie lange der Ruf dauert, wie schnell sich seine Frequenz ändert, welche Höhe oder Tiefe der Ton erreicht", erklärt Walter. Zwölf besonders charakteristische Merkmale haben die Forscher ausgewählt und einer Software namens iBatsID beigebracht, Fledermausarten über sie zu identifizieren.

Erste Tests zeigen, dass das Programm die meisten Arten in über 80 Prozent der Fälle richtig erkennt. Einige Spezies seien allerdings schwerer zu identifizieren als andere. "iBatsID kann die Rufe der Zwergfledermausarten mit bis zu 98-prozentiger Genauigkeit bestimmen, aber einige Arten der Mausohren sind sehr schwer voneinander zu unterscheiden", sagt Walter. Bei diesen liege die Treffsicherheit bisher nur zwischen 49 und 81 Prozent.

Dennoch sei dies ausreichend, um erstmals europaweit die Fledermausbestände zu erfassen. Das Programm erleichtere es auch, die Tiere bei Dunkelheit zu erfassen oder wenn sie sehr hoch fliegen. Auf der Projektseite der Forscher kann jeder Tonaufnahmen von Fledermausrufen durch das Programm iBatsID analysieren und die Rufe zuordnen lassen.

Die Überwachung und Kartierung der bedrohten Flugsäuger verrate viel über den allgemeinen Zustand europäischer Ökosysteme, berichten die Forscher. Walter sagt: "Wenn die Zahl der Fledermäuse in einem Gebiet stark abnimmt, wissen wir, dass in ihrem Lebensraum etwas nicht in Ordnung ist." Über die Fledermäuse erhalte man so einen guten Einblick, wie sich die Artenvielfalt allgemein entwickle.

jme/dapd

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