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Sozialverhalten: Schimpansen sind Egoisten

Sie denken meist nur an sich: Schimpansen suchen ihren eigenen Vorteil auf Kosten ihrer Artgenossen. Experimente zeigen, dass die Tiere in Gruppen meist darauf warten, Erdnüsse ergattern zu können, anstatt welche zu beschaffen.

Schimpanse im Taronga Zoo, Sydney: Wo gibt's was zu essen? Zur Großansicht
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Schimpanse im Taronga Zoo, Sydney: Wo gibt's was zu essen?

Leipzig/Hamburg - Schimpansen sind nur begrenzt teamfähig. Leipziger Max-Planck-Forscher haben in Experimenten bestätigt, dass die nächsten Verwandten des Menschen nur limitierte Mittel haben, um ein "Problem kollektiven Handelns" zu überwinden.

In kleinen Gruppen und einfachen Situationen nähmen zwar die dominanteren Tiere das Heft des Handelns in die Hand, um der gesamten Gruppe zu einem Vorteil zu verhelfen. In größeren Gruppen und komplexeren Situationen funktioniere das aber nicht mehr, schreiben die Forscher in den "Proceedings of the Royal Society B".

Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie machten ihre Verhaltensstudien mit insgesamt zwölf Schimpansen. Im ersten Experiment musste ein Knopf gedrückt werden, um Tröge mit Saft für alle zu füllen. Im zweiten Versuch mussten zwei Affen an einem Seil ziehen, damit es in einem Nachbarraum Erdnüsse regnete. Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass ranghöhere Tiere generell zum Handeln neigen, während rangniedrigere Tiere passiver bleiben und nehmen, was sie bekommen können.

Beim Saft-Experiment mit jeweils Dreier-Gruppen habe sich gezeigt, dass tatsächlich eher die ranghöheren Tiere handelten - sie sorgten dafür, dass der Saft strömte. Davon profitierte die ganze Gruppe, das Problem kollektiven Handelns war überwunden.

Beim Erdnuss-Experiment mit sechs Schimpansen, wo einerseits Kooperation nötig war und sich die Belohnung in Form von Nüssen auch noch wild im Raum verteilte, brach dieses Muster zusammen. Stattdessen lernten die dominanteren Tiere schnell, an welcher Stelle im Raum es Nüsse regnete - und postierten sich davor. Das Problem kollektiven Handelns wurde nicht gelöst.

Zum Trittbrettfahren verleitet

Für die Forscher war das Experiment spannend, weil bis heute nicht geklärt ist, wie Affen in freier Wildbahn in Gruppen erfolgreich jagen. Auch die Jagd - etwa auf Stummelschwanzaffen - könnte ein "Problem kollektiven Handelns" darstellen, hieß es. Denn die aktiven Jäger trügen ein größeres Risiko, sich zu verletzen oder zu viel Energie zu verlieren. Das verleite zum Trittbrettfahren.

"Das moderne menschliche Leben ist voller Probleme kollektiven Handelns, bei denen Einzelne den Impuls haben, andere die Arbeit machen zu lassen und selbst die Belohnung zu kassieren", sagte Michael Tomasello, ein Autor der Studie. "Längerfristig unterminiert das aber die Zusammenarbeit, weil die Menschen den Trittbrettfahrern ihr Verhalten übelnehmen. Daher ist alles, was wir über Vorgänge im Zusammenhang mit Problemen kollektiven Handelns herausfinden können, sehr wichtig."

Die Saft- und Erdnuss-Experimente seien jedoch nicht genau mit dem Jagd-Problem vergleichbar, berichteten die Forscher. Denn beim Jagen hätten die aktiven Tiere gute Chancen auf ein größeres Stück der Beute und setzten dafür ihre Gesundheit aufs Spiel. Um das Geheimnis der erfolgreichen Gruppenjagden der Schimpansen zu lüften, müssten also noch weitere Experimente zu dem Problem kollektiven Handelns gemacht werden, so die Forscher.

Dass Schimpansen keine sonderlich sozialen Tiere sind, hatten die Leipziger Forscher unlängst in weiteren Experimenten festgestellt. Demnach lassen Ungerechtigkeiten die Primaten kalt.

boj/dpa

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Evolution
Die Veränderung des Erbguts und damit des Phänotyps von Individuen von Generation zu Generation.
Population
Eine Gruppe von Organismen einer Art oder auch verschiedener Arten (Mischpopulation) an einer bestimmten Örtlichkeit.
Phänotyp
Das Erscheinungsbild eines Individuums ist die Gesamtheit der durch die Erbanlagen (Genotyp) und die Einflüsse der Umwelt sich ausprägenden Merkmale eines Lebewesens.
genetische Variabilität
Die einzelnen Individuen einer Art besitzen genetische Unterschiede.
natürliche Selektion
Das Erbgut von Individuen einer Art wird nicht mit gleicher Wahrscheinlichkeit weiter gegeben. Manche Individuen einer Population vermehren sich stärker als andere - je nachdem wie überlebenstüchtig sie in einer bestimmten Umwelt sind. Selektionsfaktoren der Umwelt üben eine natürliche Selektion aus.
sexuelle Selektion
Ein Individuum bevorzugt bei seiner Partnerwahl bestimmte Merkmale. Dadurch haben nicht alle potentiellen Sexualpartner die gleichen Chancen zur Fortpflanzung, es findet somit eine Selektion statt. Die Erbanlagen, die die Merkmale hervorbringen, die fr die Partnerwahl entscheidend waren, werden dadurch weiter gegeben.
künstliche Selektion
Vom Mensch gewünschte Eigenschaften werden durch Selektion und Zucht einzelner Individuen gezielt vermehrt.
genetische Drift
Auch Gendrift genannt. Vorgang bei der Evolution, der zu einer Veränderung im Genbestand kleiner Teilpopulationen gegenüber der Ausgangspopulation führt. Je kleiner eine Population ist, umso leichter kann der Zufall eine vom allgemeinen Durchschnitt abweichende Kombination von Genen zusammenführen. Gelangen beispielsweise nur wenige Individuen einer Art in ein isoliertes Gebiet (Insel, abgeschnittenes Gebirgstal), so können sich nun von ihrem Selektionswert unabhängige Mutationen aufgrund des Zufalls durchsetzen oder verlorengehen. Dies kann zu Formen führen, die in einzelnen Merkmalen nicht angepasst sind (beispielsweise auffällige Färbung, die sie als Beutetiere mehr gefährdet). Der Wirkungsgrad der Gendrift kann durch die mathematische Statistik erfasst werden.


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